Jährlich Plagiate für Hunderte Milliarden Euro gehandelt

Nach aktuellen Analysen werden allein im internationalen Handel jedes Jahr Fälschungen im Wert von rund 464 Milliarden Euro grenzüberschreitend gehandelt. Dies geht aus der neuen Studie Global Trade in Fakes – a Worrying Threat von OECD und EUIPO hervor, die viel zitierte Analysen von 2013 und 2016 fortschreibt. Der internationale Fälschungshandel entspricht somit bereits nahezu dem Bruttoinlandsprodukt von Ländern wie etwa Österreich oder Belgien. Da die Analyse nur den grenzüberschreitenden Handel betrachtet, also keine im Inland hergestellten und gehandelten Fälschungen, dürfte der Wert des gesamten Fälschungshandels allerdings noch deutlich höher liegen.

Fälschungen stehen demnach für rund 5,8 Prozent aller Importe in die Europäische Union, in absoluten Zahlen ist dies ein Gesamtwert von rund 119 Milliarden Euro. Besonders häufig in die EU importiert wurden gefälschte Luxusgüter, darunter Lederwaren und Taschen, Schuhe, Uhren, Bekleidung und Schmuck. Zu den Ländern in Europa, die besonders betroffen sind, zählen neben Frankreich (18 Prozent der in der Studie analysierten Zoll-Beschlagnahmungen betrafen Fälschungen von Produkten französischer Unternehmen) vor allem auch Deutschland (16 Prozent) und Italien (9,8 Prozent).

Das international am stärksten von Schutzrechtsverletzungen betroffene Land sind dieser Analyse zufolge die USA – die meisten der untersuchten Zoll-Beschlagnahmungen (rund 39 Prozent) betrafen Fälschungen von Produkten US-amerikanischer Unternehmen. Aber es sind oftmals auch Unternehmen aus jenen Ländern betroffen, die als Hauptursprungsländer von Plagiaten gelten, etwa China und Hong Kong. Aus China und Hong Kong stammten dabei laut der aktuellen Analyse auch die meisten Fälschungssendungen. An dritter Stelle folgt die Türkei; der Bericht hebt hier hervor, dass der Anteil der aus der Türkei stammenden Fälschungen zwischen 2016 und 2019 von rund 4 Prozent auf rund 12 Prozent gestiegen ist, während der Anteil Hong Kongs abnahm.

International besonders häufig beschlagnahmt wurden gefälschte Schuhe, Bekleidung, Lederwaren und elektrische Maschinen und Elektronik, wie bereits 2016, so die aktuelle Studie. Ebenfalls häufig beschlagnahmt wurden Plagiate von Parfüms/Kosmetik, Spielwaren, Uhren und Schmuck; ihr Anteil nahm im Vergleich zu 2016 jedoch leicht ab. Der Transportweg der meisten beschlagnahmten Sendungen waren Postsendungen, gefolgt von Luftfracht- und Expressendungen. Betrachtet man den Anteil der Transportwege am Beschlagnahmungswert, stehen Seefrachtsendungen an erster Stelle, gefolgt von Postsendungen und Luftfrachtsendungen.

Mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie stellt die aktuelle Studie fest, dass die Covid-19-Pandemie zur Etablierung neuer, komplexer Transportrouten für Fälschungen geführt habe. So konnten Fälscher-Netzwerke trotz der Unterbrechung einzelner Routen während der Pandemie und trotz lokaler Lockdowns weiterhin Plagiate in die EU und die USA liefern. Zudem wird im Zuge der Pandemie ein verstärkter Handel illegaler Produkte über das Internet beobachtet. Der Anstieg des Plagiate-Handels im Web erfolge dabei zeitgleich mit einem generellen E-Commerce-Boom – so sei der Online-Handel in den USA zwischen 2020 und 2021 um fast 40 Prozent gewachsen. Dies habe auch zu einem massiven Anstieg des Angebots von Fälschungen aller Art im Internet geführt.

Mit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie reagierten Fälscher oft auch schnell auf eine veränderte Nachfrage. So hätten Betrüger beispielsweise nicht nur nachgemachte medizinische Schutzausrüstung angeboten, sondern auch gefälschtes Equipment zur Herstellung von Schutzausrüstung. Auch bei Nahrungsmitteln und Genussmitteln wie Alkoholika hätten Fälscher die veränderten Gegebenheiten ausgenutzt, um illegale Gewinne zu erzielen.

Die Ende Juni von OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und EUIPO (Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum) veröffentlichte Studie basiert auf einer Analyse von Zolldaten aus dem Jahr 2019. Anfang des Jahres hatten OECD und EUIPO zudem bereits eine viel beachtete Studie zu den Transportwegen von Fälschungen vorgelegt, der zufolge Seefracht der wichtigste Transportweg für Fälschungen ist.

