Amazon stellt Bilanz seiner Counterfeit Crimes Unit vor

Allein im Jahr 2020 investierte Amazon laut eigener Angaben über 700 Millionen US-Dollar (rund 602 Millionen Euro), um gegen Fälschungen, Betrug und Missbrauch auf seiner Plattform vorzugehen. Der Konzern würde dafür mehr als 10.000 Mitarbeiter einsetzen und sowohl auf automatisierte Kontrollen via maschinellem Lernen als auch auf Checks durch erfahrene Ermittler zurückgreifen, um sicherzustellen, dass möglichst nur Originale verkauft werden. Als Resultat würden, so der Online-Händler, weniger als 0,01 Prozent der auf Amazon verkauften Produkte im vergangenen Jahr von einem Kunden als mögliche Fälschung beanstandet.

Nachdem Amazon letztes Jahr seine Counterfeit Crimes Unit (CCU) an den Start brachte, in der erfahrene Ermittler und Datenanalysten zusammenarbeiten, zieht es nun eine Bilanz zur Arbeit der Einheit: So hat die CCU laut Angaben des Konzerns mehr als 250 detaillierte Hinweise an Strafverfolgungsbehörden in den USA, der EU sowie im Vereinigten Königreich und in China übermittelt. Zudem wurden 64 Zivilverfahren gegen Fälscher in den USA angestrengt und eng mit Behörden sowie mit Marken wie Asmodee, Valentino oder GoPro zusammengearbeitet – teils auch in gemeinsamen Gerichtsverfahren mit Markeninhabern.

In einem aktuellen veröffentlichten Amazon-Whitepaper argumentiert der Konzern, der sich häufig mit dem Vorwurf mangelnden Engagements im Kampf gegen Fälschungen konfrontiert sieht, nun zudem, dass auch andere Akteure mehr gegen Produktpiraterie tun müssten. Erforderlich seien demnach eine bessere Kommunikation und Koordination, sowohl zwischen Unternehmen als auch zwischen Wirtschaft und Behörden. Auch umfangreichere Mittel für die Strafverfolgungsbehörden werden gefordert, damit diese effektiver gegen Fälscher vorgehen könnten.

Basierend auf einer aktuell veröffentlichten Studie warnt der amerikanische Wirtschaftsverband Buy Safe America Coalition derweil, dass Online-Marktplätze für Dritthändler, wie etwa Amazon Marketplace, den Markt mit Plagiaten fluten würden. „Täuschen Sie sich nicht, Amazon lässt Kriminelle mit gefährlichen Fälschungen und gestohlenen Waren auf seiner Plattform ihren Lebensunterhalt verdienen“, sagte Michael Hanson, Sprecher der Buy Safe America Coalition, laut einer weiteren aktuellen Meldung des Verbands. Amazon verwies dagegen darauf, dass die Studie vom stationären Einzelhandel mitfinanziert wurde, die Online-Marktplätze als Bedrohung sehen würden.

Aufsehen erregt zur Zeit zudem der Vorwurf, dass kleinere Anbieter durch Amazon weniger stark geschützt würden als bekannte Marken wie etwa Adidas, Apple oder Amazon selbst. Während große Marken von den digitalen Schutzmechanismen profitierten, hätten weniger bekannte Marken keinen solchen Schutz, so Medienberichte. Erwähnt wird dabei der kleinere Hersteller SnugglyCat, der in den USA Katzenspielzeug vertreibt: Fred Ruckel, Erfinder des Katzenspielzeugs, bemerkte demnach vor einigen Monaten zahlreiche Fälschungen seines Produktes auf Amazon. Da Amazon identische Produkte auf einer Produktseite zusammenfasst und die Fälscher einen niedrigeren Preis anboten, hätten sie eine bessere Platzierung in der sogenannten Buy Box erhalten – und konnten so das erste Angebot stellen, das der Kunde sieht und am wahrscheinlichsten kauft. Obwohl Amazon die ersten von Ruckel gemeldeten Angebote von der Plattform entfernte, tauchten regelmäßig immer wieder neue Anbieter auf, die Nachahmungen des Produktes verkauften. Mittlerweile hat Ruckel zusätzliche Unterstützung durch Amazon erhalten.

Aktuell werden sowohl in der EU als auch in den USA neue Gesetzesinitiativen für den Online-Handel diskutiert. Die Vorschläge könnten dabei gerade auch wichtige Onlinemarktplätze im Kampf gegen Fälschungen stärker in die Pflicht nehmen. Amazon sah sich für den Handel mit Fälschungen zuletzt immer wieder scharfer Kritik gegenüber – so wurden Anfang des Jahres etwa europäische Amazon-Seiten auf der Notorious-Markets-Negativliste der US-Regierung aufgenommen. Zuvor sorgten Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiter für Aufsehen, dass Fälschungsschutz keine Priorität für Amazon hätte.

