Schmähpreis Plagiarius prangert dreiste Fälschungen an

© Aktion Plagiarius e.V. (links: Original – rechts: Plagiat/Fälschung)
Der diesjährige Negativ-Preis Plagiarius kürt erneut dreiste Nachahmungen, die Produkte deutscher Hersteller kopieren – darunter bekannte Marken aus den Bereichen Automotive und Maschinenbau. Und Plagiate, die über bekannte Online-Händler angeboten wurden.

Der erste Platz beim diesjährigen Negativ-Preis Plagiarius ging an die Kopie eines Produktes des hessischen Haushaltswaren-Herstellers Koziol »ideas for friends. Die angeprangerte Nachahmung, die von einem Magazinverlag aus Australien vertrieben wurde, imitierte ein designprämiertes Mehrweg-Besteck. Das Plagiat, das im Rahmen einer Loyalty-Kampagne eingesetzt wurde, bestand dabei aus ungeeignetem Kunststoff, sodass es sich bereits nach wenigen Anwendungen verformte und unbrauchbar wurde.

Platz zwei vergab die Plagiarius-Jury an die Fälschung eines Druckmessgeräts für industrielle Anlagen. Die Nachahmung nutzte unerlaubt den geschützten Markennamen des Originalhersteller, der bayerischen WIKA Alexander Wiegand; zudem wurde das von einer Firma aus Bangladesch vertriebene Plagiat auch mit der Herkunftsangabe „Made in Germany“ versehen, um potenzielle Käufer weiter zu täuschen. Allerdings lässt WIKA selbst seine Geräte gar nicht so beschriften. „Das ist, als würde man ‚echte Markenuhr‘ auf eine gefälschte Rolex schreiben“, sagt Ulrich Demuth, Leiter der Patentabteilung des Unternehmens. Da das Plagiat die deklarierte Messgenauigkeit nicht erreichen kann, entsteht ein hohes Risiko durch falsch regulierten Druck.

© Aktion Plagiarius e.V. (links: Original – rechts: Plagiat/Fälschung)
© Aktion Plagiarius e.V. (links: Original – rechts: Plagiat/Fälschung)

Der dritte Platz ging an das Imitat eines Kugellagers des bekannten deutschen Maschinenbau-Unternehmens Schaeffler Technologies. Analysen des gefälschten Axial-Schrägkugellagers zeigten erhebliche Abweichungen in der Maßhaltigkeit und Fertigungsqualität, die den Einsatz des Plagiats zu einem Risiko machen können. Der hier angeprangerte Fälscher fällt dabei durch umfangreiche Nachahmungen auf – so wurden nicht nur Produkte, Verpackungen und Markennamen renommierter Hersteller wie Schaeffler kopiert, sondern etwa auch Händlerzertifikate oder Data-Matrix-Codes.

Eine Sonderauszeichnung erhielten Plagiate des Schaltschrankschlüssels der KNIPEX-Werk C. Gustav Putsch KG aus Nordrhein-Westfalen. Bereits rund 9.500 Angebote für Nachahmungen dieses Produkts hat der Originalhersteller in den letzten drei Jahren von Online-Marktplätzen entfernen lassen. Verschiedene Nachahmer kopieren das patentgeschützte Produkt jedoch weiter – allerdings mit billigen Materialien und schlechter Verarbeitung, sodass die Funktion oft nicht oder nur kurz gewährleistet ist. „Wir konnten die Angebote in den meisten Fällen sperren lassen, aber man kann sich sicher vorstellen, welchen riesigen Aufwand das für uns bedeutet“, kommentiert Firmenchef Gustav Putsch.

© Aktion Plagiarius e.V. (links: Original – rechts: Plagiat/Fälschung)
© Aktion Plagiarius e.V. (Mitte: Original / Außen: Plagiate)

Weitere vier gleichranginge Preisträger kommen aus Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Angeprangert wird beispielsweise auch ein Imitat einer Radzierblende des bekannten Autobauers Volkswagen AG. Besonders dreist hier: Das Plagiat trug sogar einen Schriftzug, der es als Imitat kennzeichnete. Der aus Italien kommende Hersteller des Plagiats weigerte sich allerdings, eine Unterlassungserklärung abzugeben, so dass nun ein wohl langwieriges Gerichtsverfahren läuft.

Der diesjährige Schmähpreis Plagiarius wurde am 25. April vergeben; coronabedingt wurden die Fälscher erneut in einer virtuellen Pressekonferenz bekannt gegeben. Vergeben wurden drei Hauptpreise, vier gleichranginge Auszeichnungen und eine Sonderauszeichnung. Eine besorgniserregende Tendenz im Vergleich zu den Vorjahren: alle Fälschungen in diesem Jahr betrafen deutsche Unternehmen.

Die besondere Bedeutung von Online-Marktplätzen betonte Dr. Aliki Busse, Fachanwältin und 2. Vorsitzende der Aktion Plagiarius: „Um Wirtschaft und Verbraucher vor gefährlichen Fälschungen besser zu schützen, müssen die Betreiber von eCommerce-Plattformen zukünftig stärker in die Verantwortung genommen werden.“ Dazu gehöre die Identifikation von Händlern und das Verhindern, das gelöschte Angebote nicht unter anderem Namen neu hochgeladen werden. Der seit 1977 vergebene Negativpreis Plagiarius soll ein öffentliches Bewusstsein für die fragwürdigen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten schaffen sowie für Produkt- und Markenpiraterie sensibilisieren.

Quellen: Plagiarius e.V., Handelsblatt, Zeit

– Anzeige –