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Ich glaub‘ mein Schwein lügt

Neueste Erkenntnisse zeigen: Im Kommunikationsverhalten sind sich Mensch und Tier viel ähnlicher als gedacht. Wie aus Schweinen Lügner werden – das und mehr betrachten wir in diesem Beitrag.

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– K-Teilchen –
01. Februar 2019
Ich glaub‘ mein Schwein lügt
Neueste Erkenntnisse zeigen: Im Kommunikationsverhalten sind sich Mensch und Tier viel ähnlicher als gedacht. Wie aus Schweinen Lügner werden – das und mehr betrachten wir in diesem Beitrag.

Neue Software und innovative Technologien ermöglichen an der Schnittstelle von Kommunikationswissenschaft und Zoologie bahnbrechende Erkenntnisse. Eine ihrer bedeutendsten lässt sich in folgender These zusammenfassen: Die Sprache von Mensch und Tier hat gemeinsame Wurzeln.

Um dieser These auf den Grund zu gehen, arbeiten Forscher auf der ganzen Welt intensiv daran, das Kommunikationsverhalten verschiedener Tierarten auf Gemeinsamkeiten mit dem Menschen hin zu untersuchen.

Kaum eine andere Tiersprache gilt dabei also so gut erforscht wie die der Delfine. Doch erst kürzlich konnten Forscher mithilfe neuer Analyse-Verfahren entdecken: Delfine geben sich selbst Namen. Statt dabei auf „Flipper“ oder ähnlich Kreatives zurückzugreifen, formen Delfine gleich nach ihrer Geburt ein komplexes und einzigartiges Pfeifmuster. Dieser sich daraus manifestierende, individuelle „Name“ wird von den übrigen Delfinen innerhalb der Gruppe auch immer aufgegriffen, wenn sie mit dem jeweiligen Delfin kommunizieren – sein ganzes Leben lang.

Während Delfine sich also wie Menschen Namen geben und sich somit wiedererkennen können, zeigen Schweine, warum sie (natürlich nur sprichwörtlich) solch kurze Beine haben: Sie lügen. Ernsthaft. Tatsächlich konnten österreichische Forscher in mehreren Experimenten zeigen, dass Schweine in der Lage sind, ihre Artgenossen zu belügen – genau wie der Mensch. Bei dieser Versuchsreihe wurde zunächst ein Gehege mit fünf Toren vorbereitet, wobei sich hinter Tor 4 immer eine Leckerei versteckte. Im zweiten Schritt wurde das hierarchisch schwächste Schwein, mit dem klangvollen Namen „Zeus“, so trainiert, dass es wusste, dass sich die Leckerei stets hinter jenem Tor 4 befand. Im letzten Schritt des Versuchs wurde „Zeus“ nun gemeinsam mit dem (unwissenden) Alphatier „Zampano“ auf das Gelände geführt. Die Forscher konnten beobachten, wie „Zeus“ das Alphaschwein bewusst zu Tor 1 führte – und dann schnell zu Tor 4 lief und die Leckereien verputzte.

Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist diese Fähigkeit zum tierischen Flunkern besonders beeindruckend, wenn wir bedenken, wie komplex eine Lüge ist: Denn eine Lüge setzt nicht nur voraus zu wissen was richtig, sondern auch was falsch ist. Sie verlangt außerdem auch Wissen darüber, welche Informationen die oder der andere besitzt.

Die sicherlich beeindruckendste Erkenntnis bezüglich gemeinsamer sprachlicher Wurzeln bei Mensch und Tier wurde allerdings hoch in den Bäumen des afrikanischen Urwalds gewonnen: Über einen längeren Zeitraum hinweg analysierten Wissenschaftler die Kommunikation von Meerkatzen. Bei Meerkatzen sind Laute nicht nur emotionale Äußerungen, sondern transportieren echte Inhalte. Zum Beispiel gibt es unterschiedliche Alarmrufe. Der Ruf „hok“ bedeutet „Adler“ und bringt die Gruppe dazu, nach unten zu flüchten, da die Gefahr von oben droht. Beim Ruf „krak“ („Leopard“) ist es umgekehrt. Diese Laute, die ganz konkrete Bedeutungen haben, die andere der Gruppe auch verstehen können, weisen starke Parallelen zur Semantik menschlicher Sprache auf.

Doch nicht nur inhaltlich gibt es Ähnlichkeiten. Die Forscher konnten bei ihrer Analyse auch den Beginn einer Syntax identifizieren. Denn es kam häufig vor, dass die Meerkatzen an die Wörter „krak“ und „hok“ ein kurzes „u“ anhängten. Da bei dieser Variation keine Fluchtreaktion der Gruppe erfolgte, schlossen die Forscher daraus, dass das „u“ darauf hinweist, dass keine akute Gefahr bestünde, sich vor Jaguar und Adler einfach allgemein in Acht genommen werden müsse. Verschiedene Laute zu einer neuen Nachricht zusammenzufügen, nennen Wissenschaftler auch „Protosyntax“. Meerkatzen sind somit die ersten Tiere, bei denen gezeigt werden konnte, dass ihre Sprache einer logischen Struktur folgt – wie bei uns Menschen.

Nach und nach entdecken Forscher so immer neue, komplexe Kommunikationsformen bei Tieren – und jede dieser Entdeckungen wirft wiederum neue Fragen auf. Wir sind gespannt – und bleiben begeistert.

Quelle: arte.tv
 

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