Mit einer globalen Operation beschlagnahmten Interpol und Behörden aus über 90 Ländern mehrere Millionen medizinische Plagiate – auch in vielen Ländern Europas. Zudem nahmen die Fahnder eine Rekordzahl illegaler Onlineangebote vom Netz.

Bei der diesjährigen Ausgabe der weltweiten Operation Pangea XI, koordiniert von Interpol, beschlagnahmten Polizei, Zoll und medizinische Aufsichtsbehörden aus 92 Ländern Ende Mai illegale Arzneimittel im Wert von geschätzt rund 23 Millionen US-Dollar (rund 19,3 Millionen Euro) und verhafteten rund 280 Verdächtige. Zudem schalteten sie über 113.000 Weblinks ab, über die mutmaßlich gefälschte Arzneimittel vertrieben wurden – die höchste Anzahl seit der ersten Operation Pangea im Jahr 2008. Unterstützt wurden die Behörden dabei von Europol, dem Pharmaceutical Security Institute und dem United Nations Office on Drugs and Crime/World Customs Organization’s Container Control Programme.

Insgesamt beschlagnahmten die Behörden mehr als neun Millionen illegale Arzneimittel und medizinische Geräte. Konfisziert wurden etwa illegale Beruhigungsmittel, Schmerzmittel und Krebsmedikamente, zudem zahlreiche gefälschte bzw. unautorisierte Covid-19-Tests, auf die mehr als die Hälfte der sichergestellten medizinischen Geräte entfielen. Der geschätzte Wert der beschlagnahmten Artikel liegt dabei in diesem Jahr um rund 64 Prozent höher als noch im letzten Jahr (2020: rund 14 US-Dollar Millionen Beschlagnahmungswert). Insgesamt kontrollieren die Behörden rund 710.000 Sendungen und identifizierten teilweise auch gefälschte Medikamente, die Fälscher zwischen legalen Produkten versteckt hatten, etwa in Bekleidung, Schmuck, Spielwaren und Lebensmitteln. In Katar entdeckten Beamte etwa Tausende Schmerztabletten, die in Konservendosen versteckt waren.

Allein im Vereinigten Königreich beschlagnahmten die Behörden rund drei Millionen illegale und gefälschte Arzneimittel und medizinische Geräte, mit einem geschätzten Wert von über 13 Millionen US-Dollar (rund 10,9 Millionen Euro). Die lokalen Behörden schaltetet zudem rund 3.100 Werbelinks ab, über die unlizenzierte Medikamente gehandelt wurden, und nahmen über 40 verdächtige Webseiten vom Netz. In Italien konfiszierten Beamte zudem mehr als 500.000 gefälschte OP-Masken sowie 35 Maschinen zur Produktion und zum Verpacken von Medikamenten.

Die Verschärfung des Fälschungsproblems bei Medikamenten sieht Interpol auch in der globalen Coronavirus-Pandemie begründet: „Da die Pandemie mehr Menschen dazu zwang, ihr Leben ins Internet zu verlagern, hatten es Kriminelle schnell auf diese neuen ‚Kunden‘ abgesehen“, so Jürgen Stock, Secretary General von Interpol. Die britische Zulassungsbehörde für Arzneimittel MHRA (The Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) kündigte an, auf den Ergebnissen der Operation Pangea aufzubauen, um Hotspots für den Export von Fälschungen zu identifizieren.

Quellen: Interpol, Securing Industry