Fälscher nutzen die chinesische Online-Bilderplattform Yupoo, um Käufern ihre illegalen Angebote anzupreisen. Mit zahlreichen Fotokatalogen für Plagiate werden Verkäufe angebahnt – und die Anti-Fälschungs-Maßnahmen von Onlinemarktplätzen gezielt umgangen.

Das chinesische Social Media-Netzwerk Yupoo bleibt ein enorm beliebter Ort für den Handel von Fälschungen. Auf der 2005 gegründeten Bilderplattform legen kriminelle Händler demnach offen zugängliche Fotokataloge für ihre illegalen Waren an – für den eigentlichen Einkauf werden potenzielle Kunden dann zu anderen Services weitergeleitet. Besonders häufig geschehe dies unter anderem für Mode-Plagiate, wie das Fachmagazin World Trademark Review (WTR) aktuell berichtet.

Die Beliebtheit Yupoos geht auf das geringere Risiko zurück, dass Inhalte dort entfernt werden, so WTR. Anders ist die Lage dagegen bei vielen Onlinemarktplätzen, die oftmals strengere Anti-Fälschungs-Maßnahmen ergreifen. Bereits 2016 berichtete WTR über die zunehmende Nutzung der Fotoplattform durch Fälscher, nachdem damals Marktplätze wie Alibaba oder Taobao ihr Vorgehen verschärft hätten.

Yupoo bietet im Gegensatz zu Onlinemarktplätzen keine Verkaufsfunktionalität. Fälscher nutzten das Netzwerk stattdessen, um Verkäufe mithilfe von Fotokatalogen anzubahnen. Für die Transaktion selbst leiten sie potenzielle Käufer etwa über die Bildunterschriften zu anderen Diensten; besonders häufig verlinkte Onlinemarktplätzen seien etwa DHGate und Taobao. Illegale Angebote erkenne man bereits an diesen Beschreibungen, berichtet WTR. So informierten die Fälscher ihre Kunden auf Yupoo beispielsweise darüber, dass beim Kauf auf den Online-Shops dann keine Markennamen mehr genannt werden – so versuchten die Fälscher, die Löschung der Verkaufsangebote dort zu verhindern.

Alternativ können die Fälscher auch über die Kontaktseiten in den Yupoo-Katalogen die illegalen Verkäufe anbahnen. Dort fordern sie Interessierte etwa auf, Transaktionen über WeChat oder WhatsApp anzufragen. Ein von WTR kontaktierter Verkäufer nannte etwa ein Bankkonto in Großbritannien für die Überweisung und teilte Screenshots, die angeblich frühere erfolgreiche Transaktionen belegten, um so seine vermeintliche Zuverlässigkeit zu demonstrieren. Zudem habe er auf seine langjährige Aktivität über Yupoo verwiesen: „Wenn es ein neuer Verkäufer ist, wenn Sie ihm Geld schicken, ist es nicht sicher. Wir sind jedoch anders, weil wir seit über acht Jahren verkaufen“.

Auch für den Verkauf über sogenannte Shopping Agents in China nutzen Fälscher Yupoo. Dieses Vorgehen wurde kürzlich mit einem in einem Fälschungsforum geteilten YouTube-Tutorial erklärt: Demnach suchen Shopping Agents, die etwa über Dienste wie WeGoBuy und Superbuy beauftragt werden können, Artikel über Yupoo, kauften diese und organisieren den Versand an den Kunden. Das mittlerweile entfernte Video zeigte zudem, dass Titel von Yupoo-Bildern verschlüsselt Artikelpreise beinhalten können.

Die Verwendung von Yupoo durch Fälscher sei weit verbreitet. So gehörten Verlinkungen zu Taobao und Yupoo etwa zu den meistgeteilten Quellen für Fälschungen bei FashionReps, einem der weltweit größten Foren für Plagiate, berichtet WTR. Auch über Google-Suchanfragen seien oft Fälschungskataloge auf Yupoo auf der ersten Ergebnisseite zu finden. Yupoo vertritt derweil den Standpunkt, dass die Bilderplattform nicht verantwortlich sei für den Verkauf von Fälschungen, da die Produkte nicht über die Plattform gehandelt würden. Auf Anfrage von WTR informierte Yupoo jedoch, dass markenrechtsverletzende Inhalte über ein Formular gemeldet werden können. Dieses sei gemeinsam mit weiteren Dokumenten, die den Besitz der Markenrechte belegten, einzusenden; im besten Fall in chinesischer Sprache. WTR kommt derweil zu dem Schluss, dass seit der Recherche 2016 kein Rückgang der illegalen Aktivitäten über Yupoo zu verzeichnen ist.

Quelle: World Trademark Review