Der internationale Handel mit illegalen Imitaten verursacht laut einer neuen Studie einen finanziellen Schaden von bis zu rund 340 Milliarden Euro pro Jahr. Das entspricht in etwa 2,5 Prozent des gesamten Welthandels; 2008 lag der Wert noch bei schätzungsweise 1,9 Prozent.

Zu den am schlimmsten betroffenen Ländern zählen die USA sowie Italien, Frankreich, die Schweiz, Japan und Deutschland. In der EU machen nachgemachte und illegal hergestellte Produkte insgesamt rund fünf Prozent aller Einfuhren aus. Das kommt einem Wert von circa 85 Milliarden Euro jährlich gleich. Das erklären EUIPO* (das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum) und OECD (die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) jetzt in einem gemeinsamen Bericht zu den weltweiten wirtschaftlichen Folgen von Produkt- und Markenpiraterie.


Auffällig ist, dass sich China inzwischen unter den am schwersten von Piraterie betroffenen Ländern befindet. Und das obwohl laut Bericht rund 84 Prozent aller weltweit beschlagnahmten Fälschungen aus der Volksrepublik und seiner Sonderverwaltungszone Hongkong stammen.

Am häufigsten gefälscht werden der Studie zufolge Schuhe und Kleidung sowie Lederwaren und elektronische Geräte. Außerdem stark betroffen sind Hersteller von Uhren und Schmuck, kosmetischen sowie medizinischen Produkten und Spielzeugen.


Über 60 Prozent der gefälschten Waren werden laut EUIPO und OECD mittlerweile per Post versendet, wohingegen Luft- und Seefracht nur rund 20 beziehungsweise neun Prozent ausmachen. Die Zahlen spiegeln laut Report die wachsende Bedeutung des Internethandels wider, der dazu führt, dass deutlich mehr kleinere Pakete versendet werden. So machen Pakete mit weniger als zehn Produkten inzwischen rund 43 Prozent aller beschlagnahmten Sendungen aus.

Einen weiteren Aspekt, den EUIPO und OECD in ihrem Bericht hervorheben, ist die anhaltende Globalisierung, die es Fälschern häufig ermöglicht, sich einer Strafverfolgung zu entziehen. „Es gibt auf internationaler Ebene keine einheitliche Rechtsgrundlage und Strafverfolgung um gegen Piraterie vorzugehen“, erklärt Candice Li, Vizepräsident der International Anti-Counterfeiting Coalition (IACC). Und selbst wenn Fälscher belangt werden, seien die Strafen häufig zu gering: „Niemand kommt ins Gefängnis, weil er gefälschte Shampoo-Flaschen oder Suppenwürfel über internationale Grenzen geschmuggelt hat“, bemängelt Hans Schwab, Gründer der Onlineplattform Illicit Trade Monitor, den Status Quo.

António Campinos , Exekutivdirektor des EUIPO, betont daher die Bedeutung des neuen Berichts über die Folgen von Piraterie: „Regierungen auf der ganzen Welt brauchen zuverlässige, faktengestützte Daten, anhand derer sie die Gefahr bewerten können, die Marken – und Produktpiraterie auf nationaler, EU- und internationaler Ebene darstellen. Dieser Bericht wird ihnen bei der Wahrnehmung dieser Aufgabe helfen.“

Der Bericht von EUIPO und OECD bezieht sich bei der Bewertung der wirtschaftlichen Folgen des internationalen Handels mit Fälschungen auf Daten aus fast einer halben Million Zollbeschlagnahmen weltweit zwischen 2011 und 2013.

*Ehemals das Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (HABM).

Quellen: EUIPO, OECD, The Economist