Go for Gold

Die Olympischen Winterspiele sind in vollem Gange. Für uns Anlass, die Logos bisheriger Olympiaden unter die Lupe zu nehmen. Und zu schauen, welche eine Medaille verdient haben.

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– TOPografie –
16.02.2026
Go for Gold
Die Olympischen Winterspiele sind in vollem Gange. Für uns Anlass, die Logos bisheriger Olympiaden unter die Lupe zu nehmen. Und zu schauen, welche eine Medaille verdient haben.

Wer kennt dieses Bild nicht: strahlende Sportlerinnen und Sportler, die beherzt in Edelmetall beißen. Ein Zeichen dafür, dass Olympische Spiele mal wieder die Sportwelt in Atem halten. Die Spiele stehen dabei für den gemeinsamen und friedlichen Wettkampf aller Nationen – so zumindest der olympische Gedanke. In diesem Sinne haben wir unseren eigenen kleinen olympischen Wettkampf ausgerufen. Es treten die Logos an, mit denen die ausrichtenden Städte der Olympischen Spiele der Neuzeit jeweils an den Start gegangen waren, um sich und ihre Spiele der Welt zu präsentieren. Schauen wir mal, welche drei auf dem Treppchen landen – und welche drei noch am meisten Training nötig gehabt hätten.

 
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Tokio 1964
Die ersten Olympischen Spiele in Asien – darauf kann man als Gastgeberland schon stolz sein. Vielleicht war das der Grund, weshalb die japanische Flagge Teil des Logos geworden ist. Ob das Logo damals gut oder schlecht ankam, konnten wir nicht herausfinden. Die Plakate mit dem Logo haben jedenfalls einen Preis für ihre Exzellenz gewonnen.

So ganz nachvollziehen können wir das nicht. Das Ganze wirkt etwas unausgegoren und schwerfällig. Die Sonne (dafür steht der rote Punkt auf der Flagge) scheint sich größte Mühe zu geben, die olympischen Ringe kleinzuhalten. Leider kein Gewinner für uns.

 
München 1972
Heiterkeit und Frische sollte das Logo transportieren und – passend zu den von Otl Aicher entwickelten Piktogrammen – schlicht und klar sein. Aus dem ursprünglich angedachten Strahlenkranz wurde eine Spirale. Das Logo stieß nicht überall auf Zustimmung, hat die Jahre aber überdauert. So wird es heute noch vom Zentralen Hochschulsport München genutzt, und auch das Logo der Glücksspirale ist davon abgeleitet.

Uns ist es etwas zu psychedelisch – man kann es nicht wirklich lange anschauen, ohne dass einem schwindelig wird. Auch fehlt uns ein klarer Bezug zum Sport oder den Olympischen Spielen. Dass das Logo nun gleichzeitig für den Hochschulsport und die Glücksspirale genutzt wird, zeigt ebenfalls, dass es doch etwas beliebig ist. Wir möchten anmerken, dass wir große Fans von Otl Aicher sind – seine Piktogramme für die Münchner Spiele gefallen uns jedoch deutlich besser als das Logo.

 
London 2012
Dynamisch, modern und flexibel – das waren die Worte, mit denen das Logo bei der Vorstellung beschrieben wurde. Es sollte symbolisieren, wofür die Spiele national und international stehen. Sicherlich war nicht gemeint, was damals zahlreiche Kritikerinnen und Kritiker gesehen haben. Von Hakenkreuz bis hin zu nicht jugendfreien Assoziationen, die eine Figur der Simpson beinhalten (wir wollen das jetzt nicht vertiefen …), war alles dabei.

Wir hatten nicht unbedingt dieselben Assoziationen, aber wir haben uns schon gefragt, was das Logo tatsächlich symbolisiert. Die Zahl 2012 ist nur schwer auf den ersten Blick erkennbar. Es wirkt vielmehr eher wie ein rudimentäres, unförmiges Männchen. Das Ganze hat wenig Charme und transportiert durch die plumpen, eckigen Formen eher Aggressivität als ein friedliches Miteinander. Kein Volltreffer!

 
AUF DEM TREPPCHEN LANDEN:

Bronze: Rio 2016
„Alle Brasilianer vereinen sich, um das größte Festival der Welt zu veranstalten […].“ Das war die Vision der Organisatorinnen und Organisatoren und die Inspiration für das Logo. Drei stilisierte Menschen in den Nationalfarben Brasiliens (Grün, Gelb und Blau), deren Arme und Beine sich berühren und die ein organisches Emblem bilden, das die Form des Zuckerhuts nachzeichnet, dem berühmtesten Berg Brasiliens. Die Resonanz auf das Logo war überwiegend positiv.

Uns gefällt nicht nur die Dynamik des Logos, sondern auch die Lebensfreude, die es vermittelt. Man hört förmlich die Samba-Rhythmen und das Lachen beim gemeinsamen Tanzen. Das Logo transportiert Freude und Gemeinschaft und ist damit das perfekte Symbol für den olympischen Gedanken. Bien hecho, Brasil – gut gemacht!

 
Silber: Atlanta 1996
Zum hundertjährigen Bestehen der Spiele, gab es ein Logo, das eine deutliche Verbeugung vor der Geschichte der Spiele ist. Zentrales Element ist die Fackel mit dem olympischen Feuer. Die Flamme, die sich zu einem perfekten Stern entwickelt, soll das Streben der Athletinnen und Athleten nach Spitzenleistungen symbolisieren und sorgt gleichzeitig für eine perfekte Symbiose von olympischer und amerikanischer Ikonografie.

Dass die olympischen Ringe zusammen mit der Zahl 100 die Anmutung einer klassischen griechischen Säule haben, ist ein weiteres cleveres Detail. Das Zusammenspiel von zentralen Elementen der olympischen Geschichte, dem olympischen Gedanken, dem Stil des Gastgebers und einer modernen Optik finden wir ziemlich gelungen. So lässt sich ein Jubiläum standesgemäß feiern!

 
Gold: Sydney 2000
Das weltberühmte Opernhaus von Sydney, die Sonne Australiens und die Bumerangs der First Nations bilden zusammen den sogenannten „Millenium Man“, einen abstrakten Athleten mitten im Sprint, der die olympische Flamme trägt. Das Logo sollte Energie, Bewegung und die Einzigartigkeit Australiens vermitteln – und das kommt auch so rüber.

Das Zusammenspiel der charakteristischen Elemente ist auf den ersten Blick klar erkennbar und setzt sich sehr gelungen zu einer verspielten Figur zusammen. Organisch, freundlich und wirklich lässig (was auch durch die lockere Handschrift noch verstärkt wird) – die perfekte Repräsentation von Australien.

 
Den Olympia-Fans wird aufgefallen sein, dass alle von uns ausgewählten Logos zu Olympischen Sommerspielen gehören. Uns ist das auch aufgefallen. Wir möchten versichern, dass das keine Absicht war. Wir könnten sofort auch noch eine entsprechende Liste mit Logos der Olympischen Winterspiele erstellen. Aber vielleicht heben wir uns das lieber für einen späteren Zeitpunkt auf … vielleicht ja für die nächsten Sommerspiele. 😉

Quellen: creativebloq.com, de.wikipedia.org, designbote.com, designtagebuch.de, olympiapark.info, olympics.com, sueddeutsche.de

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