Jetzt teilnehmen: Neue Studie zu Produktpiraterie und Markenschutz

Mit einer großangelegten Umfrage wollen Arvato Systems und die Agentur Karg und Petersen exklusive Einblicke schaffen, wie sich europäische Unternehmen erfolgreich gegen Fälschungen und Plagiate wehren können. Nehmen Sie jetzt an der etwa 10-minütigen, anonymen Onlineumfrage teil, verfügbar in Deutsch und Englisch:

Jetzt an der Umfrage teilnehmen

Die Umfrage wird komplett anonymisiert ausgewertet – daher werden keine Rückschlüsse auf einzelne Unternehmen möglich sein. Falls gewünscht erhalten Sie die Ergebnisse der Umfrage anschließend per E-Mail. Als kleines Dankeschön für Ihre Zeit haben Sie zudem die Chance, in einem Gewinnspiel einen von zehn Amazon-Gutscheinen im Wert von bis zu 100 Euro zu gewinnen.

Umfrage kann Firmen helfen, illegale Nachahmer abzuwehren
„Mit unserer Umfrage wollen wir einen aktuellen Überblick über das Brand-Protection-Vorgehen von Unternehmen schaffen – und zugleich wichtige, aktuelle Trends verifizieren,“ erklärt Steffen Baumhauer, Leiter der Anti-Piraterie-Kommunikation bei Karg und Petersen. „In die Befragung fließen rund 20 Jahre Erfahrung ein, die wir bereits mit Brand Protection haben. Die Studienergebnisse können Unternehmen dann helfen, ihre Maßnahmen gegen illegale Nachahmungen zu evaluieren und zu verbessern.“

Ein Fokus der Umfrage liegt auf innovativen Maßnahmen gegen gefälschte Produkte – dazu zählen die Initiatoren spezielle Markenschutz-Kommunikation, wie sie Karg und Petersen bietet. Und auch moderne technische Möglichkeiten, mit denen Produkte identifiziert und nachverfolgt werden können. „Technische Markenschutz-Lösungen im Kontext von Track & Trace können für viele Firmen ein zentraler Baustein im Markenschutz sein – wir sind gespannt, welche Erfahrungen Unternehmen gemacht haben,“ erklärt Carl-Rainer Stetter, Experte für Fälschungssicherheit bei Arvato Systems.

Initiatoren selbst renommierte Anti-Piraterie-Dienstleister
Bei den beiden Partnern, die die Studie durchführen, handelt es sich um bekannte Dienstleister im Bereich Markenschutz und IT-Lösungen in diesem Kontext. So hat Karg und Petersen spezielle Maßnahmen aus Werbung und PR entwickelt, mit denen Firmen die Nachfrage nach Piraterie-Waren verringern, Fälscher abschrecken und entscheidende Stakeholder einbinden können. Der IT-Spezialist Arvato Systems bietet Serialisierungs- und Track-&-Trace-Lösungen, um Produkte innerhalb der Lieferkette in Echtzeit zurückzuverfolgen und Plagiate von Originalen zu unterscheiden.

Riesige Aktion gegen illegalen Medikamentenhandel

Bei der diesjährigen Ausgabe der weltweiten Operation Pangea XI, koordiniert von Interpol, beschlagnahmten Polizei, Zoll und medizinische Aufsichtsbehörden aus 92 Ländern Ende Mai illegale Arzneimittel im Wert von geschätzt rund 23 Millionen US-Dollar (rund 19,3 Millionen Euro) und verhafteten rund 280 Verdächtige. Zudem schalteten sie über 113.000 Weblinks ab, über die mutmaßlich gefälschte Arzneimittel vertrieben wurden – die höchste Anzahl seit der ersten Operation Pangea im Jahr 2008. Unterstützt wurden die Behörden dabei von Europol, dem Pharmaceutical Security Institute und dem United Nations Office on Drugs and Crime/World Customs Organization’s Container Control Programme.

Insgesamt beschlagnahmten die Behörden mehr als neun Millionen illegale Arzneimittel und medizinische Geräte. Konfisziert wurden etwa illegale Beruhigungsmittel, Schmerzmittel und Krebsmedikamente, zudem zahlreiche gefälschte bzw. unautorisierte Covid-19-Tests, auf die mehr als die Hälfte der sichergestellten medizinischen Geräte entfielen. Der geschätzte Wert der beschlagnahmten Artikel liegt dabei in diesem Jahr um rund 64 Prozent höher als noch im letzten Jahr (2020: rund 14 US-Dollar Millionen Beschlagnahmungswert). Insgesamt kontrollieren die Behörden rund 710.000 Sendungen und identifizierten teilweise auch gefälschte Medikamente, die Fälscher zwischen legalen Produkten versteckt hatten, etwa in Bekleidung, Schmuck, Spielwaren und Lebensmitteln. In Katar entdeckten Beamte etwa Tausende Schmerztabletten, die in Konservendosen versteckt waren.

Allein im Vereinigten Königreich beschlagnahmten die Behörden rund drei Millionen illegale und gefälschte Arzneimittel und medizinische Geräte, mit einem geschätzten Wert von über 13 Millionen US-Dollar (rund 10,9 Millionen Euro). Die lokalen Behörden schaltetet zudem rund 3.100 Werbelinks ab, über die unlizenzierte Medikamente gehandelt wurden, und nahmen über 40 verdächtige Webseiten vom Netz. In Italien konfiszierten Beamte zudem mehr als 500.000 gefälschte OP-Masken sowie 35 Maschinen zur Produktion und zum Verpacken von Medikamenten.

