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Was wäre, wenn …?

Zwei aktuelle Studien rund um das Thema Sprache haben unsere Fantasie angeregt. Wir wagen ein – nicht ganz ernst gemeintes – Gedanken‑Experiment.

© runrun2/stock.adobe.com (KI/AI gen.)
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28.05.2025
Was wäre, wenn ...?
Zwei aktuelle Studien rund um das Thema Sprache haben unsere Fantasie angeregt. Wir wagen ein – nicht ganz ernst gemeintes – Gedanken‑Experiment.

Studie 1: Es war einmal ein kleines Gen
Eine im Februar 2025 veröffentlichte Studie von Forschenden der Rockefeller University in New York legt nahe, dass eine Gen‑Mutation dafür verantwortlich sein könnte, dass wir Menschen zu komplexer Sprache fähig sind. Dass wir verschachtelte Sätze bilden oder artikulieren können, dass wir in der Zukunft etwas erledigt haben werden. Es ist also ein zufälliger Unfall im Erbgut – denn nichts anderes ist eine Mutation –, der uns einzigartig macht … auch wenn wir natürlich nicht genau sagen können, was sich Tiere tatsächlich so alles erzählen.

Das Gen, das nun ins Scheinwerferlicht geraten ist, heißt NOVA1 und ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Sein Einfluss auf die Entwicklung unserer Sprachfähigkeiten hat das US‑amerikanische Forschungsteam jedoch überrascht. So scheint der Code für eine einzige veränderte Aminosäure tatsächlich dafür verantwortlich zu sein, dass wir so reden, wie wir reden. Wie einzigartig das ist, zeigt, dass diese Mutation bisher bei keiner weiteren Spezies – noch nicht einmal bei unseren nächsten tierischen Verwandten – aufgetreten ist oder sich zumindest nicht durchsetzen konnte.

Bei Versuchen an Mäusen, denen man diese menschliche Gen‑Variante eingepflanzt hat, konnten die Forscherinnen und Forscher beobachten, dass sich deren Kommunikation veränderte und komplexer wurde. Es waren jedoch immer noch Fiep‑Laute – und daher leider keine tiefsinnigen Gespräche zwischen Forschenden und Mäusen möglich. Möglicherweise sind weitere Kommunikationsmöglichkeiten von Mäusen dann doch einfach zu weit von unseren menschlichen entfernt. Aber es gibt ja auch noch andere Tiere.

Studie 2: Bonobos haben es drauf
Tadaaa … Vorhang auf für die Bonobos, unsere nächsten lebenden Verwandten. Die sind von ihren Kommunikationsfähigkeiten offensichtlich näher an uns Menschen dran:

Eine im April 2025 von Forschenden der Universität Zürich und der Harvard University veröffentlichten Studie zeigt, dass Bonobos – ähnlich wie wir Menschen – ihre Lautäußerungen nach dem Prinzip der Kompositionalität zusammensetzen. Das bedeutet, dass sie die Eigenschaft besitzen, Wörter zu Wortgruppen zu kombinieren, deren Bedeutung sowohl von den einzelnen Wörtern als auch von deren Reihenfolge abhängig ist. Ein Beispiel für einfache Kompositionalität: Ein „dicker Redner“ ist sowohl dick als auch ein Redner. Sein Dicksein hat aber keinen Einfluss auf seine Redner‑Fähigkeiten. Bei komplexer Kompositionalität beeinflussen die Wörter einander zusätzlich. Im Fall eines „schlechten Redners“ ist es so, dass das Adjektiv „schlecht“ einen weiterreichenden Einfluss auf unsere Interpretation des Begriffs „Redner“ nimmt. Klingt ein bisschen kompliziert – ist es ja eigentlich auch …

Bei der Erforschung der Bonobo‑Kommunikation hat die Forschergruppe eine Art Bonobo‑Wörterbuch erstellt – mit allen Rufen und deren Bedeutungen. So konnten die Forschenden tatsächlich zahlreiche Kombinationen identifizieren, bei denen die jeweiligen Bestandteile die Bedeutung beeinflussten. Das wären ganz andere Voraussetzungen für die Bonobos, wenn sie die beschriebene Gen‑Mutation treffen würde.

Lass der Fantasie freien Lauf
Jetzt stell dir mal vor, dass bei den Bonobos die oben erwähnte Gen‑Mutation auftritt. Und sie könnten unsere Sprache sprechen. Was würden sie dann wohl zu unseren Rednerkünsten sagen?

Oder einen noch unwahrscheinlicheren Schritt weiter: Was wäre, wenn diese Mutation auch bei unseren Haustieren auftreten würde? Was würden die wohl von den ganzen untertitelten Katzen- und Hundevideos in unseren Social‑Media‑Kanälen halten?

Vielleicht ist dieses Gedankenspiel eine ganz gute Mahnung, generell stets genügend Respekt vor anderen Sprachen oder Sprechfähigkeiten an den Tag zu legen. Und nicht einfach wild darauf los zu interpretieren – oder nur zu verstehen, was man gern verstehen möchte …

Quelle: derstandard.de, nature.com, uzh.ch, zdf.de

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