In Zukunft wird es deutlich schwieriger, gegen Fälscher vorzugehen, so ein aktueller Bericht von Europol. Als Grund nennt die EU-Behörde eine Verlagerung im organisierten Verbrechen, weg von hierarchischen Strukturen hin zu vernetzten Einzeltätern.

In seinem Bericht „Exploring Tomorrow’s Organised Crime“ untersucht das Europäische Polizeiamt Europol die Zukunft des organisierten Verbrechens in Europa, auch in Hinblick auf Produkt- und Markenpiraterie. Besorgniserregend ist dabei die Erkenntnis, dass das organisierte Verbrechen künftig weitaus weniger klar organisiert sein werde. Dadurch dürfte es für Strafverfolgungsbehörden deutlich schwieriger werden, gegen Piraterie vorzugehen.

Als Ursache sieht Europol einen Rückgang traditionell organisierter Verbrecher-Banden, an deren Stelle in Zukunft vermehrt kriminelle Einzelpersonen treten. Diese schließen sich dann, so Europol, quasi als freischaffende Kriminelle auf Projektbasis zusammen. Im Bereich der Internet-Kriminalität ist dieser Trend längst zu beobachten – dementsprechend sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis er auch in Bereichen wie der Produktpiraterie spürbar werde.

Unterstützt wird die Fragmentierung des organisierten Verbrechens auch durch Innovationen im Bereich Transport und Logistik. Im Zentrum steht dabei vor allem das Internet, das oft eine kostspielige Verbrechens-Infrastruktur unnötig macht. Fälscher können ihre illegalen Waren online verkaufen, ohne selbst vor Ort zu sein. Ihr Vorgehen dürfte dabei immer raffinierter werden, zum Beispiel durch die Verwendung virtueller Währungen wie Bitcoin oder mittels täuschend echt aussehender Verkaufsseiten, die Inhalt und Design legitimer Online-Shops detailgetreu nachahmen. Als weitere Innovation, die Produkt- und Markenpiraterie befeuern könnte, nennen die Europol-Experten den 3D-Druck. Er ermöglicht Fälschern eine schnelle und kostengünstige Nachahmung originaler Produkte (wir berichteten) und könnte daher die Produktion von Fälschungen in Europa ausweiten.

Klar ist, dass der von Europol beschriebene Wandel im organisierten Verbrechen nicht über Nacht kommen wird. Unternehmen können sich jedoch bereits heute darauf vorbereiten, etwa indem sie neben Aktionen gegen Fälscher vermehrt auch auf die Aufklärung ihrer Kunden setzen und so die Nachfrage nach Piraterie-Waren reduzieren.

Quellen: Europol, World Trademark Review