Ein aktueller Bericht zeigt, wie ein Fälscherring mit Plagiaten der Luxusmarke Hermès geschätzte 20 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftete. Dabei agierten die Kriminellen in Frankreich in unmittelbarer Nähe des Markeninhabers – und unter Mithilfe von Insidern.

Mit nachgemachten Handtaschen des französischen Luxusgüterherstellers Hermès International SCA erwirtschaftete ein Fälscherring wohl mindestens rund 20 Millionen Euro (ca. 22 Millionen US-Dollar). Wie aktuell berichtet wird, agierten die Fälscher bis 2012 auch in Frankreich, am Stadtrand von Paris. Die illegalen Produktionsstätten befanden sich demnach nur unweit entfernt von den offiziellen Werkstätten des Luxuswarenherstellers – und wurden auch von eigenen Mitarbeitern des Originalherstellers unterstützt.

Die Fälschungen bekannter Taschen, darunter etwa des ikonischen Hermès Birkin Bag, waren dabei so hochwertig, dass sie selbst für einige Hermès-Sammler authentisch wirkten. Teile des Materials stammten gar aus den Werkstätten von Hermès selbst – die Originalmaterialen sollen mindestens zwei Hermès-Mitarbeiter an die Fälscher geliefert haben, so ein aktuell erschienener Bericht im Fachportal The Fashion Law. Die Hermès-Mitarbeiter wären eng in die kriminellen Machenschaften involviert gewesen und hätten die Herstellung der Plagiate beaufsichtigt.

Auf die kriminellen Aktivitäten im eigenen Haus aufmerksam wurde der Markeninhaber durch interne Monitoring-Systeme, die Hinweise auf ungewöhnliches Verhalten zeigten. Französische Strafverfolgungsbehörden identifizierten schließlich im Jahr 2012 zwei Mitarbeiter, indem Verpackungsboxen und Materialen überwacht und zurückverfolgt wurden. Als die Behörden den Fälscherring sprengten, verhafteten sie rund ein Dutzend Personen. Auch die zwei involvierten Hermès-Mitarbeiter wurden festgenommen, wobei das Unternehmen den Verdacht hatte, dass auch weitere Mitarbeiter beteiligt gewesen sein könnten.

Die Reichweite der Fälscher-Organisation ging weit über Paris und Frankreich hinaus, wie sich herausstellte. Die Spuren des zunächst scheinbar kleinen kriminellen Netzwerks führten von Europa in die Vereinigten Staaten und bis nach Ostasien. Die Behörden konnten bisher allein für den französischen Arm der Operation Einnahmen in Höhe von rund 20 Millionen Euro (ca. 22 Millionen US-Dollar) nachvollziehen.

Hermès steht immer wieder im Fokus von Fälschern und Nachahmern. Der ehemaliger CEO der Firma, Patrick Thomas, verurteile das Ausmaß illegaler Imitate im Jahr 2012 scharf. „Es ist eine absolute Schande“, so Thomas. Nach seiner Aussage seien rund 80 Prozent der online unter dem Namen Hermès gehandelten Waren in Wirklichkeit Plagiate. Das Modehaus lobte jedoch die Erfolge der französischen Strafverfolgungsbehörden im Fall des 2012 zerschlagenen Verbrecherrings. Man sei „sehr zufrieden mit der effizienten und sorgfältigen Kooperation mit der nationalen Gendarmerie in diesem Fall und bekräftige das unermüdliches Engagement bei der Bekämpfung von Fälschungen“, so ein Sprecher des Hauses.

Um gegen das besorgniserregende Ausmaß von Fälschungen vorzugehen, startete der französische Luxusindustrie-Verband Comitè Colbert Mitte der 2000er Jahre Aktionen gegen Produktpiraterie. Als ein Teil davon sollte eine groß angelegte Informationskampagne an französischen Flughäfen Verbraucher für die Risiken von Fälschungen sensibilisieren. Beispielsweise wiesen Plakate dabei auch darauf hin, dass der Kauf von Fälschungen in Frankreich strafbar ist; anders als etwa in den USA.

Quelle: The Fashion Law