Die Bedrohung durch Industrie- und Wirtschaftsspionage wird von vielen Firmen dramatisch unterschätzt, so eine neue Studie des Fraunhofer ISI. Vor allem eine einfache und zugleich entscheidende Maßnahme zum Know-how-Schutz wird von den meisten Firmen ignoriert.

Jeder fünfte Betrieb der Elektronik- und Elektroindustrie ist von Wirtschaftsspionage und Konkurrenzausspähung betroffen; jeder Sechste in der Maschinenbau- sowie in der Chemie- und Pharmaindustrie. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI). Anhand von Angaben aus 1.300 Produktionsbetrieben zeigen die Forscher, dass Firmen quasi aller Branchen potenziell betroffen sein können – egal, ob es sich um KMUs oder größere Unternehmen handelt.

Konkrete Vorfälle oder Verdachtsfälle erlebten durchschnittlich 11% aller befragten Betriebe in den vergangenen fünf Jahren. Laut der Mitteilung des Fraunhofer ISI stellt das jedoch nur „die Spitze des Eisbergs“ dar. Zudem werde die Gefahr immer größer, da sich mit der Digitalisierung die Menge an digital verfügbaren Informationen und die Kommunikationsprozesse vervielfacht hätten und auch Produktionsmaschinen in die IT-Netze eingebunden seien.

Das größte Manko aus Sicht der Fraunhofer-Forscher ist dabei die fehlende Sensibilisierung der Mitarbeiter. „Die Beschäftigten, die oft Zugriff auf sensible Informationen haben, [werden] nicht in die Schutzmaßnahmen eingebunden“, so das Fraunhofer ISI in seiner aktuellen Pressemeldung. Dabei sei dies entscheidend: „Bei gut der Hälfte der betroffenen Betriebe [waren] auch betriebsinterne Personen an der Ausspähung beteiligt. Dies geschah nicht immer mit böser Absicht, sondern auch durch Unvorsichtigkeit, Fahrlässigkeit und Unwissen.“ Häufige Beispiele seien etwa, wenn Mitarbeiter verdächtige E-Mails öffnen (in 67% der Angriffe) oder ihre Smartphones und Tablets nicht hinreichend sichern (28%). Allerdings informieren und sensibilisieren nur zwei von fünf Unternehmen ihre Mitarbeiter über Informationssicherheit.

Die Forscher betonen, dass sich gerade hier sehr effizient sehr viel erreichen lässt: „Unternehmen [könnten] mit einfachen und kostengünstigen Präventionsmaßnahmen wie Schulungen oder Postern und Bildschirmschonern gerade im Bereich der Sensibilisierung aller Beschäftigten einen deutlich höheren Schutzstatus erreichen.“ Dabei könnten Firmen beispielsweise auch auf die Erfahrung und Hilfe von Behörden zurückgreifen; auch die Informationssicherheits-Experten von Karg und Petersen helfen gern.

Die Folgen von Know-how-Diebstahl können dabei verheerend sein. „Ein Datenleck kann das ganze Unternehmen ruinieren“, warnt das Fraunhofer ISI in seiner Mitteilung. So könne etwa ein Konkurrent ein gleichwertiges Produkt oder die gleiche Dienstleistung rascher und kostengünstiger auf den Markt bringen. Auch 2017 hatte eine gemeinsame Studie des Bundesamts für Verfassungsschutz und Bitkom ähnliche Probleme beim Schutz von Unternehmens-Know-how festgestellt und den Schaden für die deutsche Wirtschaft auf 55 Milliarden Euro jährlich geschätzt (wir berichteten).

Für die jetzt erschiene Mitteilung Spione in der Produktion wertete das Fraunhofer ISI Daten aus der Erhebung Modernisierung der Produktion aus, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts WiSKoS.

Quelle: Fraunhofer ISI