Nach aktuellen Schätzungen entfallen auf den grenzüberschreitenden Handel mit gefälschten Waren mittlerweile jährlich Produkte im Wert von rund 467 Milliarden US‑Dollar (etwas über 400 Milliarden Euro). Dies geht aus der aktuellen Studie Mapping Global Trade in Fakes 2025 – Global Trends and Enforcement Challenges hervor, die OECD und EUIPO dieses Jahr veröffentlicht hatten. Die Studie analysiert Daten, wie etwa aus globalen Zollbeschlagnahmungen aus den Jahren 2020 und 2021, um ein detailreiches Bild über Umfang, Struktur und Dynamik des grenzüberschreitenden Fälschungshandels im Jahr 2021 zu erhalten.
Demnach belief sich der grenzüberschreitende weltweite Handel mit Plagiaten auf rund 2,3 % des globalen internationalen Warenhandels, ohne dabei den Handel innerhalb von Ländern zu berücksichtigen. Der prozentuale Anteil ist gegenüber den Zahlen aus der vorherigen Studie für das Jahr 2019 leicht gesunken (damals noch rund 2,5 %), während der absolute Wert leicht über der letzten Untersuchung bleibt. Laut der Studie entfielen auf die Europäische Union (EU) dabei Importe gefälschter Waren im Wert von etwa 117 Milliarden US‑Dollar (etwas über 100 Milliarden Euro), was rund 4,7 % aller EU‑Importe entspricht. Auch hier zeigt sich ein leichter Rückgang im Vergleich zu den Zahlen von 2019, wo Fälschungen noch auf rund 5,8 % aller EU‑Importe geschätzt wurden.
Besonders häufig betroffen seien weiterhin Bekleidung, Schuhe und Lederwaren, welche über 60 % aller beschlagnahmten Fälschungen ausmachten. Auch Kosmetik, Medikamente, Spielzeuge und Autoteile gehörten zu den häufig aufgegriffenen Produkten. Diese Warengruppen seien dabei zudem oft besonders kritisch, da Fälschungen hier direkte Gefahren für Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher mit sich bringen könnten.

Im Bericht wird auch die große Rolle des Onlinehandels hervorgehoben. Laut Erkenntnissen der Studie erleichterten digitale Plattformen und Versanddienste es Fälschern, Waren direkt an Endkunden zu vertreiben – oft in Kleinsendungen, die ein geringeres Risiko einer Kontrolle bieten würden. Rund 80 % der beschlagnahmten Fälschungssendungen enthielten weniger als zehn Artikel. Dadurch würde sich der Fälschungshandel zunehmend von großen Containerlieferungen hin zu einem fragmentierten, schwer zu kontrollierenden Versandhandel verlagern und neue Herausforderungen für Markenschützer schaffen.
Zudem sollen Fälscher vermehrt Freihandelszonen und lokale Produktionsstätten nutzen, um Lieferketten zu verschleiern und die Nachverfolgung illegaler Waren weiter zu erschweren. Zu den zentralen Veränderungen am Fälschermarkt, die die Studie aufgreift, zählt außerdem auch eine zunehmende Nutzung grenzüberschreitender Wasserstraßen und der Binnenschifffahrt für den Transport gefälschter Waren, wie beispielsweise auch der Donau.
Wie schon in früheren Untersuchungen bleibe China das wichtigste Ursprungsland gefälschter Waren: Rund 45 % der weltweit beschlagnahmten Fälschungen stammten aus der Volksrepublik. Dahinter folgten Hongkong und die Türkei. Als Zielorte für gefälschte Waren sind laut Studie unter anderem die USA, Deutschland und Belgien besonders betroffen.
Um dem wachsenden und wandelnden Fälschungsmarkt wirksam entgegenzutreten, müssten Behörden auf neue Tools setzen und Kooperationen stärken, so OECD‑Generalsekretär Mathias Cormann. Mit der aktuellen Untersuchung aus der Studienreihe Mapping Global Trade in Fakes lieferten die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) erneut eine Datengrundlage, um Entwicklungen besser zu verstehen und Gegenmaßnahmen zu verstärken.