Zoll fängt gefälschte Sendungen im Millionen-Wert ab

Der deutsche Zoll vermeldet aktuell mehrere Erfolge gegen den Import gefälschter Waren. So stellten Beamten am Münchner Flughafen bei der zollamtlichen Überwachung eine Sendung mit insgesamt 80 gefälschten Bremsbelägen sicher. Die nachgemachten Autoteile sollten aus Asien importiert werden und angeblich zur Marke eines namenhaften Automobilherstellers gehören, so der Zoll im September. „Die Zahl der Produkte, die heutzutage gefälscht werden, ist immens. Gerade bei sicherheitsrelevanten Bauteilen, wie in diesem Fall Bremsbelägen, bergen Fälschungen ein hohes Risiko“, erklärte Thomas Meister, Pressesprecher des Hauptzollamts München. Die Sendung wird nun auf Antrag des Rechteinhabers hin vernichtet.

Am Flughafen Leipzig fingen Beamte gefälschte Uhren ab und stellten Produkte im Wert von rund 16,2 Millionen Euro sicher. Bereits Ende Juli hatten die Zollbeamten die insgesamt rund 540 gefälschten Uhren eines namenhaften Herstellers beschlagnahmt, wie die Behörden vor Kurzem bekannt gaben. Die aus Hongkong stammenden Plagiate waren im Transit und sollten über Leipzig an einen Empfänger im Vereinigten Königreich gesendet werden. Der Rechteinhaber bestätigte schließlich, dass es sich bei den Uhren um Fälschungen handele.

In Osnabrück gingen den Beamten derweil gefälschte Designermöbel ins Netz. Wie aktuell bekannt wurde, fingen Beamte des Zollamts Fledder Anfang des Jahres über mehrere Monate hinweg eine Reihe von Sendungen mit Designermöbeln ab. Insgesamt beschlagnahmten die Fahnder so 58 Möbel-Fälschungen im Wert von 423.000 Euro, so die Behörden. Bei den Plagiaten handele es sich um Designermöbel von drei unterschiedlichen Marken: Vitra Collections AG Schweiz, Fritz Hansen A/S und Cassina S.p.A. Die Plagiate, die von einem Versender aus dem Vereinigten Königreich stammten, waren von insgesamt 52 verschiedenen Personen über das Internet bestellt worden. Bereits die erste Lieferung erregte dabei den Verdacht der Beamten, da der Betrag der beiliegenden Rechnung nicht stimmig erschien. In der Folge überprüften die Beamten alle weiteren eintreffenden Lieferungen des Versenders. Die Rechteinhaber prüften die Waren mit Hilfe von Fotos und bestätigten den Fälschungsverdacht. Mitte September wurden die gefälschten Designermöbel schließlich auf Antrag der Rechteinhaber vernichtet.

Elektronik, Pellets, Automotive, Kosmetika – Meldungen in aller Kürze

Smartphone-Fälscher in NRW verhaftet
Im Oktober beschlagnahmte die Polizei in Hamm, Nordrhein-Westfalen, mehr als 20 gefälschte Smartphones. Der 18-jährige Verkäufer hatte zuvor einem potenziellen Käufer ein nachgeahmtes Apple iPhone angeboten und flüchtete, als dieser dem Betrug bemerkte. Der potenzielle Käufer konnte sich jedoch das Kennzeichen des Fahrzeugs notieren und informierte die Polizei. Einer Polizeistreife fiel der flüchtige Wagen schließlich in der Innenstadt auf, und die Beamten hielten den Wagen an und kontrollierten den 18-jährigen Fahrer und seinen 30-jährigen Beifahrer. Der 18-jährige Verdächtige händigte den Beamten dabei ein gefälschtes iPhone Pro Max aus; bei der anschließenden Durchsuchung des Wagens fanden die Beamten insgesamt 22 mutmaßlich gefälschte iPhone-Mobiltelefone sowie ein gefälschtes Samsung-Smartphone. Die Fahrzeuginsassen wurden festgenommen; das Auto, die Fälschungen und Bargeld wurden beschlagnahmt und ein Verfahren wegen Betrugs und Verstoß gegen das Markengesetz eingeleitet.

Hunderte Tonnen Brennholzpellets beschlagnahmt
Italienische Behörden gingen in den letzten Monaten mit mehreren Aktionen gegen gefälschte und falsch deklarierte Holzpellets vor, die unerlaubt das geschützte Qualitätssiegel ENplus® trugen. Insgesamt wurden rund 700 Tonnen beschlagnahmt, so die Behörden. Bei ersten Ermittlungen in Venedig identifizierten die Behörden mehrere Händler, die illegale Waren verkauften; die Fahnder beschlagnahmten mehr als 350 Tonnen illegaler Pellets sowie zwei LKW-Lieferungen. Nach weiteren Ermittlungen nahmen die Behörden die Produzenten der Waren ins Visier: Bei weiteren Razzien im September gegen Unternehmen im Raum Rieti, Terni und Ancona sowie bei einem Unternehmen mit Sitz in der Slowakei identifizierten sie weitere illegale Produkte und beschlagnahmten erneut rund 60 Tonnen. Daraufhin folgten Ermittlungen bei zwei Händlern in Treviso und einer Lagereinrichtung in Vicenza, bei denen 85 Tonnen beziehungsweise 197 Tonnen beschlagnahmt wurden.

