Weltweit gehen Behörden gegen gefälschte Medizin-Produkte vor; auch europäische Fahnder melden Erfolge gegen Pharma-Plagiate. In Polen wurden Autoteil-Plagiate beschlagnahmt und britischen Behörden gelingt eine millionenschwere Razzia. Die Schweiz meldet derweil einen rapiden Anstieg an Beschlagnahmungen.

Globale Aktion gegen gefälschte Corona-Medizinprodukte
Bei einer weltweiten Operation Anfang März haben Interpol, Europol und Behörden aus 90 Ländern unter anderem gefälschte Gesichtsmasken, minderwertige Handdesinfektionsmittel und illegale antivirale Medikamente beschlagnahmt, die mit der zunehmenden Ausbreitung des neuartigen Coronavirus auf den Markt drängen. Während der Operation Pangea XIII wurden rund 326.000 Sendungen kontrolliert, davon wurden ca. 48.000 gestoppt. Insgesamt 4,4 Millionen illegale Arzneimitteleinheiten beschlagnahmten die Beamten, darunter etwa 34.000 gefälschte und minderwertige Gesichtsmasken und vermeintliche Medikamente gegen Covid-19, die etwa als ‚corona spray‘ oder ‚coronavirus medicine‘ beworben wurden. Zudem wurden mehr als 2.500 Online-Angebote für illegale Arzneimittel entfernt (unter anderem Webseiten bzw. Seiten auf Social Media oder Online-Marktplätze), viele davon mit Bezug zu Covid-19. Insgesamt 121 Personen wurden verhaftet und 37 Gruppen der Organisierten Kriminalität ausgehoben. „Der illegale Handel mit solchen gefälschten medizinischen Artikeln während einer Krise der öffentlichen Gesundheit zeigt ihre völlige Missachtung des Wohlergehens der Menschen oder ihres Lebens“, so Jürgen Stock, Interpol Secretary General. Begleitet wurde die Aktion von Aufklärungskampagnen in den teilnehmenden Ländern, um auf die Risiken von Fälschungen aufmerksam zu machen.

EU-weiter Schlag gegen Medikamentenfälschungen und Organisiertes Verbrechen
Wie kürzlich bekannt wurde, gelang Europol und mehreren EU- und Nicht-EU-Staaten1 von Juli bis Oktober 2019 ein Schlag gegen den Handel mit illegalen und gefälschten Medikamenten. Rund 36 Millionen Arzneimitteleinheiten wurden beschlagnahmt, 165 Verdächtige in mehreren EU-Ländern verhaftet und Vermögenswerte in Millionenhöhe beschlagnahmt. Insgesamt gingen die Behörden gegen zwölf Gruppen der organisierten Kriminalität mit der Aktion vor. Die Operation fand unter der Leistung der französischen Gendarmerie Nationale und des finnischen Zolls (Tulli) statt und wurde unterstützt vom Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO), Eurojust und dem Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF). Europol berichtete in diesem Zusammenhang auch, dass Medikamentenfälschungen häufig in Untergrundfabriken innerhalb der EU hergestellt bzw. verpackt würden.

1 Die EU-Länder Belgien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal, Rumänien, Slowakei, Spanien, Ungarn und Zypern; sowie Bosnien-Herzegowina, Großbritannien, Ukraine, USA.

Tausende gefälschte Autoschlüssel in Polen sichergestellt
Die polnische Polizei beschlagnahmte haben mehr als 3.000 gefälschte Schlüssel und weitere Autoteile, die von einem in der Stadt Bydgoszcz ansässigen Händler im stationären Handel und über das Internet vertrieben wurden. Beamte der örtlichen Polizei durchsuchten die Geschäftsräume des Händlers und stellten eine Vielzahl an Artikeln sicher, die unerlaubt mit den Markenzeichen mehrerer Automobilhersteller versehen waren. Offiziellen Angaben zufolge schätzten die Markeninhaber den potentiellen wirtschaftlichen Schaden, der durch den Verkauf der Plagiate entstanden wäre, auf eine Höhe von rund drei Millionen Złoty (rund 670.000 Euro).

Millionenschwere Razzia in Großbritannien
Bei einer der größten bisher durchgeführten Razzien gegen Produktpiraterie und Markenpiraterie im Raum Manchester durchsuchten britische Strafverfolgungsbehörden drei Geschäfts- und Lagerräume und beschlagnahmten mutmaßliche Fälschungen im Wert von geschätzten 7,5 Millionen Pfund (rund 8,2 Millionen Euro). Ziel der Aktion war es, Verbindungen zur Organisierten Kriminalität außerhalb Manchesters aufzudecken. An der Operation beteiligt waren mehr als 100 Beamte und Mitarbeiter der Greater Manchester Police (GMP), der City of London Police Intellectual Property Crime Unit (PIPCU) und der UK Immigration. Die Beamten beschlagnahmten gefälschte Kleidung, Schuhe und Parfums, zudem verhafteten sie 15 Personen. Die Aktion sei „eine der größten ihrer Art, die jemals in diesem Gebiet durchgeführt wurde, und hat eine akribische Planung und Vorbereitung erfordert“, kommentierte Chief Inspector Kirsten Buggy von der Greater Manchester Police.

70 Prozent mehr Beschlagnahmungen im Schweizer Warenverkehr
Der Schweizer Zoll verbuchte im Jahr 2019 einen deutlichen Anstieg der Beschlagnahmungen im Handelswarenverkehr, wie der Schweizer Verband STOP PIRACY berichtet. Insgesamt 2.905 Sendungen wurden von Beamten der Eidgenössischen Zollverwaltung sichergestellt – ein erschreckender Anstieg um rund 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Darunter seien auch viele Lieferungen des Online-Handels; insgesamt hätte sich die Zahl der Kleinsendungen aus Asien in die Schweiz in den letzten fünf Jahren versechsfacht. An erster Stelle der beschlagnahmten Artikel stünden weiterhin gefälschte Handtaschen, Bekleidung und Uhren. Aber auch etwa nachgemachte Körperpflege-Artikel sowie Mobiltelefone und -zubehör wurden sichergestellt.

Quellen: Interpol, Europol; Europol; KMP W Bydgoszczy; Greater Manchester Police, Manchester Evening News, BBC; STOP PIRACY