Gefälschte Autoteile werden immer häufiger online gehandelt, auch aufgrund der Corona-Pandemie, wie etwa der Hersteller Daimler berichtet. Der Konzern passte seine Markenschutz-Strategie an und konnte seine Erfolge gegen Fälschungen im Web verdreifachen.

Der deutsche Automobil- und LKW-Hersteller Daimler verzeichnete 2020 mehr als 1,7 Millionen beschlagnahmte Fälschungen seiner Produkte, wieder Konzern kürzlich bekannt gab. Das Unternehmen habe dafür über 550 Razzien initiiert und aktiv die Strafverfolgungsbehörden unterstützt. Produktseitig lag der Fokus vor allem auf sicherheitsrelevanten Teilen wie gefälschten Bremsscheiben und Rädern. Mit diesem Ergebnis übertraf der Konzern das Resultat aus dem Vorjahr (wir berichteten).

Der Konzern hob auch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie hervor. So habe Covid-19 etwa durch verschobene Razzien und zeitweise geschlossene Gerichte den Kampf gegen Fälschungen erschwert. Nicht zuletzt habe während der Pandemie der Onlinehandel weiter zugenommen und so das Internet auch für Fälscher von Autoteilen attraktiver gemacht. Daimler habe seine Markenschutz-Strategie angepasst und seine Aktivitäten im Web gezielt verstärkt habe. „Insgesamt konnten wir 138.000 gefälschte Produkte von Online-Plattformen entfernen lassen. Das ist etwa dreimal so viel wie im Vergleichszeitraum vor der Pandemie“, so Florian Adt, Leiter Legal Product Intellectual Property bei Daimler.

Felgen nach Belastungstest (links: Original – rechts: Fälschung)
Bremsbeläge nach Belastungstest (links: Fälschung – rechts: Original)

Auch andere Automobilhersteller waren laut Medienberichten erfolgreich im Kampf gegen gefälschte Ersatzteile. So berichtet etwa der VW-Konzern von mehr als 100 Razzien und beschlagnahmten Fälschungen im Wert von rund 6,5 Millionen Euro. Online habe allein die Volkswagen-Kernmarke VW PKW täglich Tausende Angebote von Produkten identifiziert, die Markenrechte des Unternehmens verletzt hätten, so ein Sprecher.

Zielmärkte für viele Fälschungen seien nach Branchenangaben vor allem die Europäische Union und die USA. Razzien gegen das kriminelle Treiben seien dagegen oft in jenen Ländern lohnend, in denen Plagiate hergestellt, gelagert oder umgeschlagen werden – also etwa in Asien, den Nahen Osten und Nordafrika, so Medienberichte. Auch der hiesige Zoll stoppt regelmäßig gefälschte Autoteile; betroffen seien alle gängigen Automarken, so die Generalzolldirektion Bonn. Besonders häufig gefälscht würden Ersatzteile zur optischen Veränderung von Fahrzeugen, aber auch sicherheitsrelevante Teile wie Bremsbeläge, Filter, Auspuffanlagen und Felgen stünden im Fokus der Fälscher.

Um gegen Fälschungen vorzugehen, hat Daimler einen global aufgestellten Bereich Intellectual Property Enforcement mit einer dreiteiligen Strategie aus Aufspüren, Angreifen und Vorbeugen. Geprüft werden etwa Angebote auf Onlineplattformen und Messen, um Fälscher zu identifizieren. Ziel sei es, große Fälscherringe sowie Produktion und Vertrieb von Fälschungen zu stoppen. Zudem setzt Daimler auch auf präventive Maßnahmen, etwa indem der Konzern die Behörden mit Trainings und Infomaterialien sensibilisiert und maßgeschneidert unterstützt.

Quellen: Daimler, Automobilwoche