Deutschland ist eines der wichtigsten Herkunftsländer für Fälschungen im Bereich Maschinen- und Anlagenbau, so eine neue Studie des VDMA. Gleichzeitig leiden bereits drei von vier Maschinenbau-Unternehmen in Deutschland unter illegalen Nachahmungen.

Deutschland ist weltweit das zweitwichtigste Herkunftsland für Plagiate und Fälschungen im Maschinen- und Anlagenbau. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage zur Produktpiraterie unter den Mitgliedsunternehmen des Verbands Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA). Zwar bleibt China mit 72 % unangefochten die Nummer eins, doch seit Jahren steht Deutschland (23 %) auf Platz zwei. Die Bundesrepublik liegt im Ranking damit noch vor der Türkei (20 %) und Indien (19 %).

Bei den Fälschungen aus Deutschland handelt es sich längst nicht nur um „weiche Plagiate“ wie abgekupferte Kataloge oder Muster. „Sie können davon ausgehen, dass sogar ganze Maschinen nachgebaut werden“, verdeutlicht Steffen Zimmermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz im VDMA. Vor allem stehen aber Komponenten und Ersatzteile hoch im Kurs bei den Fälschern. Plagiate aus Billiglohnländern enttarnt meistens die mangelnde Qualität, wie beispielsweise im Fall eines Druckmessgeräts, das „schon einen Druck anzeigt, bevor es überhaupt irgendwo angeschlossen ist“, so Zimmermann. Anders bei den Fälschungen aus der Bundesrepublik: „Diese Hightech-Plagiate zeigen, dass die Gefahr im eigenen Land sehr ernst zu nehmen ist“, warnt Zimmermann.

Viele Produkte lassen sich über das sogenannte „re-engeneering“ einfach nachahmen. Dazu werden Maschinen oder Komponenten zerlegt und ihre Einzelteile, Prozesse und Funktionen analysiert. Im Anschluss werden die Produkte kostengünstig nachgebaut. Sieben von zehn Plagiaten werden bereits nach diesem Schema hergestellt. Aber nicht nur die verfeinerten Methoden der Fälscher sorgen für Aufsehen beim VDMA.

„Wir haben in der neuesten Umfrage einen neuen Rekord: Mittlerweile sind über 70 % der Unternehmen von Produktpiraterie betroffen“, erklärt Zimmermann. „Der Schaden liegt bei rund 7,9 Milliarden Euro. Nur für unsere Branche, den Maschinen- und Anlagenbau, und nur für 2013.“ Dieser Betrag könnte knapp 38.000 Arbeitsplätze in der Branche sichern. „Jedoch entscheiden sich trotz aller Möglichkeiten 41 % der Unternehmen, keine Maßnahmen zu treffen, wenn sie Plagiate entdecken“, so Zimmermann. Ein fataler Fehler, denn „ohne Schutzmaßnahmen kann man keine rechtlichen Maßnahmen ableiten.“

Der VDMA reagiert auf die dramatische Situation unter anderem durch den Ausbau der Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz. Auf der diesjährigen Hannover-Messe im April unterzeichnete VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge eine neue Kooperationsvereinbarung mit dem Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Dr. Hans-Georg Maaßen. Ziel der Vereinbarung ist es, das Bundesamt für Verfassungsschutz als vertrauensvollen Ansprechpartner für Unternehmen zu etablieren und so der Gefahr von Know-how-Diebstahl zu begegnen.

Quellen: VDMA, FAZ, DW, MM