Laut einer aktuellen Studie von Ernst & Young hat fast jeder zweite Deutsche schon einmal ein Plagiat gekauft oder könnte sich vorstellen, dies in Zukunft zu tun. Dieses mangelnde Unrechtsbewusstsein vieler Konsumenten beim Kauf hat verheerende Auswirkungen auf deutsche Unternehmen.

Mehr als 30 Prozent haben in der Vergangenheit bereits ein Plagiat erworben, rund 15 Prozent können sich vorstellen, dies in Zukunft zu tun. Jeder Fünfte hält den Erwerb solch illegaler Nachahmungen zudem nicht für ein Delikt: Das sind die erschreckenden Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) für die 550 Unternehmen und 1.000 Verbraucher in Deutschland befragt wurden.

Mit rund 55 Prozent gab über die Hälfte der befragten Konsumenten zu, dass ihnen bereits beim Kauf bewusste war, dass es sich um ein Imitat handelte. Weitere 18 Prozent hatten zumindest einen akuten Verdacht. Insgesamt war für etwa 84 Prozent der Plagiatskäufer der niedrige Preis der Nachahmung ausschlaggebend.

Für zahlreiche deutsche Unternehmen stellen der Verkauf von Fälschungen und das mangelnde Unrechtsbewusstsein vieler Käufer ein ernstzunehmendes Problem dar: Im Maschinen- und Anlagenbau zum Beispiel wurden laut Studie in den letzten zwei Jahren knapp 50 Prozent aller befragten Unternehmen das Opfer von Produkt- und Markenpiraterie; in der Automobilindustrie waren es sogar über 60 Prozent.

„Die Marke ‚Made in Germany‘ genießt weltweit Vertrauen und Anerkennung. Umso mehr kann sie durch Plagiate Schaden nehmen“, erklärt EY-Partner Stefan Heißner. „Denn der Schaden entsteht nicht nur durch den entgangenen Umsatz sondern auch durch die Reputation, die durch eine Schwemme an Plagiaten stark beschädigt werden kann. Wenn ein gefälschtes Produkt die hohen Erwartungen an eine etablierte Marke nicht erfüllt, schwächt es damit auch das Image der Marke – und letztlich das Unternehmen.“

Dennoch tun viele Unternehmen zu wenig, um sich ausreichend vor dem Diebstahl ihres geistigen Eigentums zu schützen. Rund 13 Prozent der befragten Unternehmen investieren überhaupt nicht in IP-Schutz, jedes vierte Unternehmen nur ca. 10.000 Euro oder weniger pro Jahr. Und auch bei der Sensibilisierung von Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden hapert es oftmals: Gerade einmal die Hälfte führt gezielte Schulungen zum Thema IP-Schutz durch.

„Unternehmen steht heute eine breite Palette an Instrumenten und Möglichkeiten zur Verfügung, um sich gegen Fälscher ihrer Marken und Produkte zur Wehr zu setzen. Dazu gehört auch die richtige Aufklärung von Geschäftspartnern und Verbrauchern über Unfall- und Gesundheitsrisiken durch Plagiate. Erst wenn ein stärkeres Bewusstsein in Unternehmen und der Gesellschaft für die Schäden durch Produkt- und Markenpiraterie geschaffen ist, lässt sich geistiges Eigentum wirksam schützen“, so Heißner.

Quelle: Ernst & Young