Fälschungen verursachen milliardenschwere Verluste für Schweizer Unternehmen, so eine neue Studie der OECD. Deutschland ist eines der Hauptziele für Plagiate, die Schweizer IP verletzen; und in der Coronavirus-Pandemie intensiviert sich der Online-Handel mit Schweizer Fälschungen.

Durch den weltweiten Handel mit Produkten, die Marken und Schutzrechte von Schweizer Unternehmen verletzen, erlitten diese einen Umsatzverlust von rund 4,45 Milliarden Schweizer Franken (ca. 4 Milliarden Euro) im Jahr 2018. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Durch diesen Umsatzverlust gingen geschätzt 10.000 Arbeitsplätze verloren.

Die Plagiate von Schweizer Produkten gingen laut Studie in insgesamt 55 Zielländer, darunter viele europäische Ziele. Fast die Hälfte aller Plagiatssendungen, die 2017 bis 2019 von Zollbehörden abgefangen wurden, sollten nach Deutschland gehen (ca. 48 Prozent), gefolgt von Belgien (14 Prozent) sowie den Niederlanden, Großbritannien und Spanien. Betrachtet man den Wert der sichergestellten Fälschungen, steht Großbritannien mit über 60 Prozent des Beschlagnahmungswertes an erster Stelle, gefolgt von Deutschland auf Platz zwei (11,4 Prozent) und den Niederlanden (5,5 Prozent) auf Platz drei. Entsprechende Daten für die USA liegen dabei nicht vor, die Studie vermutet jedoch, dass sie wahrscheinlich einen Spitzenplatz einnehmen dürfte.

Der Unterschied bei den Zielländern zwischen Wert und Anzahl der Beschlagnahmungen kann auf die unterschiedlichen Transportmethoden der Plagiate zurückgeführt werden. So wurden beispielsweise Fälschungen, die geistiges Eigentum eidgenössischer Firmen verletzen, auf dem Weg nach Großbritannien vor allem in Seefracht abgefangen – auf dem Weg nach Deutschland allerdings vor allem in Postsendungen. Dadurch falle die Größe der Sendungen unterschiedlich aus, so die Analyse. Generell enthielten rund 70 Prozent aller Sendungen mit gefälschten Schweizer Produkten lediglich eine Fälschung, 84 Prozent der Sendungen weniger als sechs Plagiate.

Besonders stark betroffen sind die eidgenössische Bekleidungsindustrie und die Uhren- und Schmuck-Industrie, so die Analyse. Nachgemachte Uhren machten den Großteil der beschlagnahmten Fälschungen aus, mit rund 80 Prozent sowohl im Hinblick auf die Anzahl wie auch den Wert der Beschlagnahmungen. Betrachtet man die Anzahl der Beschlagnahmungen, fälschten Betrüger nach Uhren vor allem Bekleidung (ca. 11,4 Prozent) und Schuhe (3,2 Prozent). Ausgehend von dem Wert der Beschlagnahmungen folgen auf Uhren ebenfalls Bekleidung (3,8 Prozent) und schließlich Lederwaren (2 Prozent).

Hauptursprungsländer der Fälschungen waren von 2017 bis 2019 vor allem China und Hongkong sowie die Türkei und Singapur. Im Jahr 2016 entfielen 52 Prozent der Zollbeschlagnahmen auf Produkte aus China und 25 Prozent auf Waren aus Hongkong. Während 2016 noch 70 Prozent des Beschlagnahmungswertes auf China und 19 Prozent auf Hongkong entfiel, stieg der Anteil Hongkongs im Jahr 2019 rasant auf 70 Prozent.

Die weltweite Covid-19-Pandemie habe das Fälschungsproblem auch für Unternehmen aus der Schweiz weiter verschärft. Die Analyse hebt dabei besonders hervor, dass kriminelle Gruppen schnell auf die veränderten Gegebenheiten reagiert hätten. So nutzten sie etwa verstärkt unübliche Transportrouten über Afrika und Lateinamerika, als Routen durch Asien aufgrund von Lockdowns versperrt waren. Zudem verzeichne man einen Anstieg gefälschter Schweizer Produkte im Onlinehandel sowie im Handel über Social Media. Allein 2020 erwirkte etwa das Internet Enforcement Team des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie FH, dass 1,2 Millionen gefälschte Uhren von Onlinemarktplätzen entfernt wurden. Im Internet würden neben Uhren zudem auch etwa gefälschte Produkte der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie von Konsumgütern (FMCG, Fast Moving Consumer Goods) und Arzneimitteln gehandelt.

Die OECD-Studie Counterfeiting, Piracy and the Swiss Economy, die im März 2021 veröffentlicht wurde, analysiert unter anderem Daten über Beschlagnahmungen der Weltzollorganisation (WZO), der EU Generaldirektion Steuern und Zollunion (GD TAXUD) und der US Customs und Border Protection (CBP) sowie Handelsdaten der United Nations Comtrade Datenbank.

Quellen: OECD, IGE CH