Laut einer neuen EUIPO-Studie halten 97 % der EU-Bürger geistiges Eigentum für wichtig und denken, dass Innovationsarbeit entlohnt werden sollte. Die Untersuchung zeigt jedoch auch, dass nicht alle tatsächlich diesem Grundsatz folgen – insbesondere bei einer Gruppe steigt die Toleranz für den Kauf von Fälschungen.

Der Erhebung des EUIPO (Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum) zufolge denken rund 8 von 10 EU-Bürgern, dass illegale Nachahmungen eine existenzielle Bedrohung für Unternehmen darstellen und Arbeitsplätze vernichten. Zudem finden rund 70 % der Befragten, dass es für den Kauf von Fälschungen keine Entschuldigung gibt.

Zur gleichen Zeit kam die Studie allerdings auch zu dem Ergebnis, dass die Akzeptanz für den Erwerb gefälschter Waren zunimmt. Insbesondere gilt dies für die Gruppe der 15- bis 24-Jährigen, die weniger von den negativen Konsequenzen der Produktpiraterie überzeugt ist. So erklärten 15 % der befragten 15- bis 24-Jährigen, in den letzten zwölf Monaten wissentlich eine Produktfälschung gekauft zu haben, ein Anstieg von 9 % im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2013. Zudem gaben im Vergleich zum EU-Durchschnitt (10 %) beinahe dreimal so viele 15- bis 24-Jährige (27 %) an, schon einmal Online-Inhalte aus illegalen Quellen bezogen zu haben.

Die Bereitschaft der Verbraucher, Fälschungen zu tolerieren, hängt dabei anscheinend auch vom Preis der Originalwaren ab. So halten es 27 % für akzeptabel, Fälschungen zu kaufen, wenn der Preis des Originals zu hoch ist; immerhin 24 % denken so, falls das Original im eigenen Land nicht/noch nicht erhältlich ist. Darüber hinaus deutet die EUIPO-Studie auch auf eine zunehmende Unsicherheit der Verbraucher hin: Rund 35 % der Befragten gaben an, sich der Authentizität eines Produkts schon einmal unsicher gewesen zu sein; circa 10 % sollen bereits auf ein Plagiat hereingefallen sein.

„Insgesamt stellen wir fest, dass die Bürger innerhalb der EU Rechte des geistigen Eigentums sehr unterstützen. Allerdings können wir auch feststellen, dass mehr getan werden muss, damit besonders junge Menschen die Bedeutung dieser Rechte für unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft verstehen können“, so António Campinos, Exekutivdirektor des EUIPO.

Im Rahmen der 2016 durchgeführten Erhebung wurden mehr als 26.000 Personen ab 15 Jahren aus allen Mitgliedsstaaten der EU befragt. Mit der Studie baut das EUIPO auf Ergebnisse seiner 2013 durchgeführten Analyse zum Thema Piraterie und IP-Schutz auf.

Quelle: EUIPO