Ein einfacher Sensor soll die Identifizierung von Arzneimittelplagiaten anhand von Klangfrequenzen ermöglichen. Als Inspiration für die Technik diente ein Jahrtausende altes Musikinstrument.

Ein neu entwickelter Musikinstrumentensensor könnte in Zukunft die Erkennung gefälschter Medikamente erleichtern. Das Gerät vergleicht dazu die Dichte flüssiger Stoffe durch Klangfrequenz-Messungen. So sollen auch Laien einfach feststellen können, ob sich die Dichte eines getesteten Medikaments vom Originalprodukt unterscheidet – ein starker Hinweis darauf, dass das fragliche Mittel nicht das enthält, was die Packung verspricht.

Der Sensor wurde an der University of California, Riverside entwickelt und basiert einem 3.000 Jahre alten afrikanischen Musikinstrument, genannt mbira oder Lamellophon. Das Instrument besteht aus Metallzinken, die auf einem Resonanzboden angebracht sind und Töne produzieren, wenn sie mit den Fingern gezupft werden. Für den Sensor wurden die Zinken durch dünne Metallrohre ersetzt, die mit Flüssigkeit befüllt werden können. Sind die Rohre voll, unterscheidet sich der erzeugte Ton je nach der Dichte des eingefüllten Stoffs – und verrät so, ob das getestete Medikament eine abweichende Dichte aufweist und daher mutmaßlich gefälscht sein könnte. Bei sehr kleinen Klangdifferenzen, die für das menschliche Ohr nicht erkennbar sind, kann eine einfache Software Klarheit schaffen.

Das Gerät hat gegenüber anderen Testmethoden zwei wichtige Vorteile: Zum einen ist der mbira-Sensor leicht zu bedienen, so dass er nicht nur von Arzneimittelherstellern und Apothekern sondern auch von Konsumenten eingesetzt werden könnte. Zum andern besteht das Gerät aus handelsüblichen Materialien und ist in der Herstellung sehr kostengünstig. Damit eignet sich der Sensor sehr gut zum Einsatz in Entwicklungsländern, die laut Schätzungen der WHO auch einen hohen Anteil gefälschter Medizinprodukte aufweisen. Gerade hier könnte die einfache Methode zur Identifizierung von gefälschten Pharmaprodukten viel bewirken.

Doch auch in Europa ist Arzneimittelpiraterie ein hochaktuelles Problem, das jährlich finanzielle Schäden in Milliardenhöhe verursacht. Um dem entgegenzuwirken, führt die EU 2019 ein Schutzsystem gegen Medikamentenfälschungen ein, das Pharmaherstellern und Apotheken die Überprüfung von Pharmaprodukten erleichtern soll (wir berichteten). Der Mbira-Sensor könnte Konsumenten und Produzenten dabei in Zukunft zusätzliche Sicherheit geben, zumal die messtechnischen Möglichkeiten von Musikinstrumenten laut Entwicklern noch nicht längst nicht ausgelotet sind: „Da alle Objekte grundlegende physikalische Eigenschaften wie Masse, Dichte und Länge aufweisen, sollten Musikinstrumentensensoren, die diese Merkmale messen, viele verschiedene Anwendungen finden.“

Quellen: University of California (UCR), American Chemical Society Publications