Händler gefälschter Felgen aufgeflogen

Beamte der niederländischen Polizei beschlagnahmten in Heesbeen im Süden des Landes über 1.600 Plagiate von Markenfelgen; der Wert der sichergestellten Produkte wird auf rund 300.000 Euro geschätzt. Die Plagiate trugen unerlaubt bekannte Automobil-Marken, etwa Seat, Volkswagen und Audi, und sahen den echten Autoteilen sehr ähnlich, berichten Medien. Der Verkäufer der Fälschungen habe fälschlicherweise vorgegeben, ein autorisierter Händler für die Produkte zu sein. Die Beschlagnahme ist das Ergebnis von Ermittlungen der Polizei in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Heusden und der Markenschutzorganisation REACT.

Sportlehrer betreibt schwunghaften Fälschungshandel

Für den Handel mit Fälschungen im Wert von über 500.000 Pfund (rund 592.800 Euro) wurde ein 56-jähriger Karatelehrer in Großbritannien zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Behörden beschlagnahmten bei ihm mehr als 2.800 gefälschte DVDs, rund 630 Plagiate von Fußpflegeprodukte der Marke Scholl sowie mehrere Laptops. Für seine illegalen Geschäfte über mehr als fünf Jahre verwendete der Angeklagte 22 eBay-Accounts, 28 PayPal-Konten und 31 Bankkonten, die er unter 30 verschiedenen Namen aufsetzte, so Medienberichte. Dazu nutzte er eine Self-Storage-Lagereinheit in Südlondon sowie drei nahegelegene Wohnadressen. Die Behörden kamen dem Betrüger auf die Spur, nachdem Mitarbeitern des Southwark Council Trading Standards einer seiner eBay-Accounts auffiel; anschließende Testkäufe durch Ermittler der Film Content Protection Agency bestätigten den Fälschungsverdacht. „Dieses Urteil sollte als ernste Warnung dienen, dass die Gerichte DVD-Piraterie und Fälschungen als das sehen, was sie sind – Betrug“, so Darren Merrill, Southwark Council.

Einheitliches Patentgericht kommt

Deutschland macht den Weg frei für das EU-Einheitspatent: Die deutsche Bundesregierung hat im September die Ratifikationsurkunde für das Protokoll zur vorläufigen Anwendung zum Übereinkommen über ein einheitliches Patentgericht (EPGÜ) hinterlegt. Bislang haben bereits 15 EU-Mitglieder1 das EPGÜ ratifiziert – dadurch kann das Übereinkommen in Kraft treten, wenn es auch Deutschland offiziell ratifiziert. Zuvor muss allerdings noch die Arbeitsfähigkeit des Patentgerichts hergestellt werden, unter anderem durch die Wahl der Richter und den Beschluss der Verfahrensordnung. Die Bundesregierung rechnet damit, dass das Übereinkommen frühestens Mitte 2022 in Kraft tritt. Durch die europäische Reform und mit dem Patentgericht als internationale Organisation mit Sitz in Luxemburg soll der europaweite IP-Schutz einfacher und effektiver werden. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) begrüßt dies: „Für die deutsche Industrie, die rund 40 Prozent aller aus Europa angemeldeten europäischen Patente hält, ist ein besserer Schutz ihrer Erfindungen im europäischen Binnenmarkt von besonderer Bedeutung“. Kritiker befürchten, dass das System teurer sei für Unternehmen, die in einem Rechtsstreit unterliegen.

Italien: Rasanter Fälschungsanstieg während Corona

Behörden in Italien betrachten eine rasante Entwicklung im Handel mit Fälschungen. Vor dem Hintergrund der weiter andauernden Coronavirus-Pandemie ist eine starke Zunahme von Plagiaten aus China bemerkenswert, die in den letzten Monaten beobachtet wurde. So beschlagnahmten Beamte der italienischen Guardia Finanza nach Medienberichten zwischen Januar und August 2021 bereits 32,6 Millionen gefälschte Produkte aus China. Damit verdreifachte sich deren Anzahl in den ersten acht Monaten 2021 im Vergleich zum dem gesamten Vorjahr – für das ganze Jahr 2020 wird noch von rund 9,5 Millionen beschlagnahmten Produkten aus China berichtet.

Eine entsprechende Analyse der Guardia di Finanza verdeutlicht, dass chinesische Produkte auch längerfristig eine enorme Rolle im illegalen Handel einnehmen. Betrachtet man die letzten zweieinhalb Jahre (von 2018 bis August 2021), so beschlagnahmten die Behörden insgesamt rund 1,1 Milliarden illegale Produkte, die Markenrechte oder Urheberrechte verletzten, gegen den Schutz der Bezeichnung Made in Italy verstießen oder Produktsicherheitsstandards nicht erfüllten – dabei stammt mit rund 547 Millionen Produkten rund die Hälfte dieser illegalen Waren aus China. Am häufigsten beschlagnahmt wurden illegale Konsumgüter (rund 42 Prozent der Beschlagnahmungen); dicht gefolgt von Spielwaren (rund 41,5 Prozent der Beschlagnahmungen). Mit deutlichem Abstand folgen nachgeahmte Elektronik (rund 10,9 Prozent) sowie Bekleidung- und Modeartikel (rund 5,4 Prozent). Die Fälschungen würden dabei vor allem in Lagerhäusern beschlagnahmt (rund 74 Prozent); zudem würden circa 20 Prozent im Handel und weiter rund 5,6 Prozent beim Transport sichergestellt.

