Suchmaschinen wie Google führen Nutzer häufig zu Online-Shops, die mutmaßlich gefälschte Waren verkaufen, so eine neue Studie. Die Untersuchung kritisiert zudem, dass Google entsprechende Seiten nicht aus seinem Suchindex entfernen möchte.

Die Suchergebnisse von Google beinhalten zahlreiche Verweise auf Seiten, die mutmaßlich gefälschte Waren vertreiben, so die aktuelle Studie Search engines: Time to step up. Die Untersuchung, die vom britischen Online-Markenschutz-Dienstleister Incopro veröffentlicht wurde, kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Bis zu 60 Prozent der Produktergebnisse verlinken demnach auf Seiten, die mutmaßlich Fälschungen anbieten oder gewerbliche Schutzrechte verletzen. Zudem erscheint mehr als jede vierte dieser verdächtigen Seiten unter den ersten drei Suchergebnissen – also in dem Bereich, der die meisten Klicks erhält.

Kritisiert wird insbesondere, dass Google nicht auf Hinweise reagiere, wenn diese verdächtigen Ergebnisse gemeldet werden. Wie auch andere Suchmaschinen löscht der Online-Gigant entsprechende Einträge nicht aus seiner Listung. „Google entfernt derzeit keine URLs oder Websites aus dem Web-Suchindex bei Anfragen aus markenrechtlichen Gründen“, so der Konzern gegenüber Incopro.

Google selbst geht laut Studie nicht gegen Anbieter vor, die mit möglicherweise gefälschten Produkten handeln – anders als etwa Social Media-Plattformen wie Facebook und Instagram oder Onlinehändler wie eBay und Amazon. Die jetzt veröffentlichte Studie fordert dagegen, dass Google aktiv wird. Der US-Konzern soll dafür zukünftig mit Unternehmen und Verbänden kooperieren und verdächtige Seiten aus seinen Suchergebnissen löschen.

Möchten Unternehmen momentan aus markenrechtlichen Gründen gegen die Indexierung von bestimmten Seiten vorgehen, bliebe ihnen nur der Rechtsweg – meist ein langwieriger und kostspieliger Prozess. Alternativ können Markeninhaber prüfen, ob eine Seite aus anderen Gründen aus den Suchergebnissen entfernt werden kann. Einen wichtigen Ansatzpunkt könnten Urheberrechtsverletzungen bieten, falls zum Beispiel unerlaubt Bilder etwa von Original-Produkten verwendet werden.

Für die Studie von Incopro wurden Suchergebnisse zu Begriffen aus fünf Branchen untersucht (Pharma, Automotive, Kinderausstattung, Sicherheitsausrüstung sowie Haushaltsprodukte). Neben Google wurden auch weitere Suchmaschinen wie Bing, Baidu oder Yandex einbezogen. Bei der Suche nach einem Antibiotikum wurden dabei bis zu 60 Prozent der produktbezogenen Suchergebnisse als verdächtig eingestuft, ebenso beispielsweise bei rund einem Drittel der Produktergebnisse für einen Artikel aus dem Bereich Kinderwaren.

Quellen: Incopro, World Trade Review