Der deutsche Maschinenbau leidet immer stärker unter Produktpiraterie, so eine Studie des Branchenverbands VDMA. Fast dreiviertel aller deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sind betroffen; gleichzeitig ist Deutschland das zweitgrößte Vertriebsland für Fälschungen.

Auf alarmierende 7,6 Milliarden Euro belief sich im Jahr 2019 der Umsatzverlust, der durch Produktpiraterie und Markenpiraterie im deutschen Maschinenbau und Anlagenbau verursacht wurde. Damit stieg der Schaden durch Fälschungen weiter an – und zwar um rund 300 Millionen Euro im Vergleich zur Studie von 2018. Zugenommen hat auch die Zahl betroffener Unternehmen: 74 Prozent der Befragten gaben an, von Fälschungen betroffen zu sein (2018 noch 71 Prozent) – bei Firmen mit über 500 Mitarbeitern nun sogar rund 90 Prozent. Das geht aus der diesjährigen Analyse des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA) hervor.

Der von Plagiaten verursachte Schaden für deutsche Unternehmen der Branche beträgt demnach durchschnittlich fast 5 Prozent des Jahresumsatzes. Betroffen sind dabei Unternehmen aller Größen, von KMUs bis hin zu Konzernen. Besonders stark leiden mittelständische Unternehmen unter Piraterie – Firmen mit 500 bis 1.000 Mitarbeitern verbuchen laut Studie sogar über 9 Prozent Umsatzschaden. Insgesamt verhindere Produktpiraterie die Schaffung von fast 35.000 Arbeitsplätzen, so der Verband. Bemerkenswert ist die Zunahme des wahrgenommenen Bedrohungsniveaus durch Produktpiraterie: Über die Hälfte der Befragten gab in diesem Jahr an, dass die Gefahr steige – eine rasante Zunahme im Vergleich zu den letzten Jahren.

Gefälscht würden vor allem Komponenten; dicht dahinter rangierten Designplagiate. Doch auch ganze Maschinen, Ersatzteile und sogenannte ‚weiche‘ Plagiate, etwa Kataloge, Broschüren und Produktfotos, sind im Visier von Fälschern. Oft stellen die Fälschungen ein relevantes Sicherheitsrisiko dar: Mehr als die Hälfte der Unternehmen gab an, dass entdeckte Plagiate eine Gefahr für den sicheren Betrieb von Anlagen darstellen. Mehr als ein Drittel berichtete zudem, dass Fälschungen eine Gefahr für Bediener oder Anwender bergen. „Das zeigt, dass es sich bei Plagiaten nicht um Kavaliersdelikte handelt“, so Steffen Zimmermann, Leiter VDMA Competence Center Industrial Security.

Ursprung der Plagiate seien häufig Wettbewerber, so 72 Prozent der Befragten an. Doch auch Geschäftspartner wie z. B. Kunden und Zulieferer seien Verursacher – insgesamt für erschreckende 42 Prozent der Befragten. Illegalen Fabriken werden dagegen von rund einem Drittel der Befragten genannt. Während China als das mit Abstand wichtigste Vertriebsland wahrgenommen wird, erscheint Deutschland in der Studie als zweitgrößtes Vertriebsland. Weitere wichtige Vertriebsländer sind laut Studie zudem die USA, Türkei, Indien oder Italien.

Eine weiteres Ergebnis der Umfrage: Unternehmen schrecken zunehmend vor rechtlichen Maßnahmen gegen Produktpiraterie zurück. So leiteten nur noch 26 Prozent der betroffenen Unternehmen ein zivilrechtliches Verfahren ein; ein Rückgang um 13 Prozent. „Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen scheinen zunehmend zu resignieren oder den Aufwand für die Rechtsverfolgung zu scheuen“, erklärt Zimmermann. Während jedes zweite Großunternehmen rechtliche Schritte einleite, sei es nur jedes zehnte kleine und mittlere Unternehmen.

Der Verband zieht ein ernüchtertes Fazit der Entwicklungen der letzten Jahre. „Die Situation hat sich trotz vieler politischer Anstrengungen verschlechtert“, so die Aussage des Reports. Als Hauptproblem werden unzureichende Kontrollen und Kontrollmöglichkeiten genannt. Gefordert werden beispielsweise mehr Personal an verantwortlichen Stellen wie dem Zoll; zudem eine stärkere Einflussnahme der Politik auf Importe in die EU sowie den Online-Handel.

Die VDMA-Studie Produktpiraterie 2020 ist die aktuelle Ausgabe der Umfrage zu Produkt- und Markenpiraterie im Anlagen- und Maschinenbau, die seit 2003 alle zwei Jahre durchgeführt wird.

Quelle: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V.