Den enormen Anstieg illegaler Waren wird unter anderem auf die Covid-19-Pandemie und die damit verbundene Rezession zurückgeführt, so ein Medienbericht. Grund seien somit auch die oftmals günstigeren Preise der illegalen Waren.

Eine Studie der OECD hatte Anfang des Jahres berichtet, dass die Coronavirus-Pandemie das Fälschungsproblem auch für Unternehmen aus der Schweiz weiter verschärft habe. Auch Unternehmen wie etwa der deutsche Automobil- und LKW-Hersteller Daimler berichteten kürzlich, dass sich der Handel mit Fälschungen ihrer Produkte aufgrund von Covid-19 weiter intensiviert habe.

Smartphone-Plagiate boomen auf Online-Plattformen

Der Handel mit Fälschungen bleibt ein massives Problem im E-Commerce. Zu diesem Ergebnis kommt aktuell das Fachmagazin c’t nach erneuten Testkäufen und Recherchen auf einschlägigen Online-Marktplätzen. Im Visier hatten die Tester dieses Mal Plagiate von Smartphones – und das enorme Ausmaß des Problems überstieg sogar die Erwartungen der Tester.

Bei verschiedenen Onlineshops erwiesen sich die getätigten Testkäufe ausnahmslos als Fälschungen. Fünf der Stichproben wurden sogar in dem gleichen weißen Karton geliefert. Die insgesamt elf Stichproben wurden alle mit einem gleich aussehenden USB-Netzteil ohne CE-Zeichen geliefert, das den nötigen Sicherheitsvorschriften nicht genügte und nicht auf den deutschen Markt hätte gehandelt werden dürfen. Die Telefone selbst wiesen dagegen Unterschiede auf. Die Tester gehen davon aus, dass es sich um unterschiedliche Hersteller handle, die Restbestände alter Smartphones aufkauften und deren Komponenten dann in neue Gehäuse einbauten. Übersetzungsfehler in der Software, Fehldrucke auf den Produkten, falsche Anleitungen und fehlerhafte Sensoren seien weitere Anzeichen, dass es sich um Plagiate handle. Viele Bestellungen enthielten zudem MicroSD-Karten als kostenlose Zugabe – auch diese waren dem Bericht zufolge gefälscht und hatten deutlich weniger Speicherplatz als angegeben.

Besonders weit verbreitet sei das Problem bei der US-amerikanischen Plattform Wish.com und bei dem chinesischen Marktplatz AliExpress, so c’t. Dort würden Händler vermeintliche High-End-Produkte anbieten, etwa mit Unterstützung für den neuen Mobilfunkstandard 5G und mit bis zu 16 GByte RAM und 512 GByte Flash-Speicher. Die hier teils stark reduzierten Preisen würden die Angebote bereits auf den ersten Blick verdächtig erscheinen lassen. Auf Wish.com etwa traf dies auf 91 Produkte bei 100 Suchergebnissen zu; auf AliExpress betraf dies bei Tests mit unterschiedlichen Browsern mal 64 Angebote, mal 17 Angebote. Allerdings fanden die Tester auch auf den Onlineplattformen Amazon und eBay vereinzelt auffällige Angebote.

Bei ihren Recherchen identifizierten die Tester mutmaßliche Fälschungen unter dem Markennamen des Originalherstellers oder mit den Namen eines bekannten Smartphone-Modells; diese ahmten zum Teil auch die Verpackung und das Zubehör nach. Am häufigsten fanden die Tester allerdings Plagiate, deren Gehäuse und Bezeichnung an Marken-Smartphones angelehnt waren, die jedoch auf das unerlaubte Verwenden von Logo und Herstellername verzichteten. Einige weitere Produkte wurden sogar unter Fantasienamen angeboten. Gemeinsam hatten alle diese Angebote, dass sie mit High-End-Eigenschaften warben und dass ihr Betriebssystem manipuliert war, sodass die Systemeinstellungen die beworbenen Angaben zu bestätigen schienen. Auf Wish.com bemerkten die Tester auch Produkte, die angeblich aus Deutschland versendet werden; möglicherwiese, um bei Käufern Vertrauen zu erwecken. Recherchen zeigten beispielsweise, dass die bei einem der Produkte angegebene Absende-Adresse nicht existiert.

