Fälschungen im Wert von rund 225 Millionen Euro hat der deutsche Zoll im Jahr 2019 beschlagnahmt. Im Vergleich zum Vorjahr stellt das einen starken Anstieg um rund 14 Prozent dar. Der finanzielle Schaden durch jedes einzelne Plagiate steige, mahnt der Markenverband.

Beschlagnahmte Plagiate im Wert von rund 225 Millionen Euro verbuchten deutsche Zollfahnder im vergangenen Jahr. Nachdem im Vorjahr noch Fälschungen im Wert von etwa 196 Millionen Euro konfisziert wurden, stieg der Wert der Beschlagnahmungen somit nun um rund 14 Prozent an. Die Anzahl beschlagnahmter Waren legte ebenfalls leicht zu, auf nun rund 5,2 Millionen gefälschte Artikel – ein Plus von rund 2 Prozent, nachdem im Jahr 2018 noch ein Anstieg um mehr als 50 Prozent verzeichnet wurde.

Der steigende Wert der beschlagnahmten Nachahmung sei laut Behördenangaben auch auf die zunehmende Beliebtheit hochpreisiger Markenfälschungen zurückzuführen. Der Warenbereich des persönlichen Zubehörs verzeichne demnach einen deutlichen Zuwachs von rund 54 Prozent, gemessen am Wert beschlagnahmter Fälschungen. In diese Kategorie fallen Produkte wie etwa Uhren, Schmuck, Brillen und Taschen. Der deutsche Markenverband e. V. sieht dies als Grund zu Sorge: „Dementsprechend hat der finanzielle Schaden für Verbraucher mit jedem gefälschtem Artikel zugenommen“, mahnt der Verband in einer aktuellen Mitteilung.

  

Das häufigste Herkunftsland illegaler Plagiate ist weiterhin China, der Anteil der Volksrepublik war jedoch leicht rückläufig und verringerte sich um rund 5 Prozent. Weitere relevante Länder sind Hongkong, die Türkei, Singapur, die Vereinigten Staaten und Taiwan. Mit Ausnahme der USA stieg der Anteil jedes dieser Länder im Vergleich zum Vorjahr jeweils an.

Nicole Hercher, Präsidentin der Generalzolldirektion, zieht eine positive Bilanz des letzten Jahres. Gleichzeitig spricht sie bereits die Herausforderungen an, denen die Zollfahnder in diesem Jahr aufgrund der Coronavirus-Krise gegenüber stehen. „Wir alle arbeiten unter den in dieser Zeit geltenden besonderen Bedingungen weiterhin mit Hochdruck daran, […] Zollkriminalität weiterhin zuverlässig zu bekämpfen“, so Hercher.

Wirtschaftsvertreter fordern dagegen, deutlich stärker gegen Produktpiraterie und Markenpiraterie vorzugehen und vor allem auch den Onlinehandel besser zu überwachen. „Ganz akut ist der europäische Gesetzgeber gefordert alle Onlinemarktplätze zum proaktiven Herausfiltern von Fälschungen zu verpflichten“, so Christian Köhler, Hauptgeschäftsführer des Markenverbands. Köhler weiter: „So würde ein Großteil der gefälschten Waren nicht mehr den Weg zu den Verbrauchern finden.“

Quellen: Generalzolldirektion, Markenverband e.V.