Mehr als 21.500 Warensendungen mit Plagiaten stellten deutsche Zollbeamte 2017 sicher. Obwohl die Anzahl der konfiszierten Artikel leicht zurückging, stieg der Wert wie schon im Vorjahr nochmals deutlich an. Wirtschaftsvertreter verlangen nun, bestimmte Händler stärker in die Pflicht zu nehmen.

Rund 3,3 Millionen gefälschte Produkte konnten deutsche Zollfahnder 2017 sicherstellen; etwa 300.000 weniger als noch im Vorjahr. Dennoch stellten die Zollbeamten einen starken Anstieg beim Wert der beschlagnahmten Waren fest. Im Vergleich zur Zollbilanz 2016 erhöhte sich dieser deutlich von etwa 180 Millionen Euro auf knapp 200 Millionen Euro.

Während 2016 Hersteller von Spielen, Spielzeugen und Sportgeräten am schlimmsten von Fälschungen betroffen waren, führen 2017 u. a. gefälschte Maschinen, Fahrzeuge und Fahrzeugteile sowie Büroutensilien die Liste an. Neben Plagiaten von Spiel- und Sportutensilien, die für 2017 auf dem zweiten Platz rangieren, waren besonders Hersteller von Arzneimitteln sowie Kleidung und Schuhen von Produkt- und Markenpiraterie betroffen.

„Die deutschen Zollbeamten leisten hervorragende Arbeit. Aber allein können sie die Flut an Fälschungen nicht stoppen“, kommentiert Volker Bartels, Vorsitzender des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie e. V. (APM), die Jahresbilanz für 2017. Besonders der stetig zunehmende Versand postalischer Kleinsendungen, die über Online-Shops bestellt werden, mache den Beamten zu schaffen.

Um dem Negativtrend entgegenzuwirken sieht Bartels nicht nur Zoll und Markeninhaber in der Verantwortung. „Hier sind vor allem Online-Plattformen gefragt, die mit ihren Geschäftsmodellen ggf. selbst Gewinn aus den Verkäufen von Fälschungen schlagen“, so der Experte. „Diese müssen aktiver gegen Angebote von Fälschungen vorgehen.“ Und weiter: „Auf keinen Fall darf die Kontrolle der Angebote allein den geschädigten Markeninhabern aufgebürdet werden.“

Mit seiner Forderung folgt Bartels der Einschätzung verschiedener Behörden und Markeninhaber, die aktuell Online-Handelsplattformen wie etwa Alibaba und Amazon wegen Markenrechtsverletzungen auf ihren Seiten kritisieren (wir berichteten jeweils).

Wie schon in den beiden Vorjahren stammten auch 2017 die meisten Fälschungen, die an deutschen Grenzen sichergestellt wurden, aus der Volksrepublik China (51,3 %) bzw. ihrer Sonderverwaltungszone Hongkong (14,4 %). Mit einem rasanten Anstieg stehen auf Platz drei neu die Vereinigten Staaten (8,4 %), gefolgt von der Türkei (6,6 %) und Singapur (4,2 %).


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Quelle: zoll.de, Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie e. V.