Sind Kunden einem Betrüger zum Opfer gefallen, bieten die Plattformen unterschiedliche Optionen. Bei AliExpress etwa muss der Kunde zunächst den Händler kontaktieren, bevor die Plattform selbst aktiv wird. In einem aktuellen Fall stritt der Händler die Vorwürfe ab und wollte, dass der Käufer die Kosten für einen Rückversand nach China selbst trägt. Einen offiziellen Streitfall konnten die Tester bei AliExpress nur über die App eröffnen. Hierbei schlägt der Käufer zunächst vor, wie viel Geld er zurückerhalten möchte; der Verkäufer kann mit einem Gegenangebot reagieren. Erst wenn sich Käufer und Händler einig geworden sind, wird AliExpress aktiv – in dem Fall wurde so von AliExpress die Rückzahlung zugesichert, ohne dass die Fälschung zurückgeschickt werden musste; allerdings wurde auch der Händler nicht gesperrt. Bei Wish.com kann ein Käufer eine Beschwerde direkt bei der Plattform einreichen, eine Lösung wurde innerhalb von 48 Stunden in Aussicht gestellt. Erst nach mehreren Erinnerungen bot Wish.com allerdings eine Erstattung von 50 Prozent des Kaufpreises an. Und nur durch vehementes Ablehnen wurde dann der volle Betrag erstattet. Auch bei Wish.com blieb die Händlerseite aktiv.

Gefälschte Elektronik bleibt anscheinend ein massives Problem im E-Commerce. Im letzten Jahr offenbarte bereits eine Stichprobe von c’t einen boomenden Handel mit gefälschten Speichermedien auf unterschiedlichen Plattformen; zuvor thematisierte das Fachmagazin etwa bereits den Handel mit gefälschten Grafikkarten auf eBay.

Neue Gesetze gegen illegalen Online-Handel geplant

Mit neuen Gesetzen könnten die Europäische Union und die USA schon bald Markeninhabern neue Möglichkeiten schaffen, um besser gegen Fälschungshandel im Internet vorzugehen. Die Vorstöße kommen dabei auch vor dem Hintergrund, dass sich der Handel mit Fälschungen stark wandele, angetrieben vom rasant wachsenden Onlinehandel. So berichtet aktuell das Fachmagazin TFL, unter anderem basierend auf Einschätzungen des internationalen Beratungsunternehmens Novagraaf.

Demnach entwickle sich der Fälschungshandel im Internet zunehmend dahin, dass Konsumenten unwissentlich Fälschungen kauften, die als vermeintliche Originale angeboten werden. Passend dazu berichtet etwa das Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (EUIPO) aktuell, dass jeder zehnte Konsument in Europa in den letzten zwölf Monaten unwissentlich ein gefälschtes Produkt gekauft habe; und dass sogar rund jeder Dritte Zweifel hätte, ob ein vermeintliches Original in Wirklichkeit eine illegale Nachahmung sei. Diese Unsicherheit sei im Onlinehandel besonders verbreitet: Hier könnten Fälscher ihre Plagiate effektiv als vermeintlich authentische Produkte tarnen, etwa indem sie Fotos und Beschreibungen der Originalhersteller unerlaubt verwenden, so Novagraaf.

Besonders problematisch: Illegale Verkäufer können im Web oftmals unerkannt bleiben. „Fälscher haben die Möglichkeit, anonym zu bleiben, wenn sie Artikel zum Verkauf anbieten, da praktisch jeder Aspekt des Verkaufsprozesses mit falschen oder unvollständigen Namen durchgeführt werden kann“, so Novagraaf. Und indem sie eine Vielzahl scheinbar unverbundener Onlineshops betreiben, könnten Fälschernetzwerke auch effektiv ihre tatsächliche Größe verbergen und sich vor Gegenmaßnahmen schützen: „Wenn ein Shop geschlossen wird, sind die finanziellen Auswirkungen für die Fälscher sehr gering.“

Ein wichtiger Schritt gegen den Fälschungshandel im Web ist demnach, die Identität von Verkäufern festzustellen, so auch etwa ein aktueller Report des Wirtschaftsverbands INTA (International Trademark Association). Hier setzt ein neuer Gesetzesentwurf in den USA an, indem er unter anderem Online-Marktplätze künftig dazu verpflichtet, Dritthändler auf ihrer Plattform zu verifizieren und diese Informationen auch an Konsumenten weiterzugeben. Der Vorschlag, genannt INFORM Consumers Act (Integrity, Notification, and Fairness in Online Retail Marketplaces for Consumers Act), sieht etwa vor, dass Plattformen die Identität von Händlern verifizieren müssen, die in den letzten zwölf Monaten mindestens 200 Transaktionen umsetzten. Für eine Verifizierung müssten sich Händler demnach jährlich mit einem Lichtbildausweis, ihrer Steueridentifikationsnummer, Bank- und Kontaktinformationen ausweisen.

Auch eine neue EU-Richtlinie könnte Online-Marktplätze zukünftig stärker in die Pflicht nehmen (wir berichteten). Der geplante, umfassende Digital Services Act (DSA) biete neben neuen Möglichkeiten aber auch neue Risiken für Markenschutzmaßnahmen im Internet, so Novagraaf: Unbegründete Take-Downs angeblich markenrechtsverletzender Verkaufsangebote könnten für einen Online-Marktplatz dann Entschädigungszahlungen nach sich ziehen. Die Online-Plattformen würden daher eventuell mangelhaft begründete Meldungen von Schutzrechtsverletzungen nicht länger berücksichtigen.

