Die Anti-Fälschungs-Kampagne Real Deal Online versucht, den Verkauf gefälschter Waren über Social-Media-Gruppen einzudämmen. Dafür möchte die britische Initiative die Gruppenbetreiber auf den sozialen Netzwerken für Markenpiraterie sensibilisieren.

Im Vereinigten Königreich will die neue Kampagne Real Deal Online gegen Fälschungen in sozialen Netzwerken vorgehen. Ihr innovativer Ansatz richtet sich vor allem an die Administratoren sogenannter Buy-and-Sell-Gruppen, also geschlossener Nutzergruppen auf Social Media, in denen Produkte von privaten Nutzern gehandelt werden. Im Fokus von Real Deal Online steht insbesondere Kommunikation und Information rund um Piraterie: Das Programm klärt Gruppenbetreiber über ihre Pflichten beim Thema Produktpiraterie auf. Die Administratoren sollen sich ihrer rechtlichen Verantwortung bewusst werden, „den Verkauf gefälschter Waren und anderer illegaler Produkte innerhalb ihrer Gruppen zu verhindern.“

Real Deal Online ist eine gemeinsame Initiative des National Trading Standards eCrime-Team (NTSeCT) und der National Markets Group for IP Protection (NMG). Im Gegensatz zu vergleichbaren Initiativen wendet sich das Programm, das von der britischen Regierung unterstützt wird, weder an die Plattformbetreiber noch primär an die Nutzer von Social-Media-Plattformen. Stattdessen werden vor allem die Administratoren der Buy-and-Sell-Gruppen direkt angesprochen.

Diese Gruppen sind oft auf bestimmte Produktkategorien oder Wohngegenden spezialisiert und folgen einem einfachen Konzept: Verkäufer schalten Anzeigen; Interessenten holen oft die Waren persönlich ab und bezahlen dann in bar. Besonders beliebt sind solche Gruppen auf sozialen Netzwerken, allen voran Facebook. Da Kontrollmechanismen gegen Produktpiraterie in Buy-and-Sell-Gruppen häufig zu kurz kommen, sind sie allerdings auch ein beliebter Vertriebsweg für Fälscher – ähnlich wie etwa der Messenger WhatsApp (wir berichteten jeweils).

Um dem entgegenzuwirken, bittet Real Deal Online die Gruppenbetreiber auch darum, fünf einfache Handlungsprinzipien zu akzeptieren. Die Administratoren verpflichten sich damit unter anderem dazu, Fälschungen in ihren Gruppen zu verbieten, auf Hinweise von Rechteinhabern zu reagieren, Verdachtsfälle an die Behörden zu melden, Warnhinweise der Behörden hervorzuheben sowie die Gruppenmitglieder über die Anti-Fälschungs-Schritte zu informieren. Gruppen, die diesen Bedingungen zustimmen, dürfen ein Real Deal-Logo verwenden.

Nach einer erfolgreichen Pilotphase haben jetzt zahlreiche lokale britische Behörden ihr Interesse an der Einführung des Programms in ihren Regionen bekundet. Zudem wird diskutiert, Real Deal Online auf andere Länder zu übertragen. „Social Media kann eine treibende Kraft sein, die es den Nutzern erleichtert, Waren zu kaufen und zu verkaufen, jedoch kann es damit zu einer Zunahme von gefälschten Waren und anderen illegalen Produkten kommen“, erklärte der britische Minister für geistiges Eigentum, Sam Gyimah. „Deshalb begrüße ich diese Initiative“.

Quellen: Real Deal, World Trademark Review