Eine aktuelle Stichprobe offenbart das Ausmaß des Handels mit Elektronik-Plagiaten im Internet. Fündig wurden die Tester eines Fachmagazins dabei auf den oft kritisierten Plattformen Amazon, eBay und AliExpress – aber auch abseits davon auf weiteren Online-Marktplätzen.

Auf E-Commerce-Plattformen boomt der Handel mit gefälschten Elektronikprodukten. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Test des Fachmagazins c’t, das mehrere Stichproben von unterschiedlichen Plattformen untersucht hat. Im Fokus der aktuellen Untersuchungen standen gefälschte Flash-Speichermedien wie USB-Sticks und Speicherkarten. Die Experten fanden diese nicht nur bei etablierten Online-Händlern wie etwa dem Amazon Marketplace, Ebay und AliExpress.

So stießen sie bei Wish.com auf eine verdächtige MicroSD-Karte mit vermeintlich einem Terabyte Speicherplatz für unter 10 Euro. Laut Experten würde ein entsprechender Chip jedoch im Einkauf bereits mindestens 70 US-Dollar (rund 65 Euro) kosten. Bei der aus Russland stammenden E-Commerce-Plattform und Shopping-App Joom.com fanden die Tester verdächtige USB-Sticks mit vermeintlich bis zu 2 Terabyte Speicherkapazität für unter 10 Euro sowie MicroSD-Karten mit 256 oder 512 Gigabyte Speicherplatz. Sie bestellten acht verschiedene Produkte, von denen sich sieben als Fälschungen erwiesen; der achte Artikel dagegen wurde auch nach Wochen nicht geliefert. Ähnlich verdächtige Angebote großer Flash-Speichermedien entdeckten die Tester auch auf dem Amazon Marketplace, bei gewerblichen Ebay-Händlern und bei AliExpress. Doch auch beim Kauf gängiger Kapazitäten würden Verbraucher oft hinters Licht geführt. In den aktuellen Stichproben verfügten etwa Micro-SD-Karten mit angeblich 256 und 512 Gigabyte über lediglich 16 oder 32 Gigabyte Speicherplatz.

Eine weitere Erkenntnis des aktuellen Tests: die verdächtigen Angebote entpuppten sich oft als wahre Datenschredder, die Inhalte teilweise unwiederbringlich löschen, wenn ihre tatsächliche Speicherkapazität überschritten wird. Gefälschte USB-Sticks würden zudem oft nicht die angegebenen Schnittstellentechniken nutzen; so etwa ein Testprodukt, das über Joom.com erworben wurde und deutlich langsamer arbeitete als erwartet.

Die Untersuchung zeigt zudem das Vorgehen der Fälscher, um Sicherheitsmechanismen von Plattformen zu umgehen. So würden etwa bekannte Markennamen in Produktabbildungen verwendet, um potenzielle Kunden anzulocken. In den Beschreibungstexten finden sich die Marken jedoch nicht wieder. So würden Fälscher ihre betrügerischen Angebote vor den automatisierten Prüfungen der Plattformen verbergen, vermutet c‘t.

Dass Online-Shopper beim Kauf von Elektronikartikeln im Internet hinters Licht geführt werden, ist keine neue Masche von Fälschern. Bereits 2018 berichtete c’t nach einer ähnlichen Stichprobe über den rasanten Handel mit gefälschten Grafikkarten auf Shopping-Plattform. Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass das Problem noch immer aktuell ist.

Quelle: c’t Magazin