Gefälschte Bekleidung, Elektronik, Waschmittel – Meldungen in aller Kürze

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USA: Millionenschwerer Fälscherring zerschlagen
US-Behörden gingen jetzt gegen ein Fälschernetzwerk vor, das mutmaßlich Schuh- und Elektronikplagiate im Wert von über 130 Millionen US-Dollar (rund 110 Millionen Euro) produziert und gehandelt haben soll. Nach Angaben der Behörden wurden vier Verdächtige im August verhaftet und für ihre Beteiligung an einem internationalen Fälscherring vor dem Bundesgericht Brooklyn angeklagt. Um die Fälschungen zu produzieren, hätten die Verdächtigen von Oktober 2019 bis Juli 2021 generische Artikel aus China über den Hafen Port of New York and New Jersey in die USA importiert. Anschließend hätten sie die Waren in Werkstätten etwa in den New Yorker Stadtteilen Queens und Long Island mit Marken und andere Erkennungszeichen versehen, etwa von den Marken Ugg Boots, Nike, Timberland oder Beats. „Neben den schädlichen Auswirkungen auf unsere Wirtschaft stellen Fälschungsnetzwerke wie dieses eine Bedrohung für die nationale und öffentliche Sicherheit dar“, erklärte Peter C. Fitzhugh, Special Agent-in-Charge der Homeland Security Investigations New York. Drei weitere Verdächtige befinden sich derzeit auf der Flucht.

Indien: Produzent gefälschter Waschmittel, Hygieneprodukte aufgeflogen

Strafverfolgungsbehörden im Raum der indischen Hauptstadt Delhi beschlagnahmten bei einer Razzia über 1.300 Kilogramm gefälschte Waschmittel, 8.400 Beutel Shampoo, 600 Liter Reinigungsmittel und Dutzende Seifen und Gesichtscremes. Zudem stellten die Beamten über 5.000 ungenutzte Verpackungen sicher. „Alle Produkte wurden mit Markennamen verkauft. Es handelte sich jedoch um Chemikalien und Produkte von billiger Qualität“, so die Polizei laut Medienberichten. Mehrere Konsumgüterhersteller hatten zuvor die Behörden über Plagiate informiert, die etwa Produkte von den Konzernen Procter & Gamble sowie Unilever imitierten. Der vermeintliche Produzent der Plagiate gab an, aufgrund von Geldsorgen in die Produktion von Fälschungen eingestiegen zu sein, wie indische Medien berichten.

Amazon verklagt Fälscher gemeinsam mit GoPro und Asmodee
In den USA geht der Internetgigant Amazon gemeinsam mit Originalherstellern rechtlich gegen Händler von Fälschungen auf Amazons Onlineplattformen vor. So klagt der US-Konzern gemeinsam mit dem französischen Spielwarenhersteller Asmodee gegen zwei Personen, die versucht hätten, Fälschungen der bekannten Kartenspiel-Marke Dixit zu verkaufen. Die Angeklagten sollen dafür unerlaubt das Markenzeichen von Asmodee verwendet haben und müssen sich nun vor dem US District Court for the Western District of Washington verantworten. Für ein weiteres Verfahren arbeite Amazon zudem mit dem amerikanischen Kameraproduzenten GoPro zusammen. Angeklagt sind in diesem Fall sieben Personen chinesischer Staatsbürgerschaft sowie mehrere Unternehmen; sie sollen Zubehör der Marke GoPro gefälscht haben, dass sich nur in Details von den Originalen unterschieden habe; zehn weitere Verdächtige sollen zudem in den Verkauf der Plagiate involviert gewesen sein. Das Verfahren am US District Court for the Western District of Washington fokussiere sich auf Dritthändler, die auf Amazons Marktplatz agieren. Die aktuelle Klage wurde bereits im April eingereicht, jedoch erst nun veröffentlicht, da parallel gegen die Händler in China ermittelt werde.

Onlineplattform beantragt Patent gegen virtuelle Fälschungen

Die bekannte Online-Spieleplattform Roblox möchte in den USA ein Verfahren patentieren, um Fälschungen innerhalb der virtuellen Spielewelten zu identifizieren und Fälscher so abzuschrecken. Bei Roblox handelt es sich um eine weit verbreitete Plattform für Computerspiele, mit der Nutzer eigene Spiele erstellen und gemeinsam mit anderen spielen können. Dabei können auf Roblox auch virtuelle Produkte mittels In-Game-Käufen erworben werden, beispielsweise kosmetische Accessoires für Spielecharaktere. Der so entstandene, realitätsnahe Markt lockt anscheinend auch Betrüger an, die Fälschungen verkaufen, so Medienberichte. Laut Patentantrag könnte Roblox nun mithilfe eines Algorithmus und anhand von mehreren zweidimensionalen Ansichten eines dreidimensionalen virtuellen Objektes sowie dem Vergleich mit einem Original feststellen, ob es sich um eine Nachahmung handelt; dies soll Fälscher abschrecken, wie der Patentantrag spezifiziert. „Eine Spieleplattform, die das Hochladen gefälschter virtueller Objekte verhindert, kann die Ersteller gefälschter Objekte wirksam abschrecken.“

Daimler: Online-Handel mit Plagiaten nimmt stark zu

Der deutsche Automobil- und LKW-Hersteller Daimler verzeichnete 2020 mehr als 1,7 Millionen beschlagnahmte Fälschungen seiner Produkte, wieder Konzern kürzlich bekannt gab. Das Unternehmen habe dafür über 550 Razzien initiiert und aktiv die Strafverfolgungsbehörden unterstützt. Produktseitig lag der Fokus vor allem auf sicherheitsrelevanten Teilen wie gefälschten Bremsscheiben und Rädern. Mit diesem Ergebnis übertraf der Konzern das Resultat aus dem Vorjahr (wir berichteten).