Die Verschärfung des Fälschungsproblems bei Medikamenten sieht Interpol auch in der globalen Coronavirus-Pandemie begründet: „Da die Pandemie mehr Menschen dazu zwang, ihr Leben ins Internet zu verlagern, hatten es Kriminelle schnell auf diese neuen ‚Kunden‘ abgesehen“, so Jürgen Stock, Secretary General von Interpol. Die britische Zulassungsbehörde für Arzneimittel MHRA (The Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) kündigte an, auf den Ergebnissen der Operation Pangea aufzubauen, um Hotspots für den Export von Fälschungen zu identifizieren.

Pestizide, Parfüms, Mode, Konsumgüter – Meldungen in aller Kürze

EU: Tausend Tonnen illegaler Pestizide beschlagnahmt
Rund 1.200 Tonnen gefälschte und illegale Pestizide beschlagnahmten Behörden zahlreicher EU- und Nicht-EU-Staaten bei der von Europol koordinierten Operation Silver Axe 6. Behörden aus insgesamt 35 Ländern1 waren an der der viermonatigen Aktion (Mitte Januar bis Ende April 2021) beteiligt, mehr Länder als noch bei der Operation Silver Axe 5 im Jahr 2020. Die Fahnder kontrollierten Pestizide etwa an Zollgrenzen, im Postverkehr und auf Online-Marktplätzen – gerade online sei eine starke Zunahme illegaler Produkte verzeichnet worden. Mit den beschlagnahmten Produkten hätten kriminelle Akteure illegale Profite im Wert von bis zu 80 Millionen Euro erwirtschaften können, so die Behörden. Unterstützt wurde die diesjährige Aktion vom European Union Intellectual Property Office (EUIPO), dem European Anti-Fraud Office (OLAF), der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) und dem Wirtschaftsverband European Crop Protection Association/CropLife Europe.

1 27 EU-Mitglieder (Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Zypern) sowie acht weitere Länder (Australien, Brasilien, Großbritannien, Kolumbien, Norwegen, Schweiz, Ukraine, Vereinigte Staaten)

Italien: Verpackungsanlage für Parfüm-Plagiate ausgehoben
Beamte der italienischen Polizei Carabinieri schlossen einen illegalen Umschlagplatz für gefälschte Parfüms, unterstützt von Europol – und zerschlugen so eine Operation der organisierten Kriminalität. Sichergestellt wurden rund 2.000 Fälschungen, darunter rund 1.100 Stück verkaufsfertige Parfüms, rund 600 Bekleidungsartikel sowie Lederwaren, Uhren und Hunderte IT-Accessoires, so Meldungen. Zudem seien weitere rund 2.000 halbfertige Parfüm-Plagiate sichergestellt worden. Das illegale Netzwerk operierte demnach aus Italien heraus und pflegte enge Verbindungen zu Produzenten in Ländern in der Nachbarschaft der EU; die Plagiate transportierten sie in großen Mengen über den Balkan, bevor sie in Italien verpackt und verkauft wurden. Um ihre Spuren zu verwischen, habe das Netzwerk ausgefeilte Lieferketten genutzt.

YouTube

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten ist die Verbindung zum Video, das auf YouTube gespeichert ist, gesperrt. Durch das Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.

Video jetzt abspielen


Polen: Tausende Mode-Plagiate sichergestellt
Bei einer Razzia auf einem Industriegelände im Raum Warschau beschlagnahmten polnische Behörden rund 14.000 Mode-Plagiate. Der Gesamtwert der Produkte wird auf rund 4 Millionen Zloty (rund 888.000 Euro) geschätzt. Die etwa 9.000 Bekleidungs-Plagiate und rund 4.500 gefälschten Paar Schuhe trugen die Markenzeichen eingetragener Marken, waren jedoch durch ihre Aufmachung und Qualität von den Beamten als mutmaßliche Plagiate identifiziert worden. Die Behörden starteten die Untersuchung auf Grundlage von Hinweisen, dass in den Lagerräumen möglicherweise Fälschungen gelagert würden.

Twitter

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten ist die Verbindung zu den externen Inhalten auf Twitter gesperrt. Durch das Laden der Inhalte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Twitter.

Inhalt laden

UK: Gefälschte Fanartikel und weitere Plagiate beschlagnahmt
Einen Tag vor dem Start der Fußball-Europameisterschaft konfiszierten Beamte der Intellectual Property Crime Unit der City of London Police (PIPCU) gefälschte Fußball-Trikots im Wert von rund 80.000 Pfund (rund 93.000 Euro). Sichergestellt wurden die Fälschungen bei Razzien der Privatadresse und Lagerfläche eines 19-Jährigen aus dem Raum Wembley, London; insgesamt seien mehrere tausend Artikel beschlagnahmt worden, so die Behörden. „Diese Operation ist ein hervorragendes Beispiel für die Zusammenarbeit von PIPCU mit der Sportindustrie, um den Verkauf von gefälschten Waren zu bekämpfen“, so Andrew Masterson, Detective Sergeant bei der City of London Police. In Schottland beschlagnahmten Behörden derweil Plagiate im Wert von rund 3 Millionen Pfund (ca. 3.5 Millionen Euro) in Glasgow, darunter Bekleidung, Parfüms, Uhren und Schuhe. Die Fälschungen verletzten die IP-Rechte bekannter Marken wie etwa The North Face, Moncler, Ugg und Dior. Die Ermittlungen dauern an.

