Zum 50. Mal macht der Negativpreis Plagiarius aktuell auf ausgewählte Plagiate aufmerksam. In diesem Jahr wurden etwa nachgemachte Baby-Flaschen, Waschtischarmaturen und Möbel ausgezeichnet – einer der Markenhersteller vermeldet zudem eine große Razzia in China.
Den ersten Preis sicherte sich die Nachahmung eines Flaschen-Sets für Neugeborene (Original links im Artikelbild oben zu sehen). Das Original von Philips AVENT aus BPA-freiem Kunststoff sei geruchs- und geschmacksneutral. Die von Plagiarius prämierte Imitation „AVEAT“, vertrieben von einer chinesischen Firma, lasse hingegen Zweifel an der Qualität aufkommen. Der niedrige Preis sowie Fotos der Produktionsorte der Plagiate seien mit Blick auf den geplanten Einsatz der Produkte für Neugeborene bedenklich. Laut Plagiarius konnten die Nachahmungen bei einer Razzia sichergestellt werden, woraufhin ein Gericht die chinesische Firma zu Unterlassung und Schadensersatz verurteilt habe.
Den zweiten Platz erhielt eine Kopie des Waschtischmischers AXOR MyEdition des renommierten Herstellers Hansgrohe aus dem baden-württembergischen Schiltach. Neben dem geschützten Design seien auch die Marken hansgrohe und AXOR kopiert worden. Vertrieben wurden die Fälschungen laut Plagiarius deutlich unter Originalpreis auf Onlinemarktplätzen wie Taobao – beworben auch mit Originalfotos.
Passend zur Auszeichnung mit dem Plagiarius meldete Hansgrohe aktuell auch, dass der Konzern zusammen mit Behörden in China 2025 ein Fälschernetzwerk zerschlagen hatte. Dabei seien Fälschungen im Marktwert von rund 360.000 Euro beschlagnahmt worden, und drei Hauptverantwortlichen drohten nun strafrechtliche Konsequenzen. In seiner Mitteilung führt Hansgrohe aus, dass die rechtliche Lage oft komplex sei und Fälscher in China KI-Tools und eigene IP-Anmeldungen nutzten, um Originalhersteller zu behindern. „Gefälschte Sanitärprodukte sind ein Sicherheitsrisiko. (…) Gleichzeitig entsteht unserer Branche ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden“, erklärte Carmen Vetter, Leitung Schutzrechte bei Hansgrohe. Bei dem Hersteller aus dem Schwarzwald summiere sich der Schaden auf geschätzt fünf bis zehn Prozent des weltweiten Umsatzes.
Der dritte Preis ging an ein französisches Mode- und Versandhaus La Redoute, das mit einer Nachahmung der sogenannten Stapelliege Klassik das exklusive weltweite Recht für Herstellung, Vertrieb und Vermarktung der Müller Möbelwerkstätten verletzt habe. Das Plagiat habe alle prägenden ästhetischen und funktionalen Merkmale komplett kopiert.
Ein erster Sonderpreis ging an zahlreiche chinesische Hersteller und Händler, die Onlinemärkte mit Billigplagiaten der Besteck-Sets KLIKK und KLIKK Pocket der koziol »ideas for friends überfluten, so Plagiarius. Trotz zahlreicher Abmahnungen tauchten immer neue Kopien auf, etwa auf Plattformen wie Alibaba. Zwar würden gemeldete Angebote gelöscht, allerdings würden Nachahmer ihre Plagiate immer wieder neu einstellen.
Ein zweiter Sonderpreis dreht sich um Fake-Shops, also um komplett nachgemachte Online-Shops, die oft mit günstigen Angeboten lockten, jedoch keine Ware lieferten. Gleich zwei Fake-Shops hatten im letzten Jahr den Online-Shop der Marke GERMENS nachgebildet, wie Plagiarius in der Auszeichnung betonte.
Außerdem wurden fünf gleichwertige Auszeichnungen verliehen, laut Plagiarius handelt es sich dabei um folgende Fälle:
Eine der Auszeichnungen ging an eine Kopie des Schalterprogramms Busch-balance SI des sauerländischen Herstellers Busch-Jeager. Design und technische Details der Serie seien nahezu identisch übernommen worden, die Nachahmungen seien dabei sogar offensiv als kompatible und kostengünstige Alternative beworben worden.
Eine weitere Auszeichnung ging an eine Nachahmung der Rasierklingen Philips OneBlade. Laut Plagiarius und dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung wurden allein im Jahr 2024 über 900.000 illegale Rasierklingen in der EU beschlagnahmt. Philips unterstütze regelmäßig Razzien und ziehe Nachahmer zur Rechenschaft.
Imitationen von Produkten des Herstellers koziol erhielten noch einen weiteren Preis, diesmal für Kopien der robusten CHEERS-Sektgläser. Die Kopien seien zu einem Drittel des Originalpreises angeboten worden und bestünden aus einfachem Plastik.
Eine weitere Auszeichnung ging an eine Nachahmung des Gebäckformers F450 der Niederrheinischen Formenfabrik Janssen. Ein türkischer Hersteller habe über 25 geschützte Komponenten nahezu identisch kopiert. Die Nachahmung sei sogar bei einer Live-Vorstellung auf der Fachmesse iba 2025 präsentiert worden, weise aber trotz eines höheren Preises als das Original deutliche Funktionsmängel auf.
Ausgezeichnet wurde schließlich auch eine Kopie des beliebten Tintenrollers PILOT FriXion Ball. Laut Plagiarius tauchten immer wieder Kopien der Stifte auf. Der nun ausgezeichnete Nachahmer kopierte dabei nicht nur das Design, sondern auch die Bildmarke FriXion.
Bei der 50. Plagiarius Verleihung betonte diesjähriger Laudator Dr. Hans-Jürgen Völz, Bundesgeschäftsleiter Volkswirtschaft bei Der Mittelstand. BVMW e.V., die Wichtigkeit von Innovationen in der Wirtschaft: „Wer sich seines geistigen Eigentums unbefugt bemächtigt, untergräbt nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg innovativer Unternehmen, sondern schädigt systematisch die Investitionsbereitschaft am Standort Deutschland.“ Mit dem Negativpreis soll zur Sensibilisierung gegenüber Fälschungen beigetragen werden.
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