Der Konzern hob auch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie hervor. So habe Covid-19 etwa durch verschobene Razzien und zeitweise geschlossene Gerichte den Kampf gegen Fälschungen erschwert. Nicht zuletzt habe während der Pandemie der Onlinehandel weiter zugenommen und so das Internet auch für Fälscher von Autoteilen attraktiver gemacht. Daimler habe seine Markenschutz-Strategie angepasst und seine Aktivitäten im Web gezielt verstärkt habe. „Insgesamt konnten wir 138.000 gefälschte Produkte von Online-Plattformen entfernen lassen. Das ist etwa dreimal so viel wie im Vergleichszeitraum vor der Pandemie“, so Florian Adt, Leiter Legal Product Intellectual Property bei Daimler.

Felgen nach Belastungstest (links: Original – rechts: Fälschung)
Bremsbeläge nach Belastungstest (links: Fälschung – rechts: Original)

Auch andere Automobilhersteller waren laut Medienberichten erfolgreich im Kampf gegen gefälschte Ersatzteile. So berichtet etwa der VW-Konzern von mehr als 100 Razzien und beschlagnahmten Fälschungen im Wert von rund 6,5 Millionen Euro. Online habe allein die Volkswagen-Kernmarke VW PKW täglich Tausende Angebote von Produkten identifiziert, die Markenrechte des Unternehmens verletzt hätten, so ein Sprecher.

Zielmärkte für viele Fälschungen seien nach Branchenangaben vor allem die Europäische Union und die USA. Razzien gegen das kriminelle Treiben seien dagegen oft in jenen Ländern lohnend, in denen Plagiate hergestellt, gelagert oder umgeschlagen werden – also etwa in Asien, den Nahen Osten und Nordafrika, so Medienberichte. Auch der hiesige Zoll stoppt regelmäßig gefälschte Autoteile; betroffen seien alle gängigen Automarken, so die Generalzolldirektion Bonn. Besonders häufig gefälscht würden Ersatzteile zur optischen Veränderung von Fahrzeugen, aber auch sicherheitsrelevante Teile wie Bremsbeläge, Filter, Auspuffanlagen und Felgen stünden im Fokus der Fälscher.

Um gegen Fälschungen vorzugehen, hat Daimler einen global aufgestellten Bereich Intellectual Property Enforcement mit einer dreiteiligen Strategie aus Aufspüren, Angreifen und Vorbeugen. Geprüft werden etwa Angebote auf Onlineplattformen und Messen, um Fälscher zu identifizieren. Ziel sei es, große Fälscherringe sowie Produktion und Vertrieb von Fälschungen zu stoppen. Zudem setzt Daimler auch auf präventive Maßnahmen, etwa indem der Konzern die Behörden mit Trainings und Infomaterialien sensibilisiert und maßgeschneidert unterstützt.

Kampagne gegen Fälschungen in Selfstorage-Lagerräumen

Mit dem Ziel, illegale Aktivitäten in Selbstlagerzentren einzudämmen, ist nun die Kampagne „The Tick Box: Keep it Real. Keep it Legal.“ im Vereinigten Königreich gestartet. Im Fokus ist dabei auch die Lagerung und der Handel mit Fälschungen – Plagiate werden oft in solchen Mietlagern oder auf den Weg dorthin beschlagnahmt, so eine Meldung zum Start der Aktion, die von dem Wirtschaftsverband Self Storage Association of the United Kingdom (SSA-UK) sowie dem britischen Intellectual Proprety Office (IPO), den National Trading Standards, und den London Trading Standards initiiert wurde.

Die Kampagne möchte verhindern, dass Selfstorage-Lagerräume von Fälschern genutzt werden; zudem sollen die Personen hinter den illegalen Produkten besser identifiziert und gesetzeswidrige Waren abgefangen werden, bevor sie auf den Markt kommen. Die beteiligten Selfstorage-Einrichtungen verpflichten sich in einem Verhaltenskodex beispielsweise, ihre Kunden zu identifizieren und Ermittlungen der Behörden zu unterstützen. Zusätzlich fordern sie ihre Kunden auf, dem entsprechenden Verhaltenskodex zuzustimmen, wenn sie ihren Mietvertrag für einen Lagerraum unterschreiben. Erste Erfolge sind bereits sichtbar: So wurden laut der Meldung der Kampagne bereits Tausende gefälschter Waren beschlagnahmt, im geschätzten Wert von Millionen von Pfund.

