Der deutsche Zoll meldete für das Jahr 2025 rund 4,6 Millionen beschlagnahmte Fälschungen – weniger als im Vorjahr, für das noch gut 5 Millionen sichergestellte Plagiate erfasst wurden. Der Blick auf den Warenwert der Fälschungen relativiert diese Entwicklung allerdings: Mit rund 446 Millionen Euro liegt der Wert deutlich über dem Vorjahresniveau (2024: ca. 417 Millionen Euro) und erreicht ein neues Hoch. Damit bestätigt sich ein Trend, der sich bereits in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat. Die beschlagnahmten Fälschungen verschieben sich zunehmend von großen Mengen günstigerer Nachahmungen hin zu geringeren Stückzahlen hochwertigerer Waren. Das geht aus der neuen Zolljahresstatistik 2025 und dem Bericht der Generalzolldirektion zum Gewerblichen Rechtsschutz 2025 hervor, die Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Dr. Armin Rolfink, Präsident der Generalzolldirektion, im Juni vorstellten.
In dieses Bild passt auch die Entwicklung der Aufgriffszahlen: Nachdem 2024 die Zahl der Fälle trotz steigender Mengen noch rückläufig war, dreht sich der Trend nun wieder. Für 2025 steigt die Zahl der Aufgriffe deutlich an und erreicht mit 19.124 Fällen klar höhere Werte als noch im Vorjahr (16.857) und nähert sich damit erneut dem Niveau von 2023 (20.179).
Bei einem genaueren Blick auf die Zahlen zeigt sich im Jahr 2025 vor allem eine deutliche Verschiebung innerhalb der Warenwerte einzelner Kategorien. Den mit Abstand größten Anstieg verzeichnet weiterhin die Kategorie Persönliches Zubehör – dazu zählen etwa Taschen, Uhren, Sonnenbrillen oder Schmuck. Der Warenwert steigt hier auf rund 313,5 Millionen Euro (2024: ca. 225,9 Millionen Euro) und macht damit den Großteil des Gesamtwerts der beschlagnahmten Plagiate aus. Allerdings verzeichnet der Zoll auch für die Kategorie Spielzeug, Spiele und Sportartikel einen deutlichen Zuwachs, der rund 18,9 Millionen Euro (2024: ca. 6,8 Millionen Euro) erreicht. Ebenfalls klar gestiegen ist der Warenwert bei Körperpflegeprodukten, wie Parfums und Kosmetik, auf rund 15,5 Millionen Euro (2024: ca. 6,8 Millionen Euro). Demgegenüber stehen teils massive Rückgänge in anderen Kategorien. Besonders deutlich fällt der Einbruch bei Kleidung und Zubehör aus, deren Warenwert nach dem starken Vorjahresanstieg von rund 82,5 Millionen Euro auf nun nur noch etwa 24,4 Millionen Euro zurückgeht. Auch die Warenkategorie elektronische und computergestützte Ausrüstung verliert erheblich an Bedeutung und sinkt auf rund 4,2 Millionen Euro (2024: ca. 15,9 Millionen Euro).
Ein anderes, teilweise konträres Bild ergibt sich bei der Menge der aufgegriffenen Waren. Während viele klassische Konsumgüter deutliche Rückgänge verzeichnen, steigen einzelne Kategorien weiterhin stark an. Besonders auffällig ist die Entwicklung in der Kategorie „Sonstige Waren“ (u. a. Maschinen, Verpackungen oder Bauteile), deren Menge auf rund 2,85 Millionen Einheiten ansteigt (2024: ca. 1,39 Millionen). Auch Schuhe legen weiter zu und erreichen rund 213.000 Stück (2024: ca. 178.000). Demgegenüber stehen teilweise drastische Rückgänge in mehreren zuvor stark vertretenen Kategorien. So sinkt die Menge bei Kleidung und Zubehör deutlich auf rund 171.000 Artikel (2024: ca. 765.000). Auch Körperpflegeprodukte gehen deutlich zurück auf etwa 223.000 Einheiten (2024: ca. 586.000), ebenso Mobiltelefone und Zubehör, die auf rund 78.000 Stück fallen (2024: ca. 295.000). Ein besonders starker Rückgang zeigt sich zudem bei elektronischer/Computer-Ausrüstung, die von rund 280.000 auf etwa 52.000 Einheiten einbricht.
Bei der Menge der aufgegriffenen Waren rückt Polen mit fast 33 % erstmals an die Spitze der Herkunftsländer. Polen war in dieser Kategorie in den Jahren zuvor stets unter 1 %. Weiterhin vorne dabei bleibt China mit rund 29 %, einem erneuten merklichen Rückgang gegenüber 2024 (damals noch rund 39 %), sowie die zu China zählende Sonderverwaltungszone Hongkong, mit weiteren rund 19 %. Ein leichter Anstieg ist beim Vereinigten Königreich zu vermerken, sie machen bei der Anzahl aufgegriffener Waren 2025 rund 6 % aus (2024: rund 3 %). Die Türkei fällt indessen im Vergleich zum Vorjahr stark ab auf rund 4,5 % (2024: rund 12 %). Leichte Anstiege sind stattdessen bei den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Armenien zu vermerken mit jeweils rund 2 % (im Vorjahr beide noch weit unter 1 %).
Ein Blick auf die Transportwege der Fälschungen zeigt auch 2025 ein klares Muster mit nur leichten Verschiebungen. Der Postverkehr stellt mit rund 56 % weiterhin den größten Anteil an den Aufgriffen, verliert jedoch deutlich gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig gewinnt der Luftverkehr spürbar an Bedeutung und erreicht etwa 35 % der Fälle. Beim Warenwert bleibt das Bild unverändert eindeutig: Der Luftverkehr dominiert beim Wert der aufgegriffenen Fälschungen mit rund 69 %, während der Postverkehr trotz hoher Fallzahlen nur auf etwa 9 % kommt. Damit bestätigt sich der Trend: Viele kleine Sendungen prägen das Aufgriffsgeschehen, während der Wert der beschlagnahmten Fälschungen vor allem durch höherwertige Waren im Luftverkehr entsteht.
Auch bei den durch die beschlagnahmten Produkte verletzten gewerblichen Schutzrechten zeigt sich ein weitgehend konstantes Bild. Verstöße gegen Markenrechte dominieren weiterhin deutlich und machen rund 92 % der Aufgriffe aus. Der Anteil der Designverletzungen steigt leicht auf etwa 7 %, während geografische Angaben mit knapp 1 % selten sind. Verstöße gegen Urheberrechte, Patente oder Handelsnamen wurden, wie in den Vorjahren, weiterhin wenig aufgegriffen.
Der Präsident der Generalzolldirektion, Dr. Armin Rolfink, hob im Rahmen der Veröffentlichung erneut die Bedeutung der Arbeit des Zolls hervor. Auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte, dass der Zoll eine zentrale Rolle für den Schutz der deutschen Wirtschaft und die Durchsetzung von Recht im internationalen Warenverkehr spiele.


