Der Ausbruch des neuartigen Coronavirus hat in China zu einem Einbruch der Produktion von Plagiaten geführt. Da allerdings auch Strafverfolgungsbehörden und Anti-Fälschungs-Dienstleister ihrer Arbeit nicht wie üblich nachgingen, wird vor neuen Risiken für Markeninhaber gewarnt.

Der Ausbruch des neuartigen Corona-Virus SARS-CoV-2 in China hat auch deutliche Auswirkungen auf die Produktion, den Handel und das Monitoring von Fälschungen. Dies berichtete das Fachmagazin World Trademark Review (WTR), unter Berufung auf Kontakte in chinesischen Fälscherkreisen.

So sei die Produktion von Fälschungen im Februar nahezu zum Erliegen gekommen. Davon betroffen sei quasi die gesamte in China ansässige Fälschungsindustrie, habe ein Produzent und Händler von Fälschungen berichtet. Zum einen seien Fabriken geschlossen gewesen und Angestellte hätten nicht zur Arbeit kommen können. Zum anderen sei es zwischenzeitlich teilweise nicht möglich gewesen, die für die Produktion nötigen Materialien zu beschaffen. So hätten sich die Produktion und der Versand von Fälschungen verzögert oder seien zwischenzeitlich komplett zum Erliegen kommen.

Der Verkauf von Fälschungen sei ebenso signifikant zurückgegangen; sowohl im stationären Handel als auch im Internet. Während viele Ladengeschäfte in ganz China geschlossen blieben, seien zudem weniger Online-Bestellungen getätigt worden. Auch bereits in Auftrag gegebene Sendungen hätten sich teilweise stark verzögert, unter anderem wenn die Zustellung medizinischer Artikel Priorität habe.

Allerdings sei die Arbeit der chinesischen Strafverfolgungsbehörden sowie der Markenschutz-Dienstleister ebenso von dem Coronavirus-Ausbruch betroffen. So schilderte ein Sprecher eines chinesischen IP-Unternehmens, dass viele Ermittler und Informanten noch nicht wieder wie üblich arbeiten würden. Zudem setzten die Behörden andere Schwerpunkte: „Viele Strafverfolgungsbehörden wurden angewiesen, bei der Quarantänearbeit zu helfen“, hieß es weiter. Primärer Fokus der dennoch stattfindenden Kontrollen sei zudem nur das Eindämmen gefälschter Gesichtsmasken.

Im Zuge der zunehmenden Normalisierung in China sei jedoch zu erwarten, dass auch die Fälschungsproduktion erneut anlaufe und zur Gefahr für die Markeninhaber werden wird. Währenddessen schränken Markenschutzbehörden weltweit ihre Arbeit ein. Kürzlich schloss etwa das malaysische Patentamt, die EUIPO verlängert Fristen und mehrere europäische Patentämter kündigen Verzögerungen und längere Bearbeitungszeiten an, darunter das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA).

Quellen: WTR, EUIPO, Intellectual Property Corporation of Malaysia, DPMA