Russland: Gewinnspiel soll Track-&-Trace bewerben
Um Konsumenten zu animieren, die Echtheit von Produkten via QR-Code-Scans zu verifizieren, werden über das russische Track-&-Trace-System Chestny ZNAK sechs Wochen lang Hunderte Sach- und Geldpreise verlost. Konsumenten können an dem Gewinnspiel teilnehmen, indem sie mindestens zehn QR-Codes scannen, die auf zahlreichen Waren wie etwa Molkereiprodukten, Arzneimitteln, Bekleidung und Schuhen aufgebracht sind; je mehr Scans die Teilnehmer durchführen, desto höher ihre Chance auf einen Gewinn. Mit dem nationalen Track-&-Trace-System Chestny ZNAK plane Russland langfristig, alle inländisch gehandelten Verbrauchsgüter nachverfolgbar zu machen und sie so etwa vor Produktpiraterie zu schützen; die volle Umsetzung des Systems ist für 2024 geplant.

EU: IP-Schutz in Drittländern oft problematisch

IP-Verletzungen und Plagiate bleiben für europäische Unternehmen ein großes Problem in verschiedenen Nicht-EU Ländern, so der neue Drittstaatsbericht 2021 der Europäischen Kommission. Basierend auf der Schwere des wirtschaftlichen Schadens für Unternehmen aus der EU weist das Arbeitspapier der EU-Kommission dabei den untersuchten Ländern mit Mängeln bei gewerblichen Schutzrechten drei Prioritäten zu.

Als besonders problematisch sieht der Bericht weiterhin die Situation in China. Der Volksrepublik wird als einzigem Land erneut die höchste Priorität zugewiesen, wie bereits letztes Jahr im Drittstaatsbericht 2020. China sei das dominierende Herkunftsland von Fälschungen, rund 80 Prozent aller illegalen Nachahmungen stammten aus der Volksrepublik, so der Bericht der EU-Kommission. Zudem sei das Ausmaß und die Beständigkeit der dortigen Probleme ein Grund für die Priorisierung; ein besonderes, systematisches Problem sei zudem ein erzwungener Technologietransfer, der besonders High-Tech-Unternehmen betreffe.

Als zweithöchste Priorität sieht das Arbeitspapier der EU-Kommission die Länder Indien, Russland, die Türkei und die Ukraine. Grund seien schwerwiegende, systematische Probleme beim IP-Recht; Unternehmen aus der EU würden erhebliche wirtschaftliche Schäden verzeichnen, so die Einschätzung. Seit der letzten Analyse hätten die Länder zudem keine oder nur geringfügige Fortschritte gemacht.

Die Länder mit der dritthöchsten Priorität sind Argentinien, Brasilien, Ecuador, Indonesien, Malaysia, Nigeria, Saudi-Arabien und Thailand. Auch sie wiesen ernstzunehmende Probleme beim IP-Schutz auf; wenn auch geringer als die Länder mit höherer Priorität. Indonesien wurde in diesem Jahr neu der Priorität drei zugeordnet (2020: Priorität zwei), aufgrund eines neuen Patentgesetzes, das an internationalen Standards ausgerichtet ist. Die im letztjährigen Bericht neu aufgenommen Länder Nigeria und Saudi-Arabien sind auch in dieser Ausgabe erneut als problematisch eingestuft.

Schließlich nennt die Analyse der EU zudem einige Länder, die besonders beobachtet werden sollten, da mit ihnen Freihandelsabkommen abgeschlossen wurden bzw. werden könnten. Dazu zählen Kanada, Südkorea, Mexiko und Vietnam; auch der Schutz von geschützten Herkunftsanagaben soll bei einigen Ländern genauer beobachtet werden, darunter Ecuador, Kolumbien und Peru. Nicht mehr aufgeführt sind im Bericht dagegen Israel, Marokko, Paraguay, die Philippinen, Südafrika, die Schweiz und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).

Der Bericht der EU-Kommission sieht bei allen im Report genannten Ländern eine schwache Durchsetzung von IP-Rechten als akutes Problem – das teilweise auch auf einen schwachen politischen Willen oder fehlende Ressourcen zurückgeführt wird. So könnten etwa Zollbehörden in einigen Ländern nicht von Amts wegen (ex officio) tätig werden, um Fälschungen zu stoppen, zu beschlagnahmen und zu vernichten; dadurch könne ein grenzüberschreitender Handel mit Fälschungen nicht effektiv verhindert werden.

Neuer INTA-Leitfaden beleuchtet Markenschutz im Internet

Der neue Online-Leitfaden Addressing the Sale of Counterfeits on the Internet, veröffentlicht von der International Trademark Association (INTA), bietet konkrete Handlungsempfehlungen im Kampf gegen Plagiate im Internet. Dafür liefert das kostenlose, englischsprachige Handbuch Best-Practice-Beispiele, etwa für Experten von Markeninhabern, Onlinemarktplätzen und Social-Media-Plattformen – vor dem Hintergrund eines kontinuierlichen Trends hin zum Online-Shopping, gerade während der globalen Coronavirus-Pandemie, und einer Ausbreitung von Fälschungen im Web, so die INTA.

