Bei der diesjährigen Großaktion gegen gefälschte Medizinprodukte, Pangea XI, verzeichnet Interpol einen starken Rückgang im Wert der sichergestellten Piraterie-Waren. Die Polizeibehörde ist allerdings gerade deswegen mit ihrer Aktion zufrieden.

Bei weltweiten Razzien im Rahmen der Interpol-Operation Pangea XI stellten Behörden aus 116 Ländern* insgesamt etwa 500 Tonnen illegale Arzneimittel und Medizinprodukte sicher. Der Wert der beschlagnahmten Produkte beläuft sich auf rund 14 Millionen US-Dollar (etwa 12,3 Millionen Euro), ein deutlicher Rückgang gegenüber den Rekordbeschlagnahmungen in 2017. Damals waren noch Produkte im Wert von etwa 51 Millionen US-Dollar (mehr als 43 Millionen Euro) sichergestellt worden.

Den starken Abfall gegenüber dem Vorjahr wertet Interpols Generalsekretär Jürgen Stock als ein gutes Indiz für die Wirksamkeit der Interpol-Aktionen. Diese haben dafür gesorgt, dass striktere Kontrollen in vielen Ländern inzwischen Routine geworden seien. Daher konzentrierten sich Fälscher nun verstärkt auf den Versand kleinerer Mengen, um der Erfassung durch die Behörden zu entgehen. „Die Maßnahmen der Zusammenarbeit von Polizei, Zoll und Gesundheitsbehörden haben die kriminellen Betreiber illegaler Online-Apotheken gezwungen, ihre Vorgehensweise zu ändern.“

Bei der Operation Pangea XI, die unter Interpols Koordination vom 9. bis 16. Oktober lief, erreichten die Behörden die Sperrung von 3,671 Links zu Websites, Social Media-Präsenzen und Online-Marktplätzen, über die mutmaßlich mit gefährlichen Pharmaplagiaten gehandelt wurde. Zudem wurden mit 859 Verdächtigen mehr als doppelt so viele Personen verhaftet wie bei der letzten Pangea-Operation 2017 – damals waren etwa 400 mutmaßliche Fälscher festgesetzt worden. Neben gefälschten Verhütungs-, Schmerz- und Beruhigungsmittel wurden etwa auch Arzneimittel zur Behandlung von HIV, Krebs, Diabetes und Parkinson konfisziert. Zudem konnten über 110,000 Plagiate anderer medizinischer Produkte wie chirurgischer Instrumente und Spritzen, aber auch Hörgeräte und Kontaktlinsen aus dem Verkehr gezogen werden.

Unterstützt wurden die Aktionen durch Informationen rund um Piraterie und die Verbreitung illegaler Pharmaprodukte. So wurde im Rahmen der Operation Pangea XI auch öffentlich durch Informationsmaterialien, Veranstaltungen und Vorträge vor den potenziellen Gefahren beim Online-Kauf von Medikamenten gewarnt.


© Interpol

*An Pangea XI beteiligte Länder: Afghanistan, Albanien, Ägypten, Angola, Antigua und Barbuda, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Äthiopien, Australien, Bahrain, Bangladesch, Belgien, Belize, Benin, Bhutan, Bolivien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Burundi, Chile, China, Costa Rica, Dänemark, Deutschland, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Estland, Fidschi, Finnland, Frankreich, Georgien, Ghana, Griechenland, Guatemala, Indien, Indonesien, Iran, Irland, Israel, Italien, Japan, Jordanien, Kanada, Kambodscha, Kamerun, Katar, Kenia, Kirgisistan, Kolumbien, Komoren, Korea, Kroatien, Kuba, Kuwait, Laos, Lettland, Libanon; Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malaysia, Malediven, Mali, Marokko, Mazedonien, Mexico; Moldawien, Mongolei, Montenegro, Mosambik, Myanmar, Namibia, Nepal, Neuseeland, Nicaragua, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Österreich, Pakistan, Paraguay, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Sambia, Saudi-Arabien, Schweden, Schweiz, Senegal, Serbien, Seychellen, Singapur, Slowakei, Slowenien, Südafrika, Spanien, Sri Lanka, Thailand, Timor-Leste, Tschechien, Turkmenistan; Uganda, Ukraine, Ungarn, Uruguay, Usbekistan, Vereinigtes Königreich, USA, Vietnam, Weißrussland, Zypern
Quelle: Interpol