Plagiate im Wert von mehreren hundert Millionen Euro soll ein Fälschernetzwerk über Jahre hinweg aus China in die USA geschmuggelt haben. Ein Strafprozess in New York bietet jetzt Einblicke in die mutmaßliche Arbeitsweise und Transportmethoden der Fälscher.

Wie jetzt bekannt wurde, verhafteten amerikanische Behörden im Dezember 2019 einen der mutmaßlichen Drahtzieher eines Fälscherrings, der insgesamt 129 Container mit gefälschten Schuhen in die USA eingeführt haben soll. Laut Anklageschrift hätten die Originalversionen allein der von 2012 bis 2016 in die USA eingeführten Fälschungen einen Gesamtwert von 472 Millionen US-Dollar (rund 424 Millionen Euro).

Bereits 2012 wurden die Behörden durch eine Beschlagnahmung im Raum New York auf das kriminelle Netzwerk aufmerksam, wie aus den Unterlagen des United States District Court for the Eastern District of New York hervorgeht. Damals stoppten sie einen Seefracht-Container aus China, der mit gefälschten Sneakern beladen war. Bis Dezember 2016 beschlagnahmten Ermittler der Homeland Security Investigation (HSI) insgesamt 17 Lieferungen dieser Art. Eine unbekannte Anzahl weiterer Sendungen dürfte unbemerkt den Zoll passiert haben.

Den entscheidenden Hinweis, um nun gegen das Netzwerk vorzugehen, lieferte einer der Angeklagten an Ermittler der HSI. Nach seiner Verhaftung im Oktober 2018 fungierte er als Informant für die Behörden, war weiter im Schmugglernetz aktiv und lieferte den Beamten Informationen. So erhielten sie auch eine Telefonnummer, über die einer der mutmaßlich führenden Köpfe der Organisation identifiziert wurde, der unter dem Decknamen „Ray“ agierte.

Dank der Überwachung der Kommunikation mit dem Netzwerk waren die Behörden über mehrere Lieferungen informiert, die über den Port of Los Angeles, Kalifornien und den Port of Newark, New Jersey in die USA eingeführt wurden. Um die illegalen Waren in die USA einzuschleusen, deklarierten die Fälscher die Ladung der aus China stammenden Container fälschlicherweise als Haushaltswaren, etwa Papierservietten und Glasvasen. Auf den Frachtpapieren nutzten sie Namen und E-Mail-Adressen legitimer chinesischer und US-amerikanischer Unternehmen. Für die E-Mail-Adressen registrierten sie vorab eine neue Domain, die sich nur um wenige Buchstaben von der echten Firmen-Domain unterschied; die angegebenen Telefonnummern führten zu Prepaid-Handys des Fälscherrings.

Bei den Kontrollen der Sendungen wurden gefälschte Schuhe der Marken Nike und Louis Vuitton gefunden, die hinter zwei Reihen generischer Schuhe versteckt waren. Ermittler der HSI entnahmen jeweils eine geringe Anzahl der Fälschungen als Beweise, ließen die Container jedoch passieren, um die Zieladressen zu identifizieren. Ziel der Sendungen waren, anders als auf den Papieren ausgewiesen, verschiedene Self-Storage-Lagerräume im Raum New York City. Dort wurden die Lieferungen in kleinere Sendungen aufgeteilt und zum Verkauf weiter versandt.

Der Hauptverdächte „Ray“ wurde bei einer Reise in die USA am 27. Dezember 2019 am Dulles Airport, nahe Wahington, DC., verhaftet, und es wurde Anklage gegen ihn erhoben.

Quellen: Eastern District of New York, Quartz