Weltweit werden gefälschte Medikamente im Wert von über vier Milliarden Euro gehandelt, so das erschreckende Ergebnis einer Studie von OECD und EUIPO. Zwei asiatische Länder gelten als Hauptquellen der Plagiate; doch auch Deutschland wird als Herkunftsland genannt.

Aktuellen Schätzungen zufolge lag der Wert der weltweit gehandelten Medikamentenfälschungen im Jahr 2016 bei rund 4,04 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt ein umfassender Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO).

Der europäischen Pharmaindustrie entstand demnach allein im Zeitraum von 2012 bis 2016 ein Umsatzverlust von ca. 9,6 Milliarden Euro, was 3,9 Prozent des Gesamtumsatzes entspräche. Die Anzahl festgestellter Fälschungsfälle sei rasant gestiegen – zwischen 2014 und 2018 um ca. 102 Prozent. Besonders häufig gefälscht werden Antibiotika, Lifestyle-Medikamente und Schmerzmittel. Allerdings wurden beispielsweise auch Medikamente zur Behandlung von Malaria, Diabetes, Herzkrankheiten, Krebs und HIV häufig beschlagnahmt. Oftmals läuft der Handel gefälschter Medikamente der Analyse zufolge über Freihandelszonen; hier könnten Fälscher ihre Waren verpacken bzw. umverpacken und die Herkunft der Plagiate wirkungsvoll verschleiern.

Indien und China gelten dem Bericht zufolge als Hauptursprungsländer der weltweit gehandelten Medikamentenfälschungen, unter Berücksichtigung des Werts beschlagnahmter Produkte. Allein auf Indien entfällt dabei bereits etwas mehr als die Hälfte des Gesamtwertes, gefolgt von China mit rund einem Drittel. Nennenswerte, im Vergleich dazu allerdings kleinere Anteile entfallen auf Hongkong und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Deutschland befindet sich, gemessen an der Anzahl der Beschlagnahmungen, auf Platz fünf der Ursprungsländer für weltweit gehandelte Arzneimittelplagiate. Zu den weiteren aufgeführten Ursprungsländer gehören etwa die Schweiz, Kanada, und die Niederlande.

Schaut man nur auf die gefälschten Medikamente, die in die EU importiert werden, so identifiziert der Bericht neben Indien und China auch die Philippinen und Thailand als wichtige Produktionsländer. Zudem werden eine Reihe von Ländern für den Umschlag der Fälschungen relevant, darunter beispielsweise Hongkong, Singapur und die Türkei; aber auch etwa die Schweiz und die Vereinigten Staaten nehmen eine wichtige Rolle als Umschlagplätze für illegale Medikamentenimporte in die EU ein.

Transportiert werden gefälschte Arzneimittel häufig über Kleinsendungen per Post- oder Expresszustellung. Gerechnet nach Anzahl der Beschlagnahmungen wurden rund 96 Prozent der Fälschungen zwischen 2014 und 2016 weltweit auf diese Art transportiert. Dies stellt einen Anstieg um 14 Prozent gegenüber der letzten Schätzung für den Zeitraum von 2011 bis 2013 dar, der laut Analyse auf das starke Wachstum des Onlinehandels mit Arzneimitteln zurückzuführen sei. Fälschungen würden dabei sowohl über frei zugängliche Plattformen gehandelt als auch über das Dark Web.

Schaut man dagegen auf den Wert der beschlagnahmten Fälschungen, werden Straßen- und Seefracht relevant. Bemerkenswerterweise hat dabei der Anteil des Straßenverkehrs stark zugenommen, von lediglich 2 Prozent im letzten Schätzungszeitraum auf nun 43 Prozent.

Für den aktuellen Bericht Trade in Counterfeit Pharmaceutical Products wurden Daten von rund einer halben Million internationaler Zollbeschlagnahmungen ausgewertet. Zudem wurden Informationen etwa aus der Datenbank des Pharmaceutical Security Institute und der World Health Organization (WHO) herangezogen.

Quellen: OECD, EUIPO