Der Leitfaden zeigt zunächst den aktuellen Stand rund um Piraterie-Abwehr im Web auf und erläutert Schlüsselfaktoren, die den Online-Handel mit Fälschungen begünstigen. Demnach könnten Fälscher durch die Anonymität im Internet potenziellen Käufern vorgaukeln, dass sie echte Ware kaufen würden. Dies könne nicht nur Verbraucher, sondern auch etwa Einzelhändler und Großhändler betreffen. Betrachtet wird auch die Frage, wer Verantwortung im Kampf gegen solch illegalen Online-Handel übernehmen sollte: „Die Diskussion darüber, wer für die Eindämmung der gefährlichen Explosion von Online-Fälschungen verantwortlich ist, geht weiter. Es ist einfach – wir alle sind es“, erklärt INTA-CEO Etienne Sanz de Acedo. Der Leitfaden liefere entsprechend konkret zugeschnittene Empfehlungen.

Der zweite Abschnitt des Leitfadens stellt konkrete Best-Practice-Beispiele vor, die Akteure im Kampf gegen illegale Nachahmer nutzen können. So sollten beispielsweise Social-Media-Plattformen den Verkauf von Fälschungen in ihren Nutzungsbedingungen ausdrücklich verbieten, so die INTA. Online-Marktplätze könnten zudem aktiv zum Markenschutz beitragen, indem sie die Verfahren zum Identifizieren von Wiederholungstätern stärken und effektivere Maßnahmen gegen diese ergreifen. Markeninhabern empfiehlt die INTA etwa, ihre Stakeholder kontinuierlich für Produkt- und Markenpiraterie zu sensibilisieren.

Weitere Empfehlungen liefert der Leitfaden unter anderem für Suchmaschinen, Zahlungsbetreiber und Logistikunternehmen.

Deutscher Zoll: Beschlagnahmungswerte steigen 2020 dramatisch

Deutsche Zollbehörden konfiszierten im vergangenen Jahr gefälschte Waren im Wert von rund 238,87 Millionen Euro, wie aus der Zollstatistik 2020 und der Statistik für Gewerblichen Rechtsschutz 2020 hervorgeht, die Bundesfinanzminister Olaf Scholz und die Präsidentin der Generalzolldirektion, Colette Hercher, im Mai vorstellten. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein deutlicher Anstieg von mehr als 6 Prozent. Insgesamt stellten die Behörden rund 3,7 Millionen nachgemachte Waren sicher. Obwohl dies einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr darstellt (2019: rund 5,2 Millionen Waren), steigt der Wert der beschlagnahmten Artikel auf ein neues Allzeithoch, wie auch Medien berichten.

Besonders dramatisch ist der Anstieg der beschlagnahmten Arzneimittel, wie aus der Statistik hervorgeht. Bei diesen hat sich die Anzahl der Beschlagnahmungen gegenüber dem Vorjahr auf 52 Beschlagnahmungen verdoppelt (2019: 26); der Wert der beschlagnahmten Artikel hat sich sogar fast vervierfacht, auf über 2 Millionen Euro. Auch der Wert beschlagnahmter Körperpflegeprodukte vervierfachte sich auf schockierende 12,6 Millionen Euro im Jahr 2020. Weitere starke Anstiege verzeichnen die Behörden bei gefälschter Elektronik sowie bei Nahrungsmitteln und Getränken; die Beschlagnahmungswerte stiegen hier um 90 Prozent beziehungsweise um rund 50 Prozent an.

An erster Stelle der konfiszierten Fälschungen, basierend auf dem Wert der sichergestellten Waren, stehen Accessoires, wie etwa Sonnenbrillen, Taschen und Schmuck, mit einem Gesamtbeschlagnahmungswert von rund 127 Millionen Euro. Sie werden gefolgt von Bekleidung (ca. 29 Millionen Euro), Mobiltelefonen (ca. 14,4 Millionen Euro), Elektronik (ca. 14 Millionen Euro), Schuhen (ca. 13,8 Millionen Euro), Körperpflegeprodukten (ca. 12,6 Millionen Euro) und Spielwaren (ca. 5,2 Millionen Euro).

Der Postversand nahm im vergangenen Jahr erneut eine besondere Rolle für den Fälschungshandel in Deutschland ein: fast 8 von 10 Beschlagnahmung entfielen auf Postsendungen. Betrachtet man den Wert der beschlagnahmten Waren, entfielen lediglich rund 25 Prozent auf den Postverkehr, jedoch mehr als die Hälfte (circa 53 Prozent) auf den Luftverkehr.

Wie im Vorjahr liegt China an erster Stelle der Ursprungsländer für Plagiate – 2020 mit rund 44 Prozent der beschlagnahmten Produkte, mit einem leichten Rückgang um rund 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. An zweiter Stelle folgt Hongkong mit rund 24 Prozent und einem deutlichen Anstieg von rund 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weitere Herkunftsländer der in Deutschland aufgegriffenen Plagiaten waren Korea (rund 8 Prozent), Jordanien (rund 6 Prozent), die Türkei (rund 5 Prozent) sowie Saudi-Arabien (rund 3 Prozent), Indien (rund 2,5 Prozent), Libanon (1,3 Prozent); weitere rund 5,6 Prozent entfielen auf sonstige Länder.

Vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Beschlagnahmungswerte des Zolls fordern Wirtschaftsverbände schärfere Reglungen gegen den Fälschungshandel im Internet, wie sie im Moment mit dem geplanten Digital Services Act der Europäischen Union diskutiert werden. „Es ist an der Zeit, dass die Politik den Tatsachen ins Auge blickt und den Vertrieb gefälschter Produkte über die Onlinehandelsplattformen und die bekannten sozialen Netzwerke mit legislativen Maßnahmen eindämmt“, so Christian Köhler, Hauptgeschäftsführer Markenverband e. V.

Der Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie e.V. (APM) fordert unter anderem, aktive Prüfpflichten für Betreiber von E-Commerce-Plattformen: „Die Zollbehörden leisten im Einsatz gegen Produkt- und Markenpiraterie hervorragende Arbeit“, so der Vorstandsvorsitzende des APM, Volker Bartels. „Der Zoll kann jedoch nur einen bestimmten Anteil der Lieferungen kontrollieren, gerade, wenn viele Einzelsendungen im Internet bestellt werden. Er kann und sollte diese Aufgabe nicht alleine bewältigen.“

Amazon veröffentlicht erstmals Markenschutzbericht

Der Internetgigant Amazon zeigt erstmals seine Maßnahmen zur Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie in einem dezidierten Markenschutzbericht auf. Der Anfang Mai veröffentlichte Amazon Brand Protection Report fasst die Ergebnisse der Aktivitäten für das Jahr 2020 zusammen. Mit Investitionen in Höhe von rund 700 Millionen US-Dollar habe man zentrale Fortschritte gemacht, um betrügerischen Angeboten auf den Plattformen zu bekämpfen, so der US-Konzern. „Unser Markenschutzbericht ist der erste Bericht, in dem wir einen ganzheitlichen Überblick über unsere Bemühungen zur Bekämpfung von Fälschungen geben, und ich bin stolz darauf, die Fortschritte zu präsentieren, die unsere Teams auf dem Weg hin zu null Fälschungen gemacht haben“, so Dharmesh Mehta, Vice President, Customer Trust und Partner Support.

Mehr als 2 Millionen Fälschungen, die im Rahmen des Programms Versand durch Amazon (Fulfillment by Amazon) an die Logistikzentren des Konzerns geschickt worden waren, seien demnach aus dem Verkehr gezogen worden. Tauchten Fälschungen in einem Fulfillment-Zentrum auf, habe man die Produktbestände voneinander getrennt und die abgefangenen Waren zerstört, damit sie nicht anderer Stelle wieder in Lieferketten gelangen können, so die Angaben.

Auch der Verifizierungsprozess für Händler-Konten sei optimiert worden, um die Sicherheit zu erhöhen. So müssen sich angehende Händler seit 2020 etwa mittels Live-Videochats oder über Sendungen an ihre physische Adresse verifizieren. Im vergangenen Jahr seien so über 6 Millionen Registrierungsanfragen verweigert worden, noch bevor die Verkäufer erste Angebote online stellen konnten – ein deutlicher Anstieg von rund 2,5 Millionen verweigerten Registrierungen im Jahr 2019. Insgesamt genehmige man nur rund 6 Prozent der Anfragen, so der Konzern. Zudem habe man 2020 mehr als 10 Milliarden Verkaufsangebote vor ihrer Veröffentlichung blockiert und rund 5 Milliarden Änderungsversuche von Produktbeschreibungen geprüft, um illegitime Angebote zu identifizieren.

Amazon stellt auch seine Programme zur Kooperation mit Unternehmen vor, mit denen diese ihre Waren vor Fälschern schützen können; darunter die Amazon-Initiativen Brand Registry, Transparency und Project Zero. Beispielsweise seien bereits mehr als 500.000 Marken Teil des Amazon Brand Registry-Programms, das Zugang zu Werkzeugen zum IP-Schutz bietet. Mit der Serialisierung von Produkten durch Amazon Transparency habe man 2020 zudem mehr als 500 Millionen Artikel geschützt.

Amazon steht immer wieder in der Kritik für den Handel mit Fälschungen – so wurden Anfang des Jahres etwa europäische Amazon-Seiten auf der Notorious-Markets-Negativliste der US-Regierung aufgenommen. Zuvor sorgten Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiter für Aufsehen, dass Fälschungsschutz keine Priorität für Amazon hätte. Amazon würde vielmehr den Kampf gegen den Handel mit Fälschungen vernachlässigen, um keine Einbußen hinnehmen zu müssen, so die damalige Kritik in US-Medien.

Europa, USA, China – Meldungen in aller Kürze

Malta: Zoll verzeichnet massive Beschlagnahmungen
In den ersten drei Monaten des Jahres haben die Zollbehörden auf Malta die Anzahl beschlagnahmter Waren des Vorjahres bereits weit übertroffen: rund 1,9 Millionen Plagiate konfiszierten die Beamten in zehn Containern, wie der Zoll kürzlich bekannt gab. Im Vorjahr hatte der maltesische Zoll insgesamt rund 781.000 Fälschungen sichergestellt. Dieses Jahr beschlagnahmten die Behörden allein zwischen Januar und März bereits zehn Container mit Produkten, die IP-Rechte geschützter Marken verletzten; darunter gefälschte Bekleidung, Schuhe, Accessoires, Zahncreme, Elektronik und Elektronik-Zubehör.

