Allein der grenzüberschreitende Handel mit Fälschungen erreicht erschreckende 464 Milliarden Euro pro Jahr, so eine neue Studie von OECD und EUIPO. Plagiate standen demnach 2019 für rund 2,5 Prozent des Welthandels – in Europa ist der Anteil jedoch noch deutlich höher.

Nach aktuellen Analysen werden allein im internationalen Handel jedes Jahr Fälschungen im Wert von rund 464 Milliarden Euro grenzüberschreitend gehandelt. Dies geht aus der neuen Studie Global Trade in Fakes – a Worrying Threat von OECD und EUIPO hervor, die viel zitierte Analysen von 2013 und 2016 fortschreibt. Der internationale Fälschungshandel entspricht somit bereits nahezu dem Bruttoinlandsprodukt von Ländern wie etwa Österreich oder Belgien. Da die Analyse nur den grenzüberschreitenden Handel betrachtet, also keine im Inland hergestellten und gehandelten Fälschungen, dürfte der Wert des gesamten Fälschungshandels allerdings noch deutlich höher liegen.

Fälschungen stehen demnach für rund 5,8 Prozent aller Importe in die Europäische Union, in absoluten Zahlen ist dies ein Gesamtwert von rund 119 Milliarden Euro. Besonders häufig in die EU importiert wurden gefälschte Luxusgüter, darunter Lederwaren und Taschen, Schuhe, Uhren, Bekleidung und Schmuck. Zu den Ländern in Europa, die besonders betroffen sind, zählen neben Frankreich (18 Prozent der in der Studie analysierten Zoll-Beschlagnahmungen betrafen Fälschungen von Produkten französischer Unternehmen) vor allem auch Deutschland (16 Prozent) und Italien (9,8 Prozent).

Das international am stärksten von Schutzrechtsverletzungen betroffene Land sind dieser Analyse zufolge die USA – die meisten der untersuchten Zoll-Beschlagnahmungen (rund 39 Prozent) betrafen Fälschungen von Produkten US-amerikanischer Unternehmen. Aber es sind oftmals auch Unternehmen aus jenen Ländern betroffen, die als Hauptursprungsländer von Plagiaten gelten, etwa China und Hong Kong. Aus China und Hong Kong stammten dabei laut der aktuellen Analyse auch die meisten Fälschungssendungen. An dritter Stelle folgt die Türkei; der Bericht hebt hier hervor, dass der Anteil der aus der Türkei stammenden Fälschungen zwischen 2016 und 2019 von rund 4 Prozent auf rund 12 Prozent gestiegen ist, während der Anteil Hong Kongs abnahm.

International besonders häufig beschlagnahmt wurden gefälschte Schuhe, Bekleidung, Lederwaren und elektrische Maschinen und Elektronik, wie bereits 2016, so die aktuelle Studie. Ebenfalls häufig beschlagnahmt wurden Plagiate von Parfüms/Kosmetik, Spielwaren, Uhren und Schmuck; ihr Anteil nahm im Vergleich zu 2016 jedoch leicht ab. Der Transportweg der meisten beschlagnahmten Sendungen waren Postsendungen, gefolgt von Luftfracht- und Expressendungen. Betrachtet man den Anteil der Transportwege am Beschlagnahmungswert, stehen Seefrachtsendungen an erster Stelle, gefolgt von Postsendungen und Luftfrachtsendungen.

Mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie stellt die aktuelle Studie fest, dass die Covid-19-Pandemie zur Etablierung neuer, komplexer Transportrouten für Fälschungen geführt habe. So konnten Fälscher-Netzwerke trotz der Unterbrechung einzelner Routen während der Pandemie und trotz lokaler Lockdowns weiterhin Plagiate in die EU und die USA liefern. Zudem wird im Zuge der Pandemie ein verstärkter Handel illegaler Produkte über das Internet beobachtet. Der Anstieg des Plagiate-Handels im Web erfolge dabei zeitgleich mit einem generellen E-Commerce-Boom – so sei der Online-Handel in den USA zwischen 2020 und 2021 um fast 40 Prozent gewachsen. Dies habe auch zu einem massiven Anstieg des Angebots von Fälschungen aller Art im Internet geführt.

Mit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie reagierten Fälscher oft auch schnell auf eine veränderte Nachfrage. So hätten Betrüger beispielsweise nicht nur nachgemachte medizinische Schutzausrüstung angeboten, sondern auch gefälschtes Equipment zur Herstellung von Schutzausrüstung. Auch bei Nahrungsmitteln und Genussmitteln wie Alkoholika hätten Fälscher die veränderten Gegebenheiten ausgenutzt, um illegale Gewinne zu erzielen.

Die Ende Juni von OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und EUIPO (Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum) veröffentlichte Studie basiert auf einer Analyse von Zolldaten aus dem Jahr 2019. Anfang des Jahres hatten OECD und EUIPO zudem bereits eine viel beachtete Studie zu den Transportwegen von Fälschungen vorgelegt, der zufolge Seefracht der wichtigste Transportweg für Fälschungen ist.

Quellen: OECD, EUIPO, Securing Industry