Amazon will jetzt mit einen neuen Abwehrprogramm hart gegen Fälschungen durchgreifen. Das sogenannte Project Zero stößt aber bereits jetzt auf Kritik und den Vorwurf, dass Amazon von dem selbst geschaffenen Fälschungsproblem profitieren wolle.

Mit einer neuen Offensive gegen Fälschungen möchte Amazon jetzt stärker gegen Produktpiraterie durchgreifen. Dafür setzt der Online-Händler mit seinem sogenannten Project Zero auf eine Kombination aus mehr Eigeninitiative der Rechteinhaber, individualisierten Seriennummern für Produkte sowie auf automatisierte Schutzmechanismen. Die Maßnahmen stoßen aber bereits beim Start des Programms auf deutliche Kritik.

Laut Amazon soll das neue Schutzprogramm „Marken befähigen, zu helfen, Fälschungen auf null zu reduzieren.“ So erlaubt es der Internetgigant jetzt einigen Markeninhabern, mutmaßliche Fälschungen mit einem neuen Self-Service Tool eigenständig von den Amazon-Plattformen zu entfernen. Bislang ist der Service allerdings nur für ausgewählte Unternehmen verfügbar.

Zudem soll Project Zero Rechteinhabern die Möglichkeit bieten, ihre Produkte mit einer Amazon Seriennummer zu versehen. So sollen Originale nachverfolgbar und Fälschungen leichter erkennbar gemacht werden. Ergänzt wird die sogenannte Product Serialization durch automatisierte Scans: Mithilfe von Produktdaten wie etwa originalen Markenzeichen und Logos, die Rechteinhaber zur Verfügung stellen, identifiziert Amazon mutmaßliche Fälschungen und entfernt diese proaktiv von seinen Online-Marktplätzen.

Vor allem die neue Amazon-Seriennummer erntet bereits Kritik. Dieser Amazon-eigene Code macht Waren von der Fertigung in der Fabrik bis zum Endverbraucher genau nachverfolgbar. Die US-Handelsplattform könnte damit tiefe Einblicke in Produktion und Absatz der Originalhersteller gewinnen. „Amazon sieht also genau, wann der Hersteller welche Güter in welchen Mengen produziert“, erklärt Online-Handelsexperte Prof. Jochen Gönsch gegenüber der Welt. Dabei ist Amazon nicht mehr nur als reiner Händler tätig, sondern setzt auch bereits eigene Produkte ab.

Amazon wäre mit der Seriennummer theoretisch in der Lage, sich bei der Produktion seiner eigenen Waren strategische Vorteile gegenüber anderen Herstellern zu schaffen. „Dass ein Versender überhaupt ein solches System durchsetzen kann, ist für mich ein klares Zeichen von Marktmacht“, so Gönsch. Zudem müssen die Rechteinhaber hier auch noch für diesen Schutz vor Fälschungen zahlen – eine Amazon-Seriennummer soll Medienberichten zufolge künftig zwischen 0,01 und 0,05 US-Dollar pro Stück kosten. Projekt Zero wird in Medien daher auch vorgeworfen, Amazons Verantwortung für die Bekämpfung von Fälschungen kostenpflichtig auf Rechteinhaber umzuwälzen.

Bereits 2017 hatte Amazon eine Ausweitung seiner Schutzmaßnahmen angekündigt. Dem Internetriesen war in der Vergangenheit wiederholt mangelndes Interesse an der Bekämpfung von Fälschungen vorgehalten worden – Birkenstock etwa hatte Amazon sogar öffentlich Mittäterschaft vorgeworfen. Mit dem Anti-Piraterie-Programm will Amazon jetzt das Vertrauen von Herstellern beim Thema Fälschungsschutz zurückgewinnen. Project Zero mache dabei jetzt eine engere Zusammenarbeit mit Markeninhabern möglich, um laut Amazon „unsere gemeinsamen Stärken wirksam einzusetzen“ und den Handel mit Fälschungen zu unterbinden.

Quellen: Amazon, Inc., Welt, The Next Web