Der Handel mit gefälschten Produkten ist in Indien innerhalb von zwei Jahren um 44 % angestiegen. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kam jetzt eine neue Studie, die auch drei besonders stark von Produktpiraterie betroffene Wirtschaftszweige ausmacht.

Insgesamt würde der Handel mit Produktfälschungen mittlerweile zwischen 8 und 15 % des gesamten indischen Bruttoinlandsprodukts ausmachen, so die Studie, für die der Indische Verband der Industrie und Handelskammern (FICCI) die Jahre 2011/12 und 2013/14 miteinander verglich. Die Studie bestätigt damit die schlechte Positionierung, die Indien aktuell im International IP Index des Global IP Center (GIPC) erhalten hatte (wir berichteten in 2016). Besonders stark von den negativen Folgen der Produktpiraterie betroffen seien die Alkoholbranche, der Mobilfunksektor sowie die Tabakindustrie.

Eine mögliche Ursache für die dramatische Entwicklung sehen die Experten des FICCI im Steuersystem Indiens: Hohe Konsumsteuern würden Konsumenten eher zum Kauf von Plagiaten verführen. Der Bericht argumentiert daher, dass die Steuersätze neu geregelt werden müssten, so dass sie eine Balance zwischen den Interessen des Staates und denen der Verbraucher gewährleisten.

Sadhan Pande, Minister für Verbraucherangelegenheiten im indischen Bundesstaat Westbengalen sieht unterdessen die Markeninhaber in der Verantwortung und kritisierte während einer FICCI-Veranstaltung, dass viele Unternehmen den Kampf gegen Produktpiraterie nicht ernst genug nehmen würden. Tatsächlich sehen sich jedoch auch viele Unternehmen mit einem stark limitierten Budget sowie einem Mangel an staatlicher Unterstützung und Regularien im Kampf gegen Markenpiraterie konfrontiert, so die Einschätzung des GIPC.

Der Indische Verband der Industrie und Handelskammern teilte daher die Ergebnisse seiner Analyse mit zentralen Regierungsstellen wie etwa dem Finanzministerium, dem Kabinettssekretariat sowie dem Büro des Premierministers, ermutigt jedoch auch Markeninhaber sich aktiv dem Kampf gegen Produkt- und Markenpiraterie anzuschließen.

Quellen: WorldTrademarkReview, Zeebiz