Auch Kommunikation und Sensibilisierung spielen eine wichtige Rolle bei der Kampagne, die auch eine eigene Aktions-Webseite betreibt. So erhalten teilnehmende Selfstorage-Firmen ein „Tick Box“-Logo und können in ihren Räumlichkeiten Plakate aushängen, die Fälscher abschrecken sollen und zeigen, dass die Betreiber Anti-Fälschungs-Maßnahmen ergreifen. Zudem wurden nach eigenen Angaben bereits über 1.200 Selfstorage-Mitarbeiter zum Thema geschult.

Rennie Schafer, CEO der SSA-UK, begrüße das Vorgehen gegen illegale Waren: „Als Branche wollen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um solche Aktivitäten in unseren Läden und in der Gesellschaft insgesamt zu unterbinden.“ Bislang nehmen bereits 45 britische Selfstorage-Unternehmen an der Kampagne teil; dies entspricht rund 340 Lager-Einrichtungen. In der zweiten Phase soll das Programm nun weiter ausgerollt werden.

Influencer treiben Fälschungshandel auf Social Media an

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Sogenannte Dupe-Influencer stellen in den sozialen Netzwerken gezielt gefälschte Produkte vor und informieren ihre Follower, wie sie solche Plagiate kaufen können. Das ergab eine vor kurzem von der American Apparel & Footwear Association (AAFA) veröffentlichte Untersuchung zum Handel mit gefälschter Kleidung, Schuhen und Accessoires auf Social Media. Demnach habe die kleine, jedoch stark wachsende Gruppe von Dupe-Influencern einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf die Werbung für gefälschte Produkte. So könnten sie Millionen von Ansichten, Likes und geteilten Inhalten rund um solche Plagiate generieren – und die Nachfrage nach Fälschungen erhöhen, indem sie Plagiate als trendig und modern prägten.

Vier verschiedene Formen der Influencer-Werbung für Fälschungen werden in der AAFA-Untersuchung konkret erläutert:

  • Unboxing-Videos: In solchen Video-Clips packten Influencer vor laufender Kamera gefälschte Produkte aus. Dabei kommentieren sie deren Qualität und vergleichen die Fälschung mitunter direkt mit dem Originalprodukt. Auch begleitende Materialien würden oft vorgestellt, etwa Belege, Etiketten und Aufbewahrungstaschen, mit denen Käufern ein authentischen Einkaufserlebnis suggeriert werden soll. Dupe-Influencer gäben in solchen Videos zudem oft preis, wo sie ein Produkt kauften beziehungsweise wer es ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt habe.
  • Sponsoring, Werbegeschenke: Hierbei erhielten Dupe-Influencer kostenfrei Plagiate zugeschickt oder erhalten eine Aufwandsentschädigung, wenn sie Werbebeiträge veröffentlichten. In einigen Fällen würden Dupe-Influencer ihren Followern auch Rabattcodes bereitstellen oder Fälschungen über Gewinnspiele verlosen – wodurch sie eine noch aktivere Rolle einnehmen würden, um Fälschungen an Konsumenten weiterzugeben.
  • Tutorials: Auch in Anleitungsvideos würde für gefälschte Produkte geworben. Dupe-Influencer würden dort einerseits etwa Schritt-für-Schritt Anleitungen zur Verfügung stellen, wie man gefälschte Artikel auf Online-Plattformen finden könne; zudem erläuterten sie mitunter auch die Strategie der versteckten Links, bei der in Anzeigen ein anderes, oft generisches Produkt beworben wird, Käufer schließlich jedoch ein gefälschten Markenprodukt erhalten, auf das etwa im Beschreibungstext hingewiesen wird.
  • Shopping-Apps: Als vierte Taktik beschreibt der Bericht spezifische Apps, über die Influencer direkt auf gefälschte Produkte verlinken können. Die Nutzer würden dann direkt zu Einkaufs-Plattformen weitergeleitet, auf denen sie die beworbenen Plagiate kaufen könnten, die etwa in den Fotos und Beiträgen der Influencern erwähnt seien. Nehmen die Influencer am Partnerprogramms einer solchen Shopping-App teil, könnten sie unmittelbar finanziell vom Verkauf der Plagiate profitieren.

Der Bericht Dupe Influencers: The concerning trend of promoting counterfeit apparel, footwear, and accessories on social media gibt unter anderem auch konkrete Handlungsempfehlungen für Social Media-Plattformen, um gegen Fälschungen vorzugehen. So sollten Plattformen etwa proaktiv nach Beiträgen zu Fälschungen suchen und diese entfernen sowie einschlägige Hashtags blockieren und Influencer löschen, die wiederholt Fälschungen bewerben. Der Bericht wolle zudem Influencer, Konsumenten, Onlineplattformen und Markeninhaber über das wachsende Problem aufklären und sensibilisieren. Aufklärung sei zentral, denn einige Influencer wären sich wohl nicht bewusst, was eine Fälschung sei oder dass sie mit ihren Postings möglicherweise eine Straftat begingen.

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