Ermittler in Griechenland und der Türkei schließen illegale Produktionsstätten für Parfüm-Plagiate in riesigen Razzien. Spanische Behörden zerschlagen ein Multi-Millionen Euro schweres Piraterie-Netzwerk. Und Frankreichs Zoll vermeldet die Resultate für 2019.

„Historische Beschlagnahmung“ gefälschter Parfüms in Griechenland
Der Luxusgüter-Riese LVMH gab aktuell die Beschlagnahmung von mehr als einer Million Parfüm-Plagiate bekannt. Der Coup gelang griechischen Behörden bei einer Razzia auf Kreta. Die Beamten durchsuchten mehrere Räumlichkeiten im Raum Heraklion, darunter Produktions- und Lagerorte sowie ein Privathaus. Dabei entdeckten die Ermittler eine vollständige Fälschungsfabrik, mit Maschinen und Materialien zur Herstellung von Parfüm-Plagiaten. Insgesamt konfiszierten die Beamten rund 1,179 Millionen illegale Waren, die unter anderem die LVMH-Marken Guerlain, Dior oder Kenzo trugen; und verhafteten sieben Verdächtige, die laut Behörden Teil einer kriminellen Organisation seien. Zudem beschlagnahmten sie weitere rund 500.000 gefälschte Waren, die die kriminelle Bande importiert haben soll, darunter etwa Taschen und Sonnenbrillen. Ein Vertreter des französischen Luxusgüterherstellers LVMH sprach von einer „historischen Beschlagnahmung“; anders als normalerweise handele es sich nicht nur Lagerräume, sondern auch um ein Produktionszentrum. Zudem sei eine Beschlagnahme mit über einer Millionen Fälschungen in Europa sehr selten.

Produktionsstätte für Parfüm-Plagiate in der Türkei ausgehoben
Ein weiterer Schlag gegen gefälschtes Parfum gelang türkischen Behörden bei der Durchsuchung einer illegalen Produktionsstätte im Raum Istanbul. Die Beamten beschlagnahmten dabei rund eine Millionen Artikel gefälschten Parfüms und Materialien zur Herstellung der Plagiate. Bei der Razzia Anfang Juni wurden auch rund 450 Liter Ethylalkohol und 500 Liter weitere Chemikalien für die Produktion von Parfüm-Plagiaten sichergestellt, so die Markenschutz-Organisation React. Die Fälscher hätten in der Türkei produziert und nach Russland exportiert.

Schlag gegen Multi-Millionen IPTV-Piraterie-Netzwerk
Die spanische Policía Nacional zerschlug Anfang Juni ein kriminelles Netzwerk, das illegale Streaming-Services in Europa, Asien und dem Mittleren Osten angeboten sowie Geldwäsche betrieben haben soll. Bei insgesamt 15 Razzien in mehreren EU-Ländern wurden elf Personen verhaftet, darunter der mutmaßliche Kopf der Organisation. Die Ermittler beschlagnahmten außerdem Vermögenswerte in Höhe von rund 4,8 Millionen Euro, etwa Immobilien, Autos, Bargeld, und Kryptowährungen; und froren Bankkonten im Wert von rund 1,1 Millionen Euro ein. Bei der Operation kooperierten Europol und Eurojust sowie Strafverfolgungsbehörden mehrerer EU-Mitgliedsstaaten und weiterer Länder1. Die kriminelle Organisation operierte aus Spanien heraus und stellte rund 40.000 TV-Sender sowie weitere digitale Inhalte wie Filme und Dokumentationen über mehrere Webseiten zur Verfügung, die auf einem internationalen Server-Netzwerk gehostet waren. Das illegale Angebot der Bande umfasste sogar einen Kundenservice für Nutzer des Angebotes. Mit mehr als zwei Millionen Abonnenten soll die Organisation rund 15 Millionen Euro erwirtschaftet haben.

1 Elf EU-Mitglieder (Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, Rumänien, Schweden, Tschechien) und drei weitere Länder (Großbritannien, Kanada und die Vereinigten Staaten)
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Frankreich: Zoll meldet weniger konfiszierte Artikel und viele Kleinsendungen
Der französische Zoll verzeichnet einen hohen Anteil an Kleinsendungen im Fälschungshandel, der auf online gehandelte Fälschungen zurückgeht. Das geht aus dem kürzlich veröffentlichten Ergebnisberichts des Jahres 2019 hervor. Demnach entfallen mittlerweile rund 30 Prozent der gestoppten Sendungen auf E-Commerce-Zustellungen. Gleichzeitig erhöhte sich die Anzahl der Interventionsanfragen von Rechteinhabern auf rund 1550 (2018: 1442). Die Zahl beschlagnahmter Fälschungen ging hingegen deutlich zurück: Die rund 4,5 Millionen konfiszierten Plagiate stellen einen Rückgang um rund 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar; damit setzt sich der seit 2016 rückläufige Trend fort. Besonders häufig beschlagnahmt wurden Körperpflegeprodukte (circa 986.000), gefolgt von Bekleidung (circa 523.000), Spielwaren und Sportartikel (circa 389.000) sowie Mobiltelefon-Produkten (circa 317.000).

 

Quellen: Challenges.fr; React; Europol; Direction générale des douanes et droits indirects