Gefälschte Arzneimittel richten in der EU einen jährlichen finanziellen Schaden von über 10 Milliarden Euro an, wie jetzt eine neue Studie des EUIPO aufzeigt. Für die Originalhersteller bedeutet das unter anderem rund 4,4 % Umsatzeinbußen pro Jahr.

Neben den verheerenden finanziellen Verlusten verursacht der Handel mit gefälschten Arzneimitteln in der EU zusätzlich einen deutlichen Beschäftigungsrückgang: rund 38.000 Arbeitsplätze werden jährlich in der Branche zerstört. Das ist das erschreckende Ergebnis einer neuen Studie des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO).*

Berücksichtigt man zusätzlich noch die Folgewirkungen der Arzneimittelpiraterie auf andere Wirtschaftszweige, so ist von einem jährlichen Schaden von rund 17 Milliarden Euro sowie dem Verlust von circa 91.000 Arbeitsplätzen auszugehen.

Der größte Hersteller von Arzneimitteln in der EU ist Deutschland (rund 41 Milliarden Euro), gefolgt von Irland (26 Milliarden Euro), Frankreich (25 Milliarden Euro) und Italien (20 Milliarden Euro). Dementsprechend groß sind auch die absoluten Verluste, die Arzneimittelhersteller in diesen Ländern erleiden.

Mit durchschnittlich 2,9 % liegt der relative Umsatzverlust deutscher Pharmaproduzenten jedoch unter dem EU-Durchschnitt von circa 4,4 %. Besonders schwer betroffen sind dagegen Hersteller in Bulgarien mit durchschnittlich 17,6 % Umsatzeinbußen, Rumänien (16,6 %) und Ungarn (13,3 %).

„Wir wissen aufgrund von Analysen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass sowohl Generika als auch innovative Arzneimittel gefälscht werden. Solche Fälschungen können giftig sein und eine ernste Gefahr für die Gesundheit darstellen“, erklärt António Campinos, Exekutivdirektor des EUIPO. „Unser Bericht zeigt, dass sie darüber hinaus schwerwiegende Auswirkungen auf die Volkswirtschaft und auf Arbeitsplätze haben.“

Der Bericht über die Auswirkungen von Fälschungen in der Pharmaindustrie ist Teil einer Reihe von Studien, mit denen das EUIPO die Bedrohung durch Produkt- und Markenpiraterie erfassen möchte. Bislang wurden unter anderem Berichte zu Schäden durch Fälschungen in der Kosmetikbranche, der Modeindustrie, der Sportartikelindustrie sowie der Spielzeugbranche veröffentlicht (wir berichteten jeweils).

* Die Auswirkungen von gefälschten Arzneimitteln beziehen sich im Rahmen der EUIPO-Studie lediglich auf die Herstellung sowie den Großhandel von Medikamenten und betreffen somit nicht den Einzelhandel.

Quelle: EUIPO