Spanien: Zigtausende Plagiate in Razzien sichergestellt
Fälschungen im Wert geschätzter 300.000 Euro beschlagnahmten spanische Behörden bei mehreren Razzien im Raum Barcelona, wie Ende April bekanntgegeben wurde. Bei den gemeinsamen Aktionen der spanischen Guardia Civil und der Guardia Urbana de Badalona stellten die Beamten rund 47.000 gefälschte und anderweitig illegale Waren sicher, darunter Schutzmasken und potenziell gefährliche Spielwaren. Die Beamten durchsuchten Mitte April insgesamt 13 Geschäfte und Firmenräumlichkeiten in einem Industriegebiet in der Metropolregion Barcelona, nachdem zuvor illegale Waren identifiziert worden waren. An der Aktion beteiligt waren auch Mitglieder der spanischen Steuer- und Zollbehörden Patrullas Fiscales y de Fronteras (PAFIFs) sowie Mitglieder der Unidad de Seguridad Ciudadana (USECIC) der Guardia Civil von Barcelona.

Polen: illegale Abfüllanlage für gefälschte Alkoholika ausgehoben
Eine großangelegte Produktion für gefälschte Spirituosen schlossen polnische Behörden im Raum Łódź, rund 130 Kilometer von Warschau entfernt. Bei der Razzia auf einem Industriegelände beschlagnahmten die Beamten rund 5.000 Liter verkaufsfertigen gefälschten Wodka, rund 55.000 Liter Alkohol und 44.000 leere Flaschen, die bereits unerlaubt die Markenzeichen bekannter internationaler Hersteller trugen; zudem verhafteten sie vier Verdächtige. Auf dem Gelände fanden die Beamten eine vollständige Anlage zum Abfüllen, Verpacken und Verschließen von Flaschen vor, außerdem zahlreiche gefälschte Etiketten und Steuermarken. Das kriminelle Netzwerk habe mutmaßlich mehrere Monate lang verschiedene Spirituosen gefälscht, hauptsächlich Wodka unterschiedlicher Marken. Die Plagiate waren mutmaßlich für den Verkauf in Großbritannien und Polen vorgesehen, so die Behörden; allein der so für Polen entstandene Steuerschaden wird auf 3,4 Millionen Zloty (rund 756.000 Euro) geschätzt. An der Razzia waren Fahnder des Zentralen Ermittlungsbüros der Polizei (Centralne Biuro Śledcze Policji, CBŚP) und Beamte des masowischen Zoll- und Finanzamts in Warschau (KAS) sowie die Lubliner Abteilung der Nationalen Staatsanwaltschaft beteiligt.

Hier fehlen externe Inhalte. Klicken Sie einfach auf den Button, um den Inhalt von cbsp.policja.pl zu laden.

Externen Inhalt laden

USA: Renommierter Händler verkauft mutmaßlich Whisky-Plagiate
Einer der nach eigenen Aussagen ältesten Weinhändler in den Vereinigten Staaten soll mutmaßlich gefälschten Bourbon gehandelt haben, wie Medien berichten. Die Anschuldigungen wurden öffentlich, nachdem Journalisten des US-Nachrichtenmagazins Inside Edition eine Flasche Whisky für rund 1.000 US-Dollar (circa 820 Euro) kauften und zur Überprüfung an den Produzenten in Kentucky weitergaben. Dieser stellte nach Medienberichten Abweichungen bei dem Produkt selbst fest; zudem sollen die übliche Seriennummer und Umverpackung gefehlt haben. „Basierend auf allen Tests, die wir durchgeführt haben, einschließlich der Bewertung der Flasche selbst, glaube ich nicht, dass diese Flasche authentisch ist“, so ein Sprecher des Originalherstellers Buffalo Trace Distillery. Der Händler bestätigte, dass auch er bereits auf die potenziellen Fälschungen aufmerksam wurde, die von einem privaten Sammler stammen würden. Die Käufer seien kontaktiert und der Kaufpreis sei erstattet worden. Erst Anfang des Jahres hatten spanische Behörden für Aufsehen gesorgt, als sie tausende Liter gefälschten Whiskys beschlagnahmten.

YouTube

Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten ist die Verbindung zum Video, das auf YouTube gespeichert ist, gesperrt. Durch das Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.

Video jetzt abspielen

China: Urteil in spektakulären Fall gefälschten Golf-Equipments
Ein chinesisches Gericht verurteilte kürzlich 15 Angeklagte wegen Herstellung und Handel mit gefälschten Golf-Produkten, darunter gefälschte Golfschläger, Schlägerköpfe, Schäfte, Taschen und Labels. Die Angeklagten wurden zu einer Freiheitsstrafe und zu Schadenersatzzahlungen in Höhe von insgesamt 373.000 chinesischer Yuan (circa 475.000  Euro) verurteilt. Das Urteil ist das Ergebnis der größten Razzia zu gefälschten Golfprodukten, die in China durchgeführt wurde. Bei der Aktion im Jahr 2020 führte die Polizei Shanghai in vier Städten simultane Razzien gegen Online-Golfproduktverkäufer durch – in Kooperation mit dem US-amerikanischen Verband US Golf Manufacturers Anti-Counterfeiting Working Group (The Golf Group). Insgesamt wurden damals rund 120.000 gefälschte Produkte beschlagnahmt, im Wert von geschätzt 2,1 Millionen Yuan (rund 273.000 Euro). Der Wert der von dem Netzwerk verkauften Fälschungen wird auf rund 9,9 Millionen Yuan (rund 1,2 Millionen Euro) geschätzt. Die Plagiate hatten die Markenrechte namhafter Golf-Marken verletzt, wie etwa Titleist, TaylorMade, PXG, PING, Callaway und XXIO.

