Der Wert international gehandelter Fälschungen beläuft sich weltweit auf etwa 450 Milliarden Euro im Jahr, so eine neue Studie von OECD und EUIPO. Der Piraterie-Handel entspricht damit bereits rund 3,3 Prozent des Welthandels – und nimmt weiter zu.

Nach aktuellen Schätzungen stieg der Wert der international gehandelten Fälschungen weltweit auf ca. 450 Milliarden Euro pro Jahr – ein Anstieg von rund 10 Prozent gegenüber 2016. Dies geht aus einer neuen Studie von OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und EUIPO (Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum) zu den Folgen von Produkt- und Markenpiraterie hervor. Der Bericht nennt die Ergebnisse der Analyse „alarmierend“ und stellt fest: „Die Intensität von Fälschungen und Piraterie nimmt zu.“

Demnach machen illegale Nachahmungen etwa 3,3 Prozent des gesamten Welthandels aus; bei ihrem vorherigen Bericht aus dem Jahr 2016 hatten OECD und EUIPO den Wert noch auf etwa 2,5 Prozent geschätzt. Allein in die EU werden demnach jährlich Fälschungen im Wert von rund 118 Milliarden Euro importiert – in etwa 6,8 Prozent aller Importe. Zum Zeitpunkt der letzten Schätzung waren es noch 5 Prozent gewesen.

Die von Schutzrechtsverletzungen aktuell am stärksten betroffenen Länder sind laut OECD und EUIPO die USA, gefolgt von Frankreich, Italien, der Schweiz und Deutschland. Aber auch Unternehmen aus Schwellenländern wie etwa China und Brasilien werden offenbar zunehmend zum Ziel für Betrüger. Dabei kommt die große Mehrheit der illegalen Nachahmungen weiterhin aus China und Hong Kong. Zudem heben OECD und EUIPO etwa die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei, Singapur und Thailand als häufige Herkunftsländer für Fälschungen hervor.

Zu den Produkten, die laut Studie besonders häufig gefälscht werden, zählen wie schon 2016 Schuhe, Kleidung und Lederwaren. Stark betroffen sind außerdem auch elektronische Geräte, Uhren, medizinische Produkte und Kosmetika sowie Spielwaren.

Gehandelt werden gefälschte und unerlaubt hergestellte Waren dabei zunehmend über Kleinsendungen per Post oder Expresskurier: Von 2014 bis 2016 waren bei mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der Zoll-Beschlagnahmungen die Fälschungen in kleinen Paketen aufgefunden worden. Dies stelle die Zollbehörden vor erhebliche Herausforderungen und werde bei der Durchsetzung von Schutzrechten zum wachsenden Problem, so der Bericht.

Darüber hinaus werde der Handel mit illegalen Nachahmungen durch die internationale Uneinheitlichkeit beim Strafmaß für die Täter erleichtert. Auch Sonderregelungen innerhalb von Freihandelszonen fördern offenbar Produktpiraterie: Reduzierte Steuern, Kontrollen und weniger strenge Regularien steigern laut Untersuchungen von OECD und EUIPO die Ausfuhr von Fälschungen. Aktuell arbeitet die OECD nach eigenen Angaben gemeinsam mit ihren Mitgliedsländern an formalen Leitlinien zur Eindämmung des Problems.

Der Bericht Trends in Trade in Counterfeit and Pirated Goods von OECD und EUIPO stützt sich auf Daten aus fast einer halben Million Zollbeschlagnahmungen weltweit. Fälschungen, die auf Inlandsmärkten hergestellt und konsumiert wurden, sowie über das Internet verbreitete Raubkopien wurden für die Auswertung nicht berücksichtigt.

Quellen: OECD, EUIPO