Mehrere dreiste Fälschungen prangert aktuell erneut der Negativ-Preis Plagiarius an. Mit dabei sind dieses Jahr zahlreiche Original-Hersteller aus Baden-Württemberg – und ein bekanntes deutsches Großunternehmen als mutmaßlicher Plagiator.

Am 16. April wurde erneut der Schmähpreis Plagiarius vergeben; pandemiebedingt in einer virtuellen Pressekonferenz. Neben den Top-3-Fälschungen wurden in diesem Jahr sieben gleichrangige Negativpreise vergeben; insgesamt sieben Fälschungen betrafen dabei deutsche Unternehmen, zahlreiche davon aus Baden-Württemberg, zwei Mal waren kroatische Designs betroffen sowie ein Produkt aus Großbritannien.

Den ersten Platz vergab die Jury der Aktion Plagiarius e.V. für die Fälschung eines Produktes des Werkzeug-Herstellers Stihl aus Waiblingen bei Stuttgart. Die angeprangerte Nachahmung einer Motorsäge verletzt die geschützte Farbmarke von Stihl sowie die Wortmarke, auch wenn der Markenname falsch geschrieben wurde. Der chinesische Fälscher ist als ein Nachahmer von Stihl-Produkten bekannt; das schwäbische Unternehmen konnte bereits acht Gerichtsverfahren gegen diesen für sich gewinnen.

© Aktion Plagiarius e. V. (links: Original – rechts: Plagiat/Fälschung)

Platz zwei wurde ebenfalls für eine Fälschung eines Produktes aus Baden-Württemberg vergeben, nämlich für das Plagiat eines elektrischen Bremsenentlüftungsgerät des Sondermaschinenbauers MANOTEC aus Villingen-Schwenningen. Die Fälschungen entsprachen dabei nicht den gesetzlichen Vorschriften und wiesen deutliche Sicherheitsmängel auf. Die jetzt ausgezeichnete Nachahmung stammt von einem chinesischen Plagiator und wurde von einem tschechischen Anbieter etwa über die Onlinemarktplätze eBay und Amazon verkauft; für den Online-Vertrieb wurden lediglich neue Bedienknöpfe in ein Produktfoto des Originalherstellers retuschiert. Der dritte Platz ging an das Imitat eines Schlaf-Sofas des kroatischen Herstellers Prostoria, der zudem eine weitere Auszeichnung für einen imitierten Sessel verbuchen konnte. Das Design und auch der Produktname wurden dabei jeweils von britischen Unternehmen genau imitiert.

© Aktion Plagiarius e. V. (links: Original – rechts: Plagiat/Fälschung)
© Aktion Plagiarius e. V. (links: Original – rechts: Plagiat/Fälschung)

Auch bei den weiteren Preisträgern sind Hersteller aus Baden-Württemberg vertreten: Ausgezeichnet wurde ein Imitat eines Stufenbohrer der RUKO GmbH Präzisionswerkzeuge aus Holzgerlingen im Raum Stuttgart. Ein anderes deutsches Unternehmen hatte die innovativen Produkt- und Designmerkmale des neu entwickelten Bohraufsatzes nachgeahmt. „Unser Team, speziell unsere Entwickler, haben lange und hart daran gearbeitet, ein so einzigartiges Werkzeug zu entwickeln. Aus diesem Grund sind solche dreisten Plagiate umso ärgerlicher,“ so RUKO-Geschäftsführer Ronald Weber. Der mutmaßliche Plagiator weise derweil die Vorwürfe zurück und argumentiere, dass die Technologie frei nutzbar sei. Ein weiteres ausgezeichnetes Plagiat ahmt Produkte der Wagner System GmbH aus dem badischen Lahr nach; der Negativpreis ging dabei an Türstopper eines tschechischen Anbieters, die das Design des Originals kopierten.

© Aktion Plagiarius e. V. (links: Original – rechts: Plagiat/Fälschung)
© Aktion Plagiarius e. V. (links: Original – rechts: Plagiat/Fälschung)

Auch ein bekanntes deutsches Großunternehmen ist unter den angeprangerten Plagiatoren: So soll der Händler ALDI SÜD das Design und Konzept einer Funktionsjacke des bekannten hessischen Kleidungsherstellers Engelbert Strauss übernommen haben. ALDI SÜD sieht nach Angaben der Aktion Plagiarius in der angebotenen Jacke kein Plagiat, wolle sich aber mit dem Originalhersteller absprechen. Weiterhin angeprangert wurden ein nachgeahmter Gebäckformer für Kleinbäckereien und Konditoreien (Original von der Niederrheinische Formenfabrik Janssen GmbH aus Nordrhein-Westfalen), ein nachgeahmter Geschirrabtropfer (Original von der Rotho Kunststoff AG aus der Schweiz) sowie ein nachgeahmter Christbaumständer (Original von Tannen-Paradies GmbH aus Berlin).

Die negativen Auswirkungen von Plagiaten betonte der Laudator Peter Siebert, Geschäftsführer des Familienunternehmens HANSI Siebert GmbH & Co. „Der wissentliche Kauf gefälschter Produkte ist weder cool noch clever oder gar harmlos. Die weitere Aufklärung der Verbraucher ist und bleibt eine der wichtigsten Aufgaben im Kampf gegen Plagiate und deren Hersteller bzw. Auftraggeber.“ Der seit 1977 vergebene Negativpreis Plagiarius soll ein öffentliches Bewusstsein für die fragwürdigen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten schaffen sowie für Produkt- und Markenpiraterie sensibilisieren.

Quellen: Plagiarius e.V., RUKO GmbH