EUIPO: jede Zehnte Social-Media-Interaktion behandelt Plagiate

Erkenntnisse über das hohe Ausmaß und die enorme Häufung von IP-Verletzungen in sozialen Medien bietet nun eine neue Studie des Amts der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (EUIPO). Rund 11 Prozent aller Interaktionen zu physischen Produkten in den sozialen Netzwerken stehen demnach in Verbindung mit mutmaßlichen Produktfälschungen; rund 35 Prozent der analysierten Interaktionen betrafen zudem mögliche Raubkopien.

Über sechs Monate hinweg (April bis September 2020) analysierten Experten dazu mehrere Millionen Interaktionen auf den sozialen Netzwerken Facebook, Instagram, Reddit und Twitter. Mittels Data-Mining sammelten sie Inhalte von Nutzern aus sechs europäischen Ländern: Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien, Polen und Schweden. Analysiert wurde dann die öffentlich zugängliche Kommunikation bezüglich möglicher Schutzrechtsverletzungen bei physischen Produkten und digitalen Inhalten.

Insgesamt rund 3,9 Millionen Interaktionen zu physischen Produkten betrachtet die Studie. Am häufigsten wurden Spielwaren diskutiert (rund 1,9 Millionen Interaktionen), gefolgt von Parfüms und Kosmetika (1,2 Millionen Interaktionen). Insgesamt rund 11 Prozent der Interaktionen über alle Produktkategorien hinweg standen demnach möglicherweise in Zusammenhang mit Produktfälschungen. Am höchsten war dieser Anteil mit 36 Prozent bei Bekleidung, gefolgt von Schuhen (21 Prozent). Bei Spielwaren standen rund 7 Prozent der Interaktionen in möglicher Verbindung mit Fälschungen.

Instagram hatte den größten Anteil (rund 67 Prozent) aller Interaktionen, die mit Plagiaten in Verbindung stehen könnten, gefolgt von Twitter (26 Prozent) und Reddit (7 Prozent). Facebook hatte den geringsten Anteil (unter einem Prozent) – der Bericht betont jedoch, dass Interaktionen in Facebook-Gruppen nicht analysiert wurden, da diese nicht öffentlich sind. Eine 2017 erschienen Studie wies bereits darauf hin, dass verdächtige Inhalte auffallend häufig über geschlossene Facebook-Gruppen geteilt würden.

Der Anteil der Produktkategorie in den möglichen Fälschungs-Erwähnungen unterscheidet sich zum Teil deutlich zwischen den einzelnen Social-Media-Netzwerken. Bei jeder der analysierten Branchen wies allerdings Instagram den höchsten Anteil aller Interaktionen zu mutmaßlichen Fälschungen auf, mit Ausnahme von Bekleidung. Bekleidungs-Plagiate wurden am häufigsten auf Twitter diskutiert. Auf Instagram betrafen die meisten verdächtigen Erwähnungen Parfüms und Kosmetika (30 Prozent), Schuhe (29 Prozent) und Spielwaren (25 Prozent). Auf Twitter betrafen die meisten Interaktionen möglicherweise gefälschte Spielwaren (45 Prozent), Bekleidung (36 Prozent) und Schuhe (13 Prozent). Auf Reddit überwogen Interaktionen zu potenziell gefälschten Spielwaren (68 Prozent) deutlich, genauso auf Facebook, wo sich etwa die Hälfte der Interaktionen um mögliche Spielwarenplagiate drehte.

Fast alle möglichen Erwähnungen von Fälschungen fanden in englischsprachigen Inhalten statt (86 Prozent); mit weitem Abstand folgen die Sprachen Spanisch, Italienisch, Deutsch und Französisch. Wiederum deutlich geringer war der Anteil in polnisch- und schwedisch-sprachigen Inhalten.

In Bezug auf digitale Inhalte wiesen rund 35 Prozent der Interaktionen einen möglichen Zusammenhang mit Raubkopien auf. Den höchsten Anteil hatten laut Analyse die digitalen Inhalte in Form von E-Books (61 Prozent), TV-Shows (48 Prozent) und Musik (43 Prozent).

Auch den Einfluss der Covid-19-Pandemie untersuchte die Analyse und zeigte hier einen Anstieg der Erwähnungen von potenziell gefälschten Arzneimitteln sowie von Bekleidung. Die vollständige Untersuchung Überwachung und Analyse sozialer Medien im Zusammenhang mit Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums kann über die Website des EUIPO abgerufen werden.

Nachrichten und Tipps für Ihre
Piraterie-Abwehr

Unser Newsletter liefert Ihnen jeden Monat
wichtige Fakten, Zahlen und Hintergründe
zu Markenschutz und Produktpiraterie.
Bleiben Sie auf dem Laufenden!
Jetzt kostenlos abonnieren
X
Jetzt kostenlos abonnieren