Crowd-Shipping-Plattformen könnten zukünftig von Fälschern als neuer Vertriebsweg für gefälschte Waren genutzt werden. Die Online-Transportdienste, die sich auch in Europa etablieren, ermöglichen es, Produkte potenziell ohne Kontrolle zu importieren.

Die immer beliebter werdenden Crowd-Shipping-Plattformen könnten Fälschern neue Wege bieten, illegale Waren unbemerkt an den Mann zu bringen. Problematisch ist möglicherweise, dass Plattformen wie das aus Amerika kommende Grabr oder das belgische PiggyBee die Verantwortung für die Kontrolle von Sendungen komplett auf Käufer und Kuriere abwälzen.

Crowd-Shipping bezeichnet die Lieferung von Paketsendungen durch Privatpersonen, etwa Reisende, oder durch selbstständige Kuriere. Spezielle Peer-to-Peer-Plattformen machen es Empfängern und Absendern möglich, lokale oder internationale Zustellungen von Paketen auszuschreiben. Auch ist es möglich, Personen direkt damit zu beauftragen, bestimmte Waren zu kaufen und anschließend zu transportieren (auch als Crowd-Shopping bezeichnet). Crowd-Shipping-Anbieter versprechen eine Lieferung, die günstiger, schneller und persönlicher sein soll, als eine Zustellung durch etablierte Logistikdienstleister wie etwa UPS oder DHL.

Diese Art des Einkaufens kann allerdings Risiken mit sich bringen: Nutzer haben durch die privat organisierten Transaktionen oft keine Garantie, dass sie tatsächlich authentische Produkte erhalten. Zwar regeln die Nutzungsbedingungen von Crowd-Shipping-Plattformen, dass der Transport verbotener Produkte nicht erlaubt ist. Die Anbieter verlangen jedoch, dass die Empfänger und Zusteller selbst kontrollieren, ob es sich bei den transportierten Waren um Fälschungen handelt. Fraglich ist, wie effektiv diese Regelungen sind – so dürften Käufer und Reisende nicht immer in der Lage sein, Plagiate zuverlässig zu erkennen; oder sie könnten ganz darauf verzichten, das überhaupt zu prüfen.

Das Risiko, dass Crowd-Shipping-Plattformen zum Vertrieb gefälschter Produkte genutzt werden, sieht auch der Gründer der Börse PiggyBee, David Vuylsteke. Für ihn trägt jedoch der soziale Aspekt der Peer-to-Peer-Plattform aktiv zum Schutz der Käufer bei. Durch Onlineprofile, Bewertungen und Hintergrundchecks würde es Fälschern erschwert, Plagiate mehr als einmal zu versenden, so Vuylsteke. Um den Schutz vor Fälschungen zu verbessern, fordert er die Markeninhaber auf, den Zoll zu informieren, falls ihre Produkte auch per Crowd-Shipping gehandelt werden.

Dass es in diesem Zusammenhang zudem erforderlich ist, auch Konsumenten für die Gefahren gefälschter Produkten zu sensibilisieren, betont etwa David Lossignol, Präsident der International Trademark Association (INTA), gegenüber dem Fachmagazin World Trade Review: „Wir müssen aufzeigen, welchen Wert Marken für die Gesellschaft haben und wie Fälschungen direkt oder indirekt unsicher oder gefährlich für die Gesundheit einer Person und die Gesellschaft im Allgemeinen sind.“

Quellen: Handelsjournal, World Trademark Review