Bis zu mehr als 90 Prozent der auf manchen Online-Plattformen angebotenen Smartphones sind gefälscht – das offenbarten aktuelle Testkäufe. Wie dreist Fälscher dabei vorgehen und Käufer hinters Licht führen, zeigen jetzt die Recherchen eines Fachmediums.

Der Handel mit Fälschungen bleibt ein massives Problem im E-Commerce. Zu diesem Ergebnis kommt aktuell das Fachmagazin c’t nach erneuten Testkäufen und Recherchen auf einschlägigen Online-Marktplätzen. Im Visier hatten die Tester dieses Mal Plagiate von Smartphones – und das enorme Ausmaß des Problems überstieg sogar die Erwartungen der Tester. Bei verschiedenen Onlineshops erwiesen sich die getätigten Testkäufe ausnahmslos als Fälschungen.

Die insgesamt elf Stichproben wurden alle mit einem gleich aussehenden USB-Netzteil ohne CE-Zeichen geliefert, das den nötigen Sicherheitsvorschriften nicht genügte und nicht auf den deutschen Markt hätte gehandelt werden dürfen; fünf der Stichproben wurden sogar in dem gleichen weißen Karton geliefert. Die Telefone selbst wiesen dagegen Unterschiede auf. Die Tester gehen davon aus, dass es sich um unterschiedliche Hersteller handle, die Restbestände alter Smartphones aufkauften und deren Komponenten dann in neue Gehäuse einbauten. Übersetzungsfehler in der Software, Fehldrucke auf den Produkten, falsche Anleitungen und fehlerhafte Sensoren seien weitere Anzeichen, dass es sich um Plagiate handle. Viele Bestellungen enthielten zudem MicroSD-Karten als kostenlose Zugabe – auch diese waren dem Bericht zufolge gefälscht und hatten deutlich weniger Speicherplatz als angegeben.

Besonders weit verbreitet sei das Problem bei der US-amerikanischen Plattform Wish.com und bei dem chinesischen Marktplatz AliExpress, so c’t. Dort würden Händler vermeintliche High-End-Produkte anbieten, etwa mit Unterstützung für den neuen Mobilfunkstandard 5G und mit bis zu 16 GByte RAM und 512 GByte Flash-Speicher. Die hier teils stark reduzierten Preisen würden die Angebote bereits auf den ersten Blick verdächtig erscheinen lassen. Auf Wish.com etwa traf dies auf 91 Produkte bei 100 Suchergebnissen zu; auf AliExpress betraf dies bei Tests mit unterschiedlichen Browsern mal 64 Angebote, mal 17 Angebote. Allerdings fanden die Tester auch auf den Onlineplattformen Amazon und eBay vereinzelt auffällige Angebote.

Bei ihren Recherchen identifizierten die Tester mutmaßliche Fälschungen unter dem Markennamen des Originalherstellers oder mit den Namen eines bekannten Smartphone-Modells; diese ahmten zum Teil auch die Verpackung und das Zubehör nach. Am häufigsten fanden die Tester allerdings Plagiate, deren Gehäuse und Bezeichnung an Marken-Smartphones angelehnt waren, die jedoch auf das unerlaubte Verwenden von Logo und Herstellername verzichteten. Einige weitere Produkte wurden sogar unter Fantasienamen angeboten. Gemeinsam hatten alle diese Angebote, dass sie mit High-End-Eigenschaften warben und dass ihr Betriebssystem manipuliert war, sodass die Systemeinstellungen die beworbenen Angaben zu bestätigen schienen. Auf Wish.com bemerkten die Tester auch Produkte, die angeblich aus Deutschland versendet werden; möglicherwiese, um bei Käufern Vertrauen zu erwecken. Recherchen zeigten beispielsweise, dass die bei einem der Produkte angegebene Absende-Adresse nicht existiert.

Sind Kunden einem Betrüger zum Opfer gefallen, bieten die Plattformen unterschiedliche Optionen. Bei AliExpress etwa muss der Kunde zunächst den Händler kontaktieren, bevor die Plattform selbst aktiv wird. In einem aktuellen Fall stritt der Händler die Vorwürfe ab und wollte, dass der Käufer die Kosten für einen Rückversand nach China selbst trägt. Einen offiziellen Streitfall konnten die Tester bei AliExpress nur über die App eröffnen. Hierbei schlägt der Käufer zunächst vor, wie viel Geld er zurückerhalten möchte; der Verkäufer kann mit einem Gegenangebot reagieren. Erst wenn sich Käufer und Händler nicht einig geworden sind, wird AliExpress aktiv – in dem Fall wurde so von AliExpress die Rückzahlung zugesichert, ohne dass die Fälschung zurückgeschickt werden musste; allerdings wurde auch der Händler nicht gesperrt. Bei Wish.com kann ein Käufer eine Beschwerde direkt bei der Plattform einreichen, eine Lösung wurde innerhalb von 48 Stunden in Aussicht gestellt. Erst nach mehreren Erinnerungen bot Wish.com allerdings eine Erstattung von 50 Prozent des Kaufpreises an. Und nur durch vehementes Ablehnen wurde dann der volle Betrag erstattet. Auch bei Wish.com blieb die Händlerseite aktiv.

Gefälschte Elektronik bleibt anscheinend ein massives Problem im E-Commerce. Im letzten Jahr offenbarte bereits eine Stichprobe von c’t einen boomenden Handel mit gefälschten Speichermedien auf unterschiedlichen Plattformen; zuvor thematisierte das Fachmagazin etwa bereits den Handel mit gefälschten Grafikkarten auf eBay.

Quelle: c’t Magazin