Amazon verspricht, nun rechtlich stärker gegen Fälscher vorzugehen. Dafür soll jetzt ein neues interdisziplinäres Team sorgen, das gegen Fälschungshandel und Verstöße gegen Amazons Richtlinien vorgeht und sich auch Verstärkung aus Kreisen der US-Justiz holt.

Amazon plant, stärker gegen Fälscher vorzugehen, die den Onlinemarktplatz für ihre illegalen Geschäfte missbrauchen. Dazu gründete der Internet-Gigant nun eine neue Einheit für Fälschungsdelikte, die sogenannte Counterfeit Crimes Unit. Diese soll helfen, betrügerische Angebote weiter zu unterbinden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

In seiner neuen Einheit bringt Amazon ein globales, interdisziplinäres Team zusammen, das aus ehemaligen US-Bundesstaatsanwälten, Ermittlern und Datenanalysten bestehe. So sei etwa eine langjährige Mitarbeiterin des US-Justizministeriums zu Amazon gewechselt und übernehme die Leitung der neuen Abteilung, berichtet die FAZ. „Jeder Fälscher wird jetzt darauf aufmerksam gemacht, dass er mit allen Mitteln im Rahmen des Gesetzes zur Rechenschaft gezogen wird, unabhängig davon, wo er versucht seine Fälschungen zu verkaufen, oder wo er sich aufhält“, so Dharmesh Mehta, Vice President für Customer Trust und Partner Support bei Amazon, in einer Mitteilung des Konzerns.

Die Counterfeit Crimes Unit soll die Fälle untersuchen, bei denen Fälscher Amazons Anti-Fälschungs-Systeme umgehen wollten. Dazu sollen unter anderem interne und externe Daten analysiert werden, darunter auch Informationen von Zahlungsdienstleistern. So soll Amazon etwa effektiver Zivilprozesse gegen betrügerische Anbieter anstrengen und Ermittlungen eigenständig oder gemeinsam mit Markeninhabern durchführen können. Zudem wolle man Strafverfolgungsbehörden weltweit unterstützen.

„Wir arbeiten intensiv daran, diese kriminellen Netzwerke zu entlarven und zu zerschlagen“, so Mehta. Amazon sieht jedoch auch die Regierung in der Pflicht und wirbt für mehr Unterstützung für Strafverfolgungsbehörden. „Wir zollen den Strafverfolgungsbehörden Respekt, die diesen Kampf bereits führen. Wir appellieren an Regierungen, diesen Behörden die Ermittlungsinstrumente, Finanzmittel und Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, um kriminelle Fälscher vor Gericht zu bringen.“

Amazon wird häufig vorgeworfen, nicht genug gegen Fälschungen zu unternehmen. So kritisierte etwa der US-Handelsbeauftragte Peter Navarro kürzlich in der Washington Post, dass Amazon Fälscher nicht stoppe, obwohl dies möglich sei. Vor Kurzem hatten ehemaligen Mitarbeiter dem Konzern unter anderem vorgeworfen, den Kampf gegen Plagiate bewusst zu vernachlässigen. Amazon hingegen verweist auf seine Anti-Fälschungs-Maßnahmen, in die man im Jahr 2019 rund 500 Millionen US-Dollar (rund 444 Millionen Euro) investiert habe. Dadurch habe man sechs Milliarden verdächtige Angebote blockiert und mehr als 2,5 Millionen Nutzer gesperrt. Zudem habe der Konzern im Mai in mehreren Ländern Fälscher identifiziert und Informationen dazu an die jeweiligen Behörden weitergegeben, so etwa in Deutschland, Spanien, Italien, den VAE und den USA.

Eine bessere Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden hatte Amazon schon Anfang des Jahres angekündigt. Zudem sorgte der Konzern etwa 2019 für Schlagzeilen mit seinem Project Zero, mit dem Amazon gegen Fälschungen durchgreifen wollte – das ihm aber auch den Vorwurf einbrachte, von dem selbst geschaffenen Fälschungsproblem profitieren zu wollen.

Quellen: Amazon, FAZ, Washington Post