Betrüger nutzen die aktuelle Knappheit an Impfstoffen gegen das Coronavirus, um Fälschungen zu vertreiben. Besonders online würden die Angebote explodieren. Eine großangelegte Operation, die von Deutschland aus diverse Pharma-Plagiate vertrieb, wurde kürzlich enttarnt.

Fälscher könnten die Märkte mit gefälschten Impfstoffen überschwemmen, um von der Knappheit an Covid-19-Impfstoffen zu profitieren – so warnen derzeit Experten und Behörden weltweit. Europol etwa meldete bereits im Dezember 2020, dass Impfstoff-Plagiate auf den Markt drängen könnten; ein erster Fall eines gefälschten Covid-19-Impfstoffes ist der Behörde bekannt. „So eine Krise ist eine ideale Situation für das organisierte Verbrechen, um Geld zu machen“, erläutert Jan Op Gen Oorth, Kommunikationschef bei Europol. Mitte Februar waren gefälschte Coronavirus-Impfstoffe auch ein Thema bei einem virtuellen Europol-Meeting mit hochrangigen europäischen Polizeibeamten.

Auch das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung OLAF meldet erste Fälle, in denen Fälscher illegalen Waren an Regierungen verkaufen wollten. Und die Schweizer Arzneimittel-Behörde Swissmedic warnt: „Menschen, die dringend auf die Impfung warten, locken Betrüger an. Bereits heute sind im Internet Angebote für gefälschte Corona-Impfstoffe zu finden.“

Außerhalb Europas registrierte Interpol mehrere Betrugsfälle. Sowohl etablierte Verbrechernetzwerke seien dabei aktiv wie auch neu gegründete kriminelle Organisationen. In China zerschlugen Behörden einen Fälscherring für illegale Impfstoffe bereits im November 2020 und verhafteten 80 Personen. Weitere Fälschungen tauchten etwa auch in Indien auf.

Im Dark Web seien dabei illegale Angebote seit der Zulassung der ersten Impfstoffe im Dezember aus dem Boden gesprossen, so die Beobachtung des IT-Sicherheitsexperten Oded Vanunu von der Firma Check Point im israelischen Tel Aviv. „Wir haben Anbieter gefunden, die Zehntausende illegale Dosen liefern können“, so Vanunu. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor solchen Angeboten. Dass sich der Medikamentenhandel aufgrund der Coronavirus-Pandemie ins Internet verlagere, komme den Fälscher zugute; betroffen seien zudem auch Arzneimittel für andere Erkrankungen. „Da ist ein großer Effekt auf gefälschte Medizin-Produkte auch bei anderen Erkrankungen“, so Pernette Bourdillon Esteve von der WHO. „Nicht nur Covid-19. Das ganze medizinische System wurde attackiert.“

Wie Fälscher dabei vorgehen könnten, zeigt auch der Fall eines Onlineshops für Pharmaplagiate, der von München aus betrieben wurde und Fälschungen in die ganze Welt verkauft haben soll. Mit der Operation Hydra ermittelte die Zentralstelle Cybercrime Bayern und die Zollfahndung München zusammen mit internationalen Partnern gegen die Fälscherbande. Diese habe im großen Stil illegale Medikamente aus Südostasien vertrieben – neben angeblicher Covid-19-Arznei auch Antibiotika, Krebs-Medikamente und Potenz- und Diät-Präparate. Containerweise lieferten sie demnach Tabletten-Plagiate an ein Freilager in Singapur, wo die illegale Ware entsprechend der eingegangenen Onlinebestellungen neu verpackt und über den Postweg international weiterversandt wurde. Im Oktober 2020 nahmen die Behörden zwei Verdächtige fest, erklärt Oberstaatsanwalt Thomas Goger von der Zentralstelle Cybercrime Bayern in einem ARD-Bericht.

Mit der Operation STOP vernetzt die Weltzollorganisation (WCO) seit April 2020 weltweit Zollbehörden und Hersteller von Medizinprodukten, Medikamenten und Impfstoffen, um Informationen auszutauschen und gegen Fälscher vorzugehen. 307 Millionen Einheiten illegaler Arzneimittel und 47 Millionen Medizinprodukte haben sie durch gezielte Aktionen so bereits aus dem Verkehr ziehen können, darunter Masken, Handschuhe, Tests und Desinfektionsgel.

Quellen: Das Erste, Europol, SRF, OLAF, Swissmedic