Plagiate im Wert von rund 24 Millionen Euro beschlagnahmten österreichische Zollbeamte im Jahr 2020. Dabei fing der Zoll der Alpenrepublik so viele Fälschungssendungen ab wie nie zuvor. Besorgniserregend sei vor allem die Menge der beschlagnahmten illegalen Arzneimittel.

Österreichische Zollbeamte beschlagnahmten im Jahr 2020 insgesamt 3.317 Sendungen mit Plagiaten – rund 60 Prozent mehr als im Vorjahr. In weiteren 3.420 Aufgriffen stellten die Beamten zudem Hunderttausende gefälschte oder anderweitig illegale Medikamente sicher. Dies geht aus dem aktuellen Produktpirateriebericht 2020 hervor, den das österreichische Finanzministerium (BMF) jährlich dem Nationalrat vorlegt. Der Wert der beschlagnahmten Fälschungen wird dabei auf rund 24 Millionen Euro geschätzt.

Als besonders besorgniserregend wird die Menge der beschlagnahmten Medikamente angesehen. In den 3.420 sichergestellten Sendungen wurden insgesamt knapp 346.000 gefälschte und illegale Arzneimittel sichergestellt. Mit einer Steigerung von 58 Prozent gegenüber 2019 stellt dies ein neues Hoch an Beschlagnahmungsfällen dar: Die sichergestellte Zahl an Pharmazeutika ist die zweithöchste jemals verbuchte Menge, lediglich 2018 wurden mit 1,2 Millionen Plagiaten mehr Medikamente sichergestellt – damals allerdings aufgrund vier besonders großer Beschlagnahmungen.

In den 3.317 weiteren beschlagnahmten Sendungen stellten die Beamten insgesamt 56.979 weitere Plagiate sicher. Besonders häufig wurden neben den bereits erwähnten Medikamenten auch Spielwaren sowie Kleidung und Kleidungszubehör gefälscht.

Während die Zahl der Beschlagnahmungen um rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr zunahm, war die Anzahl der konfiszierten Fälschungen rückläufig. Dies führt der Bericht auch auf den zunehmenden Versand von Fälschung über Kleinstsendungen zurück. Dementsprechend betrafen zwar rund 92 Prozent der Beschlagnahmungsfälle Importe über Postsendungen – gemessen an der Anzahl der beschlagnahmten Artikel machten diese jedoch nur 19 Prozent aus.

China liegt mit rund 55 Prozent der beschlagnahmten Produkte an erster Stelle der Ursprungsländer für Plagiate, gefolgt von der Türkei mit circa 1,5 Prozent; bei rund 43 Prozent konnte das Ursprungsland jedoch nicht festgestellt werden. China ist dabei ein wichtiges Ursprungsland für Plagiate vieler verschiedener Produktkategorien: Aus der Volksrepublik stammten etwa rund 48 Prozent der beschlagnahmten Parfums und Kosmetika, 13 Prozent der beschlagnahmten Uhren, oder sogar 96 Prozent der sichergestellten Spielzeug-Fälschungen. Auch wichtige Versendungsländer analysiert der Bericht – also jene Länder, aus denen die Plagiate nach Österreich eingeführt werden sollten. Dabei stachen 2020 insbesondere Hongkong (mit rund 53 Prozent) und China (mit rund 34 Prozent) hervor, gefolgt von der Türkei (rund 8 Prozent) und den Niederlanden (rund 3 Prozent).

Quellen: